Schwarz-gelbe Koalition Der tote Gaul läuft weiter

Der psychologische Vorteil liegt derzeit klar bei der Regierungskoalition. CDU/CSU und FDP liegen plötzlich in Umfragen vorne. Die SPD hingegen versinkt immer tiefer im Umfrage- und Hoffnungstief.

Ein Kommentar von Robert Roßmann, Berlin

Die schwarz-gelbe Koalition ist ein totgerittenes Pferd", hat Heiner Geißler Anfang des Jahres erklärt. Nun sind sich nicht alle politischen Beobachter ihrer Urteile so sicher wie der Christdemokrat mit der Ex-cathedra-Attitüde.

Dass es nach der Wahl keine schwarz-gelbe Koalition mehr geben werde, das war aber auch in Berlin lange breiter Konsens. Umso erstaunlicher ist jetzt die Wiederauferstehung des geschundenen Gauls: Zum ersten Mal seit 2010 haben Union und FDP in einer Umfrage wieder die Mehrheit.

Ja, es stimmt: Umfragen sind bestenfalls Momentaufnahmen. Sie werden gerne überschätzt - und vor allem überinterpretiert. Aber verlässlicher als das Bauchgefühl der Wahlkämpfer über die Stimmung im Lande sind sie allemal.

Und so trifft der Umschwung vor allem die SPD. Denn der gewaltige Wiederaufstieg der Koalition liegt ja nicht an einer wachsenden Zufriedenheit mit Schwarz-Gelb - wie denn auch?-, sondern an der Unzufriedenheit mit der SPD und ihrem Kandidaten.

Umfragen sind keine Wahlergebnisse, aber sie sind psychologisch wichtig. Union und FDP kämpfen für Schwarz-Gelb, mit den neuen Werten im Rücken ist das auf einmal wieder eine realistische Perspektive. Das erleichtert den Wahlkampf und motiviert die eigenen Truppen. Die immer schlimmeren Werte für die SPD und Steinbrück beginnen dagegen, die Genossen zu zermürben. Mürbe Truppen sind aber so hilfreich wie ein totgerittenes Pferd.