Religion und Umweltschutz Hilfe vom Imam

Der sparsame Umgang mit Wasser als Thema im Freitagsgebet? In Jordanien soll das künftig so sein - auf Initiative des deutschen Entwicklungsministeriums. Nicht allen Beamten in Berlin ist diese Entwicklung so ganz geheuer.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Mit dem Koran ist die notorische Wasserverschwendung in Jordanien eigentlich nicht vereinbar. Mehr als 60-mal wird das Wasser und sein Schutz im Koran erwähnt - und trotzdem lebt Jordanien immer noch weit über seine Verhältnisse, das Wasser wird knapp. Hunderttausende Flüchtlinge aus Syrien verschärfen die Lage noch. Nun soll der Imam helfen.

Der sparsame Umgang mit Wasser soll in Jordanien Thema des Freitagsgebets in den Moscheen werden - gefördert durch ein Projekt aus Deutschland. "Das Potenzial von Religionen für nachhaltige Entwicklung ist zu lange ignoriert worden", sagt Bernhard Felmberg, zuständiger Unterabteilungsleiter im Entwicklungsministerium. "Dabei haben wir es oft mit Ländern zu tun, in denen die Menschen mehr auf religiöse Führer hören als auf Regierungen." Zumindest mit den Moderaten unter diesen religiösen Führern will das deutsche Ministerium künftig stärker zusammenarbeiten. So sieht es eine neue Strategie vor, die das Ministerium an diesem Mittwoch in Berlin vorlegen will - zur künftigen Rolle der Religion in der deutschen Entwicklungshilfe.

In Zukunft will das Ministerium gezielt die Zusammenarbeit mit Gottesleuten ausbauen, wenn sich dadurch für Entwicklungsprojekte mehr erreichen lässt. "Bereits bei der Erstellung von Länder- und Sektorstrategien werden wir die Rolle von Religionen stärker berücksichtigen", heißt es in der Strategie. Lokale Hilfsorganisationen mit religiösem Hintergrund sollen besonders gefördert werden, ebenso Schulunterricht, der auf religiöse Toleranz setzt statt auf Ausgrenzung.

Kooperationen mit religiösen Gruppen gab es auch früher schon. Kirchliche Hilfswerke in Deutschland erhalten vom Bund seit 1962 schon Geld für Entwicklungsprojekte, Religionsführer standen regelmäßig auf Besuchsprogrammen diverser Entwicklungsminister. Eine Strategie für die gezielte Einbindung von Kirchen, Tempeln und Moscheen aber gab es noch nie. Auch im Ministerium selbst gab es Widerstand gegen den Plan von Minister Gerd Müller (CSU). Seit jeher sind die ersten Ansprechpartner für Entwicklungshilfe die Regierungen in den sogenannten Partnerländern. Mit der neuen Strategie entsteht nun ein neuer Zweig. Manchem Beamten ist das nicht ganz geheuer, schließlich war das Ministerium bisher strikt säkular.

Die Kirchen selbst halten den Schritt für überfällig. "Entwicklungsprozesse brauchen lange, dafür muss man Menschen gewinnen", sagt Tim Kuschnerus, Geschäftsführer der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung. "Das berührt immer auch religiöse und kulturelle Aspekte." Mitunter stehe Religion auch Entwicklung im Weg, wie einst im Kampf gegen Aids - wo afrikanische Kirchen die HIV-Kranken zunächst ausgrenzten, anstatt ihnen zu helfen. Und schließlich müssten vielerorts moderate religiöse Kräfte gestärkt werden. "Religion ist viel zu wichtig, um sie den Hardlinern zu überlassen", sagt Kuschnerus. Das Ministerium sieht das offenbar ähnlich. Ziel müsse sein, "Friedensstifter" stark zu machen, heißt es in der neuen Strategie.