Der Journalist Muntasser al-Saidi muss ins Gefängnis, weil er sein Schuhwerk gegen George W. Bush geschleudert hatte. Ist das ein rechtsstaatliches Urteil oder politische Willkür?
George W. Bush selbst hatte es mit Humor genommen: "Es waren Schuhe der Größe 44", witzelte der US-Präsident, der dem Geschoss erfolgreich ausgewichen war. Ein Bagdader Gericht fand die Tat weniger amüsant: Drei Jahre Haft für den irakischen Schuhwerfer. Der Journalist Muntasser al-Saidi muss ins Gefängnis, weil er sein Schuhwerk als "Abschiedsgeschenk" nach dem scheidenden Präsidenten geschleudert hatte. Ist das nun ein rechtsstaatliches Urteil oder politische Willkür?
Attacke mit Folgen: Der Schuhwurf auf George W. Bush. (© Foto: AP)
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Dass der Täter nicht freikommen würde, war klar. Er hat sich nach irakischem Recht unbestreitbar strafbar gemacht. So milde kann kein Bagdader Richter sein, dass er al-Saidi das Gefängnis hätte ersparen können. Natürlich wird das Gericht auch die Befindlichkeit der Regierung im Hinterkopf gehabt haben - für die war die Tat höchst blamabel.
Aber nach irakischem Recht war das Urteil eher milde. Es ist ziemlich ungeeignet als Beleg dafür, dass die Nach-Saddam-Justiz nicht funktioniert. Auch in Deutschland, Italien oder Frankreich kann keiner Sahnetorten auf einen Präsidenten werfen und dann unbestraft aus dem Gerichtssaal gehen. Und unter Saddam Hussein? Da hätte die Wahrheitsfindung im Folterkeller begonnen und wäre in einem namenlosen Grab geendet.
In der arabischen Welt wird das Ganze dennoch anders verstanden werden. Dort genießt der Schuhwerfer große Sympathien. Viele sehen in al-Saidi ihren Helden, betrachten seine Tat als symbolischen Akt des Widerstands. Politisch mag das nachvollziehbar sein, rechtlich ist es irrelevant. Widerstand hat eben seinen Preis - auch wenn er halbwegs friedlich, in Form von ein Paar Schuhen der Größe 44, dahergeflogen kommt.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 13.03.2009/ihe)
Youtube-Hit aus USA
Seltsam, das höre ich in diesen Tagen immer öfter.
Der eine hat tausende Menschenleben auf dem fehlenden Gewissen und jettet als elder Statesman um die Welt, der andere muss für einen leider missglückten Schuhwurf hinter Gitter.....
Dass so etwas juristisch in Ordnung ist, das ist das zentrale Problem.
Der von Avenarius genannte "Preis" ist absurd. Er ist eine Verhöhnung und Beleidigung für die Opfer eines auf Lügen beruhenden Aggressionskrieges, für den vor allem der ehemalige US-Präsident die Verantwortung trägt. Dass dieser Präsident für seine völker- und menschenrechtswidrigen Handlungen überhaupt keinen "Preis" zahlt, schreit zum Himmel.
hat meine vollste Sympathie! Trotzdem, die Verurteilung ist rechtens. Hoffentlich wird er bald begnadigt! Ich drücke ihm die Daumen!
Was bekommt man, wenn man eine Hochzeit aus 1000 Metern Höhe mit Boden-Luft Raketen bombardiert, hunderte von Menschen tötet und noch mehr verkrüppelt?
Richtig, einen Orden für Tapferkeit!
Was bekommt man wenn man einen Schlächter mit Schuhen bewirft?
Richtig, Knast!
. . . hätte er höchstens dafür verdient, dass er nicht getroffen hat!
Das Urteil ist ein Witz und nicht mit anderer Länder Sitten zu entschuldigen.
Eine kleine Geldstrafe für "ungebührliches" Benehmen ist wohl eher angemessen.
Paging