Schröder in Iran Politische Privatreise

Es war Iran klar, dass Ex-Kanzler Schröder bei seinem Besuch klare Worte sprechen würde. Wer im Nahen Osten vermitteln will, muss mit der anderen Seite reden, nicht mit Gleichgesinnten.

Ein Kommentar von Rudolph Chimelli

Altbundeskanzler ist kein politisches Amt. Gerhard Schröder kann sich deshalb, ähnlich wie Amerikas Expräsident Jimmy Carter, Solo-Rollen leisten, die von der offiziellen Linie ihres Landes abweichen.

Schröder; Ahmadinedschad; Reuters

Politisch, trotz aller Unverbindlichkeit: Schröders Treffen mit Ahmadinedschad.

(Foto: Foto: Reuters)

Trotz aller Unverbindlichkeit war Schröders Reise nach Teheran hoch politisch. Er sprach mit Spitzen des iranischen Regimes: dem radikalen Staatschef Mahmud Ahmadinedschad, dem pragmatischen Ex-Präsidenten Haschemi Rafsandschani, mit Ali Laridschani, der im Auftrag des geistlichen Führers über die internationalen Probleme verhandelt, und mit dem alten Freund Mohammed Chatami, einst Präsident der Reformer und erneut ihr Kandidat.

Für sie alle ist Schröder ein Vertreter Deutschlands. Er kam in einem Augenblick, da der neue Mann im Weißen Haus seinen Iran-Kurs noch nicht festgelegt hat. Sowohl Teheran als auch Washington tasten gegenwärtig die Möglichkeiten eines Neubeginns ab. Wenn beide die Chance nutzen wollen, kann der ehemalige Bundeskanzler Pionier einer größeren Entwicklung werden.

Der Ton seiner Gespräche war generell verbindlich, obwohl Schröder unangenehmen Wahrheiten wie Ahmadinedschads Haltung zum Holocaust nicht auswich. Selbstverständlich wussten die Iraner genau, dass der Gast hierzu klare Worte sprechen würde. Dies war Teil des im Voraus ausgehandelten Programms, so wie die Gründung eines Instituts, der Besuchs des Fernsehturms oder ein Spaziergang durch das schöne Isfahan.

Auf Konfrontation hatten es die Iraner und der Altbundeskanzler nicht angelegt, sonst hätte er nicht zu reisen brauchen. Wer im Nahen Osten Probleme lösen will, muss mit der anderen Seite reden, nicht nur mit Gleichgesinnten.