Hier drei Argumente vom Fachmann. Es spricht: Christoph Neumann, Übersetzer von Orhan Pamuks "Schnee". "Du möchtest eine exotische Sprache lernen, sie soll aber doch mit lateinischen Buchstaben geschrieben werden? Bitteschön: Du hast die Wahl zwischen Albanisch, Baskisch, Maltesisch - und Türkisch."
Sonnenuntergang in der "coolsten Stadt Europas" (© Foto: AP)
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"Stell dir vor, du bist ein Marsmensch und landest auf der Erde. Du hast nur 48 Stunden Zeit, eine Sprache zu lernen. Absolut logisch soll sie sein und mindestens ein Prozent der Weltbevölkerung soll sie sprechen. Ganz klar: Der Marsmensch wird Türkisch lernen."
"Es ist die am wenigsten übersetzte ernstzunehmende Literatursprache. Und der türkische Roman ist so komisch. Ach, was gibt es da noch für Schätze zu entdecken."
Schätze. Wer sich auf die Türkei einließe, der würde nicht nur feststellen, dass sie den schönsten Frauen Europas Heimat ist, er würde auch erkennen, dass die Melodie ihrer Sprache zu Unrecht einen schlechten Ruf genießt. Vielmehr fließt das Türkische aus dem Munde einer schönen Lehrerin gleich einem mit Edelsteinen besetzten Band aus Atlas.
Und wer es spräche, der könnte diesen Frauen in einem kühnen Augenblick auch Verse wie diese ins Ohr flüstern: "Meine schwarze Maulbeere, meine Vliesschwarze, meine Zigeunerin / Was hättest du mir alles noch sein können, meine Einzige / Meine lachende Quitte, mein weinender Granatapfel / Mein Weib, meine Stute, meine Frau."
Beim Zeitunglesen kommt man aus dem Staunen nicht heraus
Ein Gedicht des Malers und Lyrikers Bedri Rahmi Eyüboglu, das dieser vor mehr als 50 Jahren weinend seinen Gästen vortrug: Gewidmet war es seiner Geliebten, die einst mit einer Lungentzündung darnieder gelegen war. Der Maler hatte seine Bilder verschleudert, um ihr die teuren Medikamente zu kaufen. Es half nichts, sie starb. Seine Frau, die angetraute, verließ ihn später, dann schrieb sie ihm diese Zeilen: Sie fühle sich, als ob ihr einer ein heißes Bügeleisen ins Blut drücke.
Vielleicht sollten Sie Türkisch aber ganz einfach deshalb lernen: Weil es Spaß macht. Allein die vielen ö's und ü's, mit denen Sie Ihre Mitspieler in Zukunft in die Scrabble-Hölle buchstabieren. Freunde des gespitzten Umlautmundes werden sich hier fühlen wie im Schlaraffenland und dürfen zudem jeden Morgen zum Weckruf des türkischen Hahns erwachen: "Ü-ürü-üüü!"
Oder die Speisekarte: Auf der steht nicht einfach "gefüllte Aubergine", auf der steht: "Der Imam ist in Ohnmacht gefallen". Wahrscheinlich, weil es ihm so gut geschmeckt hat. (Obwohl. Es wäre noch zu klären, ob von religiöser Namenspatronage so ohne weiteres Rückschlüsse auf die Qualität eines Gerichtes zu ziehen sind: In Chinas vegetarischen Lokalen servieren sie eine Gemüseplatte, die heißt "Der Buddha springt über die Mauer". Dabei schmeckt sie wirklich nicht schlecht).
Und erst die türkischen Zeitungen, allein sie sind hundertfacher Lohn: Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Da sprudelt einem tagein tagaus so viel Wunderliches und Bizarres auf den Frühstückstisch, dass der Verdacht nicht fernliegt, türkische Satirezeitschriften wie Penguen und LeMan hätten sich der Tagespresse wegen darauf verständigt, durchgehend in Cartoon-Form zu erscheinen: Man würde den Unterschied sonst nicht merken.
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Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
Protest gegen dritte Startbahn
Hach...ein herrlich erfrischender Artikel. Bin selbst türkischer Herkunft und hatte bei der Lektüre des Artikel großen Spaß. Die nichtvegetarische Variantes des "Imams, der in Ohnmacht fiel", heißt übrigens "gespaltener Bauch". Bei Buddha-Gericht fiel mir ja noch der "Lustige Bosniak" ein, was aber inzwischen politisch unkorrekt zu sein scheint. Verständlich.
Zu "gürültülü" gesellt sich natürlich auch das "müdürlügü" (Direktion).
"Sakamaka" ist ja ein Phantasiewort...zusammengesetzt aus einem real existierenden Wort (hier: saka) plus der Wiederholung dieses Wortes, wobei aber der Anfangsbuchstabe intuitiv ausgetauscht wird. Der Zusatz drückt sinngemäß "und so´n Zeugs" oder "und so weiter" aus. Wenn man z.B. beschreiben will, dass man einer multiethnischen Touristengruppe begegnet sei, man aber nur die Deutschen identifizieren konnte, sagt man "Alman malman" ("Deutsche und so weiter"). Ein sehr guter Freund von mir betreibt übrigens eine kostenlose Türkischlernseite. Zu finden unter: www.easy-turkish.com
Türkisch ist also im Kommen :-)