Unesco Hosni bedauert Aussage zur Bücherverbrennung

Jüdische Bücher wollte er eigenhändig verbrennen, doch im Rennen um das höchste Amt der Weltkulturpolitik rudert Ägyptens Minister Faruk Hosni nun zurück.

Der ägyptische Kulturminister Faruk Hosni hat sich für seinen Aufruf zur Verbrennung israelischer Bücher entschuldigt. Er bedaure diese Worte, schrieb Hosni, der als Kandidat für den Chefposten der UN-Kulturorganisation Unesco im Gespräch ist, in der französischen Zeitung Le Monde.

"Nichts liegt mir ferner als der Rassismus, die Negierung Anderer oder der Wunsch, sich verletzend über die jüdische Kultur oder eine andere Kultur zu äußern". Vergangene Woche hatten der Philosoph Bernard-Henri Lévy, der Regisseur Claude Lanzmann und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel der in der gleichen Zeitung Hosni Antisemitismus vorgeworfen.

Im Mai vergangenen Jahres habe Hosni, angesprochen auf israelische Bücher in ägyptischen Bibliotheken, gesagt: "Ich würde eigenhändig israelische Bücher verbrennen, wenn ich in ägyptischen Bibliotheken welche finden würde". Zudem habe er 2001 die israelische Kultur als unmenschlich, aggressiv und rassistisch bezeichnet. Die Unesco bestimmt im Oktober einen Nachfolger für Generalsekretär Koichiro Matsuura. Der von Ägypten nominierte Hosni galt als einer der Favoriten für den Posten. Er ist seit 21 Jahren Kulturminister seines Landes.

Der Deutsche Kulturrat hatte an diesem Montag seine Besorgnis angesichts Hosnis Äußerungen betont. In einer Erklärung des Deutschen Kulturrats hieß es, er sei "besorgt" darüber, dass Hosni zum Generaldirektor der Unesco ernannt werden solle, nachdem er in der Vergangenheit "immer wieder durch anti-israelische Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht" habe: "Jemandem, der unter dem begründeten Verdacht steht, die Vielfalt der Kulturen nicht zu achten, kann das wichtigste Amt der Weltkulturpolitik nicht angetragen werden."

Knobloch: Klare Verurteilung fehlt

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, forderte die deutsche Politik zu einer Stellungnahme auf. Im Deutschlandfunk sagte sie, Hosni habe sich "durch seine eindeutigen antisemitischen und antiisraelischen Äußerungen" für das Amt des Unesco-Generaldirektors "disqualifiziert". Sie appellierte an Deutschland und andere westliche Länder, "alles zu unternehmen, diesen gefährlichen Kandidaten für das Spitzenamt zu verhindern".

Einen entsprechenden Aufruf französischer Intellektueller unterschreibe sie zu "hundert Prozent", sagte Knobloch. Die fehlende klare Verurteilung von Hosnis "Verbalattacken gegen den jüdischen Staat und das Judentum" durch deutsche Unesco-Vertreter sei "absolut unverständlich". Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) müsse zeigen, wann "die rote Linie überschritten" sei. Die deutsche Politik hätte sich schon längst in die Debatte um Hosni einschalten müssen, kritisierte Knobloch.

Israel gab aber mittlerweile seinen Widerstand gegen Hosnis mögliche Ernennung auf, wie ein israelischer Regierungsbeamter auf Anfrage sagte. Die israelische Regierung komme damit einer Bitte des ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak nach, hieß es. Frankreich und andere europäische Staaten unterstützten bislang Hosnis Bewerbung für den Posten.