Szene-Label "Thor Steinar" Eigen-Thor für Mohammed

Pullis und T-Shirts der Marke Thor Steinar gelten in der rechten Szene als Erkennungszeichen. Damit könnte jetzt Schluss sein: Ausgerechnet bei Thor Steinar ist ein arabischer Investor eingestiegen.

Von Johann Osel

In den Weiten des Internets findet sich ein Amateurvideo, in dem türkische Burschen einen Jugendlichen verspotten. Grund: Er trägt einen Pullover der Marke Thor Steinar, die vor allem bei Neonazis hoch im Kurs steht und als Erkennungssymbol der Szene gilt.

Ein empörter Kommentar, verfasst von einem Nutzer namens "Blut und Ehre", lässt nicht lange auf sich warten: "Wird ja immer besser in Deutschland", schreibt er, begleitet von rassistischen Schmähungen. "Thor Steinar sind super Klamotten, trage sie gern. Dabei bleibt es auch."

Die Frage ist nur, wie lange? Denn bei Thor Steinar, das bei Name und Gestaltung bewusst mit mythisch-germanischen Anleihen spielt, ist ausgerechnet ein arabischer Investor eingestiegen.

Hinter der Marke steckt die Firma Mediatex mit Sitz im brandenburgischen Königs Wusterhausen. Seit einigen Wochen kursiert im Internet ein Auszug aus dem Handelsregister am Amtsgericht Potsdam, worin neben dem bisherigen Geschäftsführer Uwe Meusel ein gewisser Mohammed M. Aweidah, geboren in Dubai, aufgeführt ist.

Ein Sprecher der Behörde bestätigte der Süddeutschen Zeitung die Echtheit des Dokuments. Und: Wegen eines schwebenden Verfahrens bezüglich der Vertretungsberechtigung seien weitere Änderungen nur noch nicht vermerkt. Meusel habe inzwischen die "Geschäftsführertätigkeit niedergelegt".

Als Gesellschafter fungiere die International Brands General Trading (IBGT) mit Sitz in Dubai, Geschäftsleiter sei Faisal al Zarooni. Die Zarooni Group betreibt Immobiliengeschäfte und investiert weltweit unter anderem im Textilbereich. Auf Anfrage bei Mediatex antwortet noch Uwe Meusel: Die Firmenverhältnisse seien dem Handelsregister zu entnehmen, ansonsten "keine Auskünfte".

Nimbus des Verruchten

Dabei gebarte sich Mediatex im Umgang mit Journalisten eigentlich meist offensiv. Nachdem Medien behauptet hatten, die Marke werde von Rechtsextremen hergestellt, hagelte es Gegendarstellungen. Die Beliebtheit bei Rechten ist allerdings kaum abzustreiten: Der Verfassungsschutz Brandenburg ordnet die sportlich geschnittenen Textilien als szenetypisch und "identitätsstiftendes Erkennungszeichen" ein. Diverse Gerichte haben schon erörtert, ob das alte Logo den Runenzeichen der SS gleiche.

Ein Oberlandesgericht hat schließlich befunden: Das Logo erinnere zwar auch als Phantasiezeichen an NS-ideologisch besetzte Symbole, was in dem Fall aber nicht verfassungswidrig sei. Kurz zuvor hatte Mediatex das Logo in eine harmlosere Form - ein Kreuz mit Punkten - geändert. Der Kult in der Szene blieb - zumal Bürgerproteste und Streit um die Eröffnung von Thor-Steinar-Läden immer wieder den Nimbus des Verruchten befeuerten. In einigen Fußballstadien ist das Tragen der Marke zum Beispiel verboten.

Mit dem Kult könnte es bald vorbei sein. Laut eines linken Internetdienstes diskutiere die Szene wegen des ausländischen Investors über einen Boykott. Die rechte Kundschaft könnte sich nun neue Lieblingsklamotten suchen. Wie im Fall der britischen Traditionsmarke Lonsdale: Die genoss einst unfreiwillig Kultstatus, da die Pullover unter offener Jacke so getragenen werden konnten, dass vom Schriftzug Lonsdale nur "NSDA" sichtbar war - fast der Name der Hitlerpartei.

Dem deutschen Lizenznehmer wurde dieses Image unheimlich: Er kündigte Verträge mit dubiosen Händlern und startete eine Kampagne, die etwa multikulturelle Festivals sponserte. Die Umsätze mit der rechten Szene sollen seitdem geschrumpft sein.