"Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden." Der Satz hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Nun soll er wieder ins SPD-Grundsatzprogramm. Doch die Genossen verrennen sich in eine Diskussion über die Gleichstellung.
Es waren wenige Sätze, aber mit gewaltiger Wirkung: 2003, als die SPD einen ersten vergeblichen Anlauf für ein neues Grundsatzprogramm nahm, forderte der damalige Generalsekretär Olaf Scholz, den Begriff des demokratischen Sozialismus zu streichen.
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"Es gibt keinen Zustand mit diesem Namen, der auf unsere marktwirtschaftlich geprägte Demokratie folgen wird. Deshalb sollten wir nicht solche Illusionen erzeugen." Scholz zog Entrüstung in der Partei auf sich - aber auch beträchtliche Aufmerksamkeit jenseits der SPD, was für Programmdebatten nicht selbstverständlich ist.
Der aktuellen Diskussion über die neuen Grundsätze fehlt ein Reizthema, eine Ursache dafür, dass sie kaum Beachtung findet. Das aber könnte sich bald ändern: Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) und die Jungsozialisten (Jusos) wollen einen Satz zurück ins Programm holen, der schon als auf ewig getilgt galt:
"Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden." Das frauenpolitische Credo findet sich genau so im noch gültigen Berliner Programm von 1989. Es stand auch im ersten Entwurf der neuen Grundsätze vom Dezember 2006 - damals von manchem Spitzen-Mann in der SPD-Führung milde belächelt.
In der zuständigen Kommission kam es dann zunächst zur Debatte unter Frauen: Die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Hannelore Kraft, die einstige Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan und die Familienpolitikerin Kerstin Griese kritisierten den Satz als rhetorisch verstaubt und inhaltlich einer modernen Gleichstellungspolitik nicht mehr angemessen.
Befürworterin der alten Version war neben anderen Inge Wettig-Danielmeier, was insofern konsequent ist, als die gestrenge Schatzmeisterin schon seit Jahren die wechselnden Männer an der Parteispitze unter Kontrolle hält.
Am Ende verständigte sich die Kommission auf eine neue Formulierung: "Wer die menschliche Gesellschaft will, wer ein Leben in Partnerschaft will, muss die Gleichstellung von Frau und Mann hier und heute verwirklichen."
An der Basis jedoch, insbesondere der weiblichen, kommt das schon seit Wochen gar nicht gut an. Parteichef Kurt Beck musste sich wiederholt Kritik an der Neufassung anhören. Bei einer Veranstaltung in Düren vor einigen Wochen versprach er schließlich, die Formulierung überarbeiten zu lassen.
"Die nur formale Gleichstellung von Frauen und Männern reicht in vielen Lebenssituationen nicht aus", sagt die ASF-Vorsitzende Elke Ferner, eine von Becks Stellvertreterinnen im Parteivorstand. Es gebe nach wie vor strukturelle Benachteiligungen. "Kürzer und prägnanter kann man den Wunsch nach ihrer Beseitigung nicht ausdrücken", sagt Ferner über den Satz im Berliner Programm.
SPD-Vorstandsmitglied Griese sagt hingegen, junge Frauen wähnten sich heute nicht mehr im ständigen Kampf gegen eine männliche Gesellschaft. "Sie sind selbstbewusst und oft gut ausgebildet, sie wollen gleichberechtigt und partnerschaftlich leben."
Zwar sieht auch Griese natürlich noch immer Nachteile für Frauen. Dem sei aber nur mit einer modernen Gesellschaftspolitik beizukommen, in der es auch darum gehe, "dass Männer ihre Rolle in der Gesellschaft finden".
Jusos und ASF sind entschlossen, Ende Oktober in Hamburg eine Kampfabstimmung herbeizuführen. Sozialdemokraten, die sich auf Parteitagen auskennen, wagen keine Prognose. Die übereinstimmende Einschätzung lautet: "Das wird ganz knapp."
(SZ vom 21.04.2007)
Verrückter Eisladen in der Maxvorstadt
Staford, eine beliebte Argumentationstechnik von Ihresgleichen scheint zu sein, erst mal so richtig männerfeindliche Hetze abzulassen und hinterher so zu tun, als hätten Sie ihre eigenen Postings nicht gelesen. Sie tun so als könnten Sie sich nicht erinnern geschrieben zu haben, dass Frauen sich heute weigern nützliche Berufe zu studieren, weil es denen vor hundert Jahren verboten wurde; eine Argumentationslinie, die schon deshalb völlig hirnrissig ist, weil erstens kein heute lebender Mensch die Zustände vor hundert Jahren bewusst erlebt hat und weil zweitens für eine heute Jugendlichen die Zustände vor 100 Jahren keinerlei Bedeutung haben.
Und was Ihre Unterstellung der Dilatatation betrifft erlaube ich mir festzustellen, dass ich nichts weiter getan habe, als Ihre absurde Argumentation aufzugreifen und satirisch dadurch zu überhöhen (nicht erfinden!), in dem ich die in den Zusammenhang zu stellte mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen, mit denen uns die Genderwissenschaft seit Jahren bombardiert, einer Genderwissenschaft, die genau wie Sie nicht müde wird zu behaupten, Frauen würde sich nur deshalb weigern nützliche Berufe zu lernen/studieren, weil die Männer es denen angeblich verbieten.
Sehr geehrter Herr Stucken,
werden Sie immer persönlich, wenn Sie argumentativ nicht mehr weiter wissen? Was hat denn bitte schön mein Alter mit dieser Diskussion zu tun? Im Übrigen: die "Argumentationstechnik", die Sie benutzen (vor allem im letzten Abschnitt Ihres Artikels) nennt man Technik der Dilatatation: Die Behauptung des Gegners wird ausgedehnt, übertrieben und zugespitzt. Eine beliebte Technik, die es erlaubt den Debattengegner bloßzustellen, ohne auf sachliche Argumente einzugehen. Ich gratuliere!
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Sie wollen also auf das Thema Frauen und Wissenschaft näher eingehen. Eine tolle Ankündigung, der dann leider nichts weiter folgt als das runterleiern der ewig gleichen feministischen Verlogenheit.
Es würde einen schon interessieren, inwieweit eine heute 20-jährige darunter leidet, dass Frauen in Deutschland erst seit hundert Jahren studieren dürfen.
Während die Genderwissenschaft uns mit Statistiken und Zahlenwerken ohne Ende zuballert um die schröckliche Unterdrückung der Frauen zu beweisen, sind Sie in dieser Hinsicht merkwürdig zurückhaltend. Ebenfalls eine Hauptmethode, des feministischen Diskurses, dieses schlenkern zwischen Quantität und Qualität, je nach dem was besser passt.
Zur Info für Interessierte:
1902 gab es im Deutschen Reich 53.000 Studenten, das sind 18 Studierende auf 10.000 männliche Einwohner. 1,8 der männlichen Bevölkerung haben vor hundert Jahren studiert, pro haben Jahrgang ca. 0,3 der Männer ein Studium aufgenommen.
Im Klartext:
Vor hundert Jahren war es 100% der Frauen und 99,97% der Männer nicht möglich, ein Studium aufzunehmen.
Wie fanatisch muss man eigentlich sein, um einen Unterschied zwischen 100 und 99,97 zu empfinden. Wer reklamiert eine Tüte Zucker, wenn da anstelle von 1kg nur 999,7g drin sind? Oder stellt den Getränkehersteller an den Pranger, wenn in der Flasche statt 1l nur 999,7ml sind?
Das nur für die Interessierten.
Staford und ihre Schwesterinnen im Geiste werden sich durch den Feind des Feminismus, die Wahrheit. nicht aus dem Tritt bringen lassen. Die wird weiter schwadronieren, dass die Männer den Frauen den Zugang zum Studium verboten haben.
Und morgen wird staford uns vorjammern, dass das Patriarchat den Frauen dreitausend Jahre lang den Zugang zum Steinbruch und zu den Ruderbänken der Galeeren versperrt haben. Sie hätte so gern geschuftet, das Schmerzen der Knochen und die Verletzungen durch Steinschlag gespürt wie die Peitsche des Aufsehers, so gern hätte sie Hunger und Durst gelitten und hätte sonst was gegeben, wenn das Patriarchat ihr erlaubt hätte, mit 30 (oder noch eher) an Erschöpfung zu verrecken.
Mag sein, dass Mädchen und Jungen durch Rollenklischees geprägt werden. Allerdings ist das traditionelle Rollenklischee nicht nur, dass Jungen besser rechnen können, sondern auch, dass Mädchen bessere verbale Fähigkeiten haben, d.h. besser lesen, schreiben, Fremdsprachen lernen etc. Tatsächlich hat der Pisa-Test gezeigt, dass Jungen schlechtere Leistungen in diesen Bereichen liefern. Dies führt dazu, dass in Deutschland 40% (!) mehr Mädchen als Jungen Abitur machen dürfen. (auch sonstige Diskriminierungen spielen natürlich eine Rolle, so hat die Iglu-Studie ja gezeigt, dass Jungen in Deutschland für die gleiche Schulnote z.T. einen höheren Leistungsstand erbringen müssen als Mädchen). Sofern also Mädchen und Jungen nur das Produkt von Rollenerwartungen sein sollten (mag dies nun so sein oder nicht), kann man auch mal die Frage stellen, wer denn dann durch diese benachteiligt wird, die Zahlen sprechen ja für sich. Seltsam jedenfalls, dass es als blanker Seximus gilt, anzudeuten, Jungen seinen etwa in naturwissenschaftlichen Fächern begabter. Geringe nachzuweisende Leistungsunterschiede werden nur darauf zurückgeführt, dass Mädchen "benachteiligt" sind und in diesen Bereichen unbedingt gefördert werden müssen (mag dies so sein oder nicht). Im Gegenzug wird aber mit der angeblich minderwertigeren männlichen Hirnstruktur etc. gerechtfertigt wird, dass Jungen anderen Bereichen deutlich schlechter abschneiden.
Aber klar, sobald Jungen/Männer (natürlich nur im statistischen Durchschnitt) irgendwo besser abschneiden, ist es das Produkt von Diskriminierung, diskriminierenden sozialen Rollenerwartungen etc., sobald aber Mädchen/Frauen irgendwo (natürlich nur im statischtischen Durchschnitt) besser abschneiden, dann liegt es daran, dass Männer eben minderwertiger sind.
P.S.: Natürlich wäre es diskriminierend, die Gleichung "Männlich" = wissenschaftlicher Fortschritt aufzustellen. Allerdings finde ich die Auswirkungen typisch männlicher Errungenschaften für die Gesellschaft weitaus wichtiger, als die der Frauen (z.B. die Errungenschaften Robert Kochs im Kampf gegen die Tuberkolose).
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