Wirtschaftsminister Glos will lieber Steuern senken, als den Haushalt konsolidieren - und stößt damit auf heftigen Widerstand. SPD-Finanzminister Steinbrück hält das für Glos' "Privatmeinung" - und die CDU fürchtet um ihre Glaubwürdigkeit. Ein Machtwort der Kanzlerin bleibt aus.
Die Union streitet weiter über den künftigen Kurs in der Steuerpolitik. Mehrere CDU-Politiker warnten die bayerische Schwesterpartei CSU davor, mit dem Drängen auf baldige Steuersenkungen die Glaubwürdigkeit der Union zu erschüttern. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte davor gewarnt, einen ausgeglichenen Bundeshaushalt "isoliert über alles andere zu stellen" und Steuersenkungen gefordert.
Ein Mann mit Privatmeinung: Wirtschaftsminister Michael Glos. (© Foto: AP)
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Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Fraktion, Michael Meister, mahnte Glos daraufhin, die finanzpolitische Glaubwürdigkeit der Union nicht zu erschüttern. "Es gibt die klare Festlegung, dass die Haushaltskonsolidierung oberste Priorität hat", sagte Meister der Berliner Zeitung. Wenn es finanziellen Spielraum gebe, werde mit diesem Geld zunächst der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung weiter gesenkt.
Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) lehnte Glos Haushaltsvorschläge (CSU) entschieden ab. "Das ist nicht die Position der Bundesregierung", sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums der Rheinischen Post. "Es handelt sich um die Privatmeinung von Bundeswirtschaftsminister Glos. Die Bundesregierung dagegen wird ihr Ziel eines schuldenfreien Haushalts erreichen - auch mit Glos", sagte Steinbrücks Sprecher.
Die SPD sieht nun die Bundeskanzlerin in der Pflicht: "Jetzt ist wirklich Frau Merkel gefordert, Klarheit zu schaffen, ob die Grundlagen der Koalitionsvereinbarung noch gelten", sagte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß im Deutschlandfunk.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Röttgen (CDU), lehnte "kurzfristige Aktionen" in der Neuen Osnabrücker Zeitung ab. Er halte es für ganz wichtig, dass die Politik in den Bereichen Haushalt, Finanzen und Steuern "wieder Verlässlichkeit und Berechenbarkeit" gewinne.
Die Debatte war am Wochenende durch Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) verschärft worden, der den Konsolidierungskurs der Koalition in Zweifel zog. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Michael Meister (CDU), erinnerte Glos in der Berliner Zeitung an die "klare Festlegung, dass die Haushaltskonsolidierung oberste Priorität hat".
Der Finanzexperte der Fraktion, Steffen Kampeter (CDU), warnte: "Wir dürfen nichts tun, um das mühsam erworbene Vertrauen in unsere Haushaltspolitik zu erschüttern." Ziel der großen Koalition ist es, bis 2011 einen ausgeglichenen Bundeshaushalt zu erreichen.
"Die Grundtendenz ist richtig"
Dagegen stellte sich der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Laurenz Meyer (CDU), hinter die Forderungen nach einer deutlichen Senkung der Steuerbelastung. "Die Grundtendenz der CSU-Vorschläge ist richtig", sagte Meyer dem Handelsblatt. Der Vorstoß gebe auch "weitgehend die Beschlüsse des Leipziger CDU-Parteitages wieder". Die eigene Partei drängte der ehemalige CDU-Generalsekretär zu einem schnelleren Vorgehen in der Steuerpolitik. "Wir brauchen jetzt ein Signal der Entlastung zugunsten der Bürger." Die CDU will ihr Steuerkonzept bislang erst Anfang nächsten Jahres vorlegen.
Dahinter steckt die Überlegung, dann mit neuen Vorschlägen in den Wahlkampf für die Bundestagswahl im September 2009 gehen zu können. Die CSU, die bei der bayerischen Landtagswahl im September dieses Jahres ihre absolute Mehrheit verteidigen will, hat den Bundesbürgern jetzt schon Steuererleichterungen in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt.
- Teurer Treibstoff Der Benzinpreis-Reflex 13.05.2008
- Entlastung der Bürger Wettlauf der Wohltäter 12.05.2008
(sueddeutsche.de/dpa/dpa-AFX/woja)
Zitat:
Der Finanzexperte der Fraktion, Steffen Kampeter (CDU), warnte: "Wir dürfen nichts tun, um das mühsam erworbene Vertrauen in unsere Haushaltspolitik zu erschüttern."
Der Mann hat unbestritten Humor.
Bin voll ihrer Meinung, gestern waren die Aussagen der Linken blanker Populismus, bei den CSUlern Glos und Seehofer trauen sich plötzlich auch Gabriel, Nahles und andere aus der Deckung. Und oh Wunder - auch in der deutschen Agenda 2010 Presse ist angekommen: Rentner verarmen, Familien verarmen, Mittelstand verarmt, die "wir müssen unseren Enkeln einen schuldenfreien Staat übergeben, selbst wenn wir damit wirtschaftlich an die Wand fahren", kann nicht das gelbe von Ei sein. Durch die Mehrwertsteuererhöhung, den Wegfall der Pendlerpauschale und der Eigenheimförderung mussten die Bürger über 50 Mrd. Euro sparen - die sind jetzt bei Steinbrück und müssen von ihm wieder in die Volkswirtschaft geleitet werden . sonst geht es uns immer dreckiger, und unseren Enkeln auch...
Aha. Also alles was von den eigenen Leuten kommt ist richtig, was aber von den Anderen kommt ist falsch.
Fällt Ihnen eigentlich nicht auf, "Die Linke" hat diese Forderung schon vor 1 Jahr erhoben, nur damals war das Populismus, heute ist das eine berechtigte Forderung.
Mainstream ist im Moment, SPD,Die Linke und die Grünen zu verteufeln und alles was aus der CDU/CSU kommt zu beklatschen. Merkel ist die inzwischen eine Mischung von Mutter Theresa und Jean d´Arc und war die einzige Wiederstandskämpferin in der DDR, halt der weibliche Messias der BRD. (Ironie aus)
Merken Sie eigentlich nicht, in Berlin hat unser Parlament die Orientierung verloren und machen eine Politik, Marke: "Denn sie wissen nicht, was sie tun".
Hoppla, Steuern senken - gestern noch Populismus, heute wohl ein absolutes Muss, bevor halb Deutschland in die Grütze geht. Nur Steinmeier hält weiter an seinem Wahnsinnskurs - ausgeglichener Haushalt, auch wenn die Binnenwirtschaft an die Wand fährt - fest. Und die Netzwerker, Seeheimer und Stones verschlafen wieder einmal eine historische Chance, plötzlich hätten sie in der CSU einen Verbündeten für eine arbeitnehmerfreundliche Steuer- und Arbeitsmarktpolitik. Arme SPD.
Es gab einmal vor nicht all zu langer Zeit die Losung:" Wir müssen sparen, damit wir unseren Kindern nicht allzu große Schulden hinterlassen".
Diese Losung von Eichel und Steinbrück, allerdings SPD. Und die SPD kann ja nach gängiger Meinung nicht mit Geld umgehen.
Jetzt kommt aus Bayern, dort gibt es eine Landtagswahl, die Losung: "Bier für alle".
Und weil diese Losung von der CDU/CSU kommt, muss sie richtig sein; weil bekanntermaßen diese Partei mit Geld umgehen kann.
Wobei die Rentner hätten die 1,1% nicht bekommen sollen, Argument, es ist kein Geld da.
Wieso hat mein Langzeitgedächtnis noch diese Informationen, war der Löschvorgang nicht erfolgreich?
Paging