Serie "Glaubenssache": Südafrika Das Geschäft mit Gott
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Die Pfingstbewegung findet in Afrika regen Zulauf, auch weil sie die christliche Botschaft den spiritistischen Traditionen angepasst hat. Ein Besuch im "Tempel des Glaubens" von Kapstadt.
Kapstadt - Sonntagmorgens kurz vor zehn Uhr, das Zentrum von Kapstadt ist wie ausgestorben, in den nahezu leeren Straßen lungern nur ein paar Bettler und obdachlose Kinder. In der Buitenkant-Straße aber, vor der Hausnummer neun, drängen sich die Menschen, Männer haben Anzüge und Krawatten an, die Frauen schöne Kleider, und auch die Jungen und Mädchen sind herausgeputzt als ginge es zu einer Hochzeit.
Kreuz vor der St Mary's Church in Kapstadt
(Foto: Foto: AP)Sie alle strömen in den "Tempel des Glaubens", in ein neues, riesiges Glas- und Betongebäude, auf dessen Fassade in blauer Neonschrift "Jesus Christ is the Lord" zu lesen ist. In ein paar Minuten beginnt der Gottesdienst, und im Foyer steht ein kleiner Mann, der mit seinem grauen Gesicht, seinem grauen Anzug und seinen glatt frisierten schwarzen Haaren nicht weiter auffallen würde, wäre er nicht der einzige hier, der eine helle Hautfarbe hat. Er heißt Pastor Alexander, kommt aus Brasilien und legt jedem, der das Gebäude betritt, beide Hände auf den Kopf. "Ich segne Dich", sagt er, danach geht es hinein in den Gebetssaal mit 2000 Plätzen. Auf der Bühne sind zwei große Kreuze zu sehen, eine Hammondorgel, Mikrophone, Lautsprecher und wiederum der Neonschriftzug: "Jesus Christ is the Lord."
Pastor Alexander stürmt auf die Bühne der "Universal Church of the Kingdom of God" und singt ohrenbetäubend laut: "Jesus ist der Herr. Nur wer gibt, dem wird gegeben. Jesus ist der Herr. Nur wer gibt, dem wird gegeben." Kaum ist der Mann fertig, fordert er die Gläubigen auf, Wünsche an Gott zu richten, worauf ein lautstarkes Stimmengewirr entsteht. Die Menschen schreien, rufen, flehen, bitten: um Reichtum, Glück, Gesundheit, Arbeit, eine bessere Wohnung oder auch ein Auto. Die meisten strecken dabei die Arme nach oben, andere schütteln sich oder zittern am ganzen Körper.
Danach wedeln die Gläubigen mit bunten Briefumschlägen. "Zehnt" ist auf ihnen zu lesen oder auch "10 Prozent". Soviel sollen die Menschen von ihrem Besitz spenden. "Nicht fünf Prozent", schreit der Pastor, "nicht sieben Prozent, nicht 15 Prozent! Zehn Prozent - und Gott erfüllt eure Wünsche." Schon wandern die Umschläge in die Körbe, die Dutzende Messdiener herumreichen.
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So einfach kommt man hier mit Gott ins Geschäft: Gib zehn Prozent und deine Wünsche werden erfüllt. Bei solch einem Gottesbild ist es kein Wunder, dass die Universal Church, die 1977 vom Lotterieangestellten Edir Macedo in Rio de Janeiro gegründet wurde, umstritten ist. Das belgische Parlament, das das Gebaren dieser weltweit agierenden evangelischen Sekte untersuchen ließ, kam schon 1997 zu dem Schluss, dass es sich um eine "authentische Verbrecherorganisation handelt, mit dem Ziel der Vermehrung des eignen Reichtums ausgestattet."
Aber so simpel ist diese Glaubensgemeinschaft nicht zu erklären. In Großbritannien zum Beispiel hat sie den Status einer gemeinnützigen Institution. Sie verfügt über mehrere Millionen Anhänger, betreibt mehr als 2000 Tempel weltweit, besitzt 22 Radio- und 16 TV-Stationen und ist eine der am schnellsten wachsenden christlichen Gemeinden. Allein in Afrika finden sich Vertretungen in 30 Ländern. Pastor Alexander aber will nach den Gründen des Erfolgs nicht befragt werden, trotz mehrfacher Bitten lehnt er ein Interview ab: "Ich bin sehr beschäftigt", sagt er, "Messen, Heilungen, Seelsorge - Sie verstehen das sicherlich."
Himmel und Hölle
Die Zehn-Prozent-Kirche gehört jedenfalls zur rasant wachsenden Pfingstbewegung. In Afrika ist die Zahl dieser Religionsgemeinschaften, die auch Erweckungskirchen oder charismatische Kirchen genannt werden, geradezu explodiert, mehr als 10000 soll es geben. Das Besondere an der "Universal Church of the Kingdom of God" ist, dass sie ihre Heilslehre ausdrücklich auf Wohlstand und finanziellen Erfolg ausgerichtet hat, sonst aber unterscheidet sie sich kaum von anderen Freikirchen und Sekten auf dem Kontinent. Fast alle von ihnen propagieren die uralte protestantische These, wonach jeder für sein eigenes Schicksal verantwortlich ist: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. In ihrem Weltbild gibt es nur Gut und Böse, Himmel und Hölle.
Wer sich der Autorität Gottes, des Propheten, des Bischofs oder des Pastors unterwerfe, werde gerettet, wer nicht, sei des Teufels. Armut, Abtreibung, Alkohol, Ehebruch, Drogen, Homosexualität, Promiskuität sind Teufelszeug, Gott hingegen offenbart sich in Wohlstand, Treue, Gesundheit, Familienglück, wahrer Liebe. Nach dieser Lehre ist demnach jeder selbst schuld, der arm, krank und vom Leben benachteiligt bleibt. Im Zentrum der Verkündigung stehen Jesus und der Heilige Geist, die sich den Gläubigen direkt offenbaren, etwa durch Prophezeiungen oder Träume - oder auch, indem Kranke geheilt oder böse Geister oder auch der Teufel vertrieben werden.