Schön das "King-Kong-in-der-Türkei"-Titelbild von LeMan Ende Dezember: Ein vor Panik zitternder King Kong krallt sich an der Spitze des Minaretts einer Moschee fest, während unter ihm die türkischen Männer ihrem täglichen Geschäft nachgehen: Sie schlagen sich die Köpfe blutig.
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Es gibt im Türkischen viele Wörter, die auch ohne Umlaut auf Anhieb Freude machen. Zum Beispiel "Sakamaka". Gesprochen wird das "Schakamaka" und heißt dem Lexikon zufolge: "Scherz beiseite!", ganz entgegen seiner gefühlten Bedeutung. Oder das "vasistas". Sprechen Sie das mal laut aus. Was das ist, das wasistdas? Ein schmales, oberhalb des normalen Fensters eingelassenes Klappfenster. Zuverlässiger Quell guter Laune sind auch all die eingetürkten Franzosenwörter (ein Wörterbuch zählte gut 5000 von ihnen).
Das ist überhaupt ein Ding: Die Türken schreiben - sürpriz, sürpriz - das Französische viel einfacher als die Franzosen. Hier in Istanbul fahren Sie gemeinsam mit Ihrem "kuzen" im "asansör" hinauf zum "kuaför" und hinterher bitten Sie im Café den "garson" um ein paar "milföy" mit "frambuaz". Das geht, seltener, auch mit deutschen Lehnwörtern, Warum die Türken allerdings ausgerechnet unsere Wörter "aysberg", "haymatloz" und "marsch!" (Ausrufezeichen wird mitgesprochen) eingebürgert haben, ist mir nicht klar. Warum die Geschöpfe des Istanbuler Nachtlebens zum "Flört" einladen, schon eher.
Nicht verschwiegen sei, dass das Erlernen des Türkischen gemeinhin Mongolen und Japanern leichter fallen soll als dem gewöhnlichen Mitteleuropäer, hat es seine Wurzeln doch höchstwahrscheinlich im Altaigebirge, da wo sich heute die Mongolei, China und Russland reiben. Türkischsprechende verweisen gerne darauf, wie stringent und logisch die Sprache aufgebaut sei.
Dem Indogermanen ein fremdes Tier
"Die Struktur des Türkischen - das hat was. Das hat Eleganz", sagt Pamuk-Übersetzer Chrisoph Neumann, und sinnt dem Gesagten mit einem liebevollen Blick in die Ferne hinterher: "Das ist wirklich mal was ganz anders." Das stimmt. Auch wenn es dem Anfänger manchmal so scheint, als habe sich die Sprache ihre Logik auch dadurch erkämpft, indem sie jede Ausnahme flugs zu einer neuen Regel erklärte.
Das Türkische ist dem Indogermanen ein fremdes Tier. Es zu zähmen heißt, sich eine neue Welt anzueignen. Eine Welt, die für das Wort "Ehre" gleich vier Begriffe kennt, aber auch für das "Herz" noch doppelt so viele wie das Deutsche. Es gibt im Türkischen eine eigene Vergangenheitsform für Dinge, die man nicht selbst gesehen oder bewusst erlebt hat, eine Vergangenheit aus zweiter Hand gewissermassen. Die Form ist vor allem dann nicht ohne Reiz, wenn man sie auf sich selbst anwendet: "Da soll ich ganz schön betrunken gewesen sein ...". Es verleiht dem eigenen Tun eine oft nicht unwillkommene Unschärfe.
Andererseits wickeln wir uns hier fleißig endlose Suffixketten um die Bäuche und verstricken und verstolpern uns heillos darin. Es wachsen in der Türkei nämlich auch an sich harmlosen Wörtern lange Schwänze aus immer noch neuen Endungen - und leider wedeln dann im Türkischen tatsächlich die Schwänze mit den Wörtern, und nicht selten werden auch die Studenten der Wörter gleich kräftig mitgeschüttelt.
So geschah es der geliebten Frau an meiner Seite in der dritten Schulwoche. Es war Spätsommer, wir schliefen in einem Mücken-verseuchten Zimmer, sie musste sich die ganze Nacht kratzen - und hatte dann in dämmrigem Halbschlaf diesen Traum: Aus dem Ellbogen, aus dem Knie und aus dem großen Zeh - überall dort, wo besonders giftige Tierchen zugebissen hatten - wuchsen ihr türkische Endungen, lange, wuchernde Suffixschlangen.
Voller Schrecken bemerkte meine Freundin, dass es die falschen Endungen waren: Am großen Zeh dockten nur noch u's an, aber keine i's mehr. Am geschwollenen Knie hingegen hingen lauter Endungen mit "i" und wollten die ü's nicht hinlassen. Als ich sie aufweckte, erzählte sie mir atemlos, sie habe gerade verzweifelt die i's dort weggekratzt. Denn die ü's, die brauchen wir doch: für "Gürültülü".
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(SZ vom 6./7. Januar 2006)
New Yorker Bürgermeister will Soft-Drinks verbieten
Hach...ein herrlich erfrischender Artikel. Bin selbst türkischer Herkunft und hatte bei der Lektüre des Artikel großen Spaß. Die nichtvegetarische Variantes des "Imams, der in Ohnmacht fiel", heißt übrigens "gespaltener Bauch". Bei Buddha-Gericht fiel mir ja noch der "Lustige Bosniak" ein, was aber inzwischen politisch unkorrekt zu sein scheint. Verständlich.
Zu "gürültülü" gesellt sich natürlich auch das "müdürlügü" (Direktion).
"Sakamaka" ist ja ein Phantasiewort...zusammengesetzt aus einem real existierenden Wort (hier: saka) plus der Wiederholung dieses Wortes, wobei aber der Anfangsbuchstabe intuitiv ausgetauscht wird. Der Zusatz drückt sinngemäß "und so´n Zeugs" oder "und so weiter" aus. Wenn man z.B. beschreiben will, dass man einer multiethnischen Touristengruppe begegnet sei, man aber nur die Deutschen identifizieren konnte, sagt man "Alman malman" ("Deutsche und so weiter"). Ein sehr guter Freund von mir betreibt übrigens eine kostenlose Türkischlernseite. Zu finden unter: www.easy-turkish.com
Türkisch ist also im Kommen :-)