Sexueller Missbrauch Katholische Kirche zahlt Opfer erstmals Entschädigung

Norbert D. war neun, als ein Pfarrer des Bistums Magdeburg sich das erste Mal an ihm vergangen haben soll. Für jahrelangen Übergriffe zahlte die katholische Kirche Deutschlands dem damaligen Ministranten offenbar 25.000 Euro, das Schweigen inbegriffen - ein bisher beispielloser Fall.

Das Bistum Magdeburg hat inzwischen zwei Fälle sexuellen Missbrauchs bestätigt. Ein Fall liege zwei bis drei Jahre zurück und sei im Kirchengericht noch nicht abschließend geklärt, ein anderer datiere aus den 60er Jahren, sagte Sprecher Thomas Lazar.

Kreuz im Gegenlicht

(Foto: Foto: dpa)

Einen Spiegel-Bericht, nach dem die katholische Kirche in einem bisher beispiellosen Fall ein Opfer sexuellen Missbrauchs entschädigt habe, wollte Lazar so nicht bestätigen.

Dem Magazin zufolge überwies das Bistum Magdeburg dem ehemaligen Ministranten Norbert D. 25.000 Euro. D. Soll seit seinem neunten Lebensjahr insgesamt neun Jahre lang erst von einem Pfarrer und dann von einem Kirchenangestellten missbraucht worden sein.

Er habe seit 1993 versucht, den Fall bei verschiedenen Kirchenstellen anzuzeigen, lange ohne Erfolg. Das Bistum wollte den weiteren Angaben zufolge zunächst nur dann eine Entschädigung zahlen, wenn D. Sich verpflichte, über den Missbrauch durch den inzwischen verstorbenen Pfarrer zu schweigen.

Bistum-Sprecher Lazar wollte die Namen nicht bestätigen, auch um die Opfern und ihre Familien zu schützen. In beiden Fällen seien den Opfern Hilfe und Beratung angeboten worden, die auch angenommen worden sei. "Zu finanziellen Dingen äußere ich mich nicht", antwortete Lazar auf die Frage nach der Höhe der Hilfe. "Es liegt uns daran, nichts zu vertuschen, wir wollen die Leute schützen", fügte er hinzu.