UN-Sondertribunal für Ruanda Drahtzieher des Völkermords verurteilt

Er soll mitverantwortlich für den Genozid an Hunderttausenden sein: Der frühere Verteidigungschef Theoneste Bagosora ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Der frühere ruandische Verteidigungschef Theoneste Bagosora ist als Drahtzieher des Völkermords von 1994 zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Das UN-Sondertribunal für Ruanda in der tansanischen Stadt Arusha sprach den 67-Jährigen am Donnerstag des Genozids schuldig, bei dem innerhalb von hundert Tagen hunderttausende Tutsi und gemäßigte Hutu umgebracht wurden.

Bagosora habe Waffen verteilt und militante Hutu, darunter die berüchtigte Interahamwe-Miliz, in ihren Gräueltaten dirigiert, erklärte die Vorsitzende Richterin Monica Weinberg de Roca. Der frühere Direktor des ruandischen Verteidigungsministeriums hatte die Vorwürfe in dem vor mehr als sechs Jahren eröffneten Prozess als bösartige Anschuldigungen zurückgewiesen, die ihn ruinieren sollten.

Bagosora musste sich gemeinsam mit drei weiteren Männern wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht verantworten. Ihm wurde außerdem vorgeworfen, Drahtzieher des Genozids gewesen zu sein.

Er galt als Machthaber über die Streitkräfte und als derjenige, der die politischen Angelegenheiten des ostafrikanischen Landes kontrollierte, nachdem Präsident Juvenal Habyarimana beim Abschuss seines Flugzeuges am 6. April 1994 ums Leben kam.