Mit der Linkspartei setzen SPD und Grüne in Hessen auf einen höchst unzuverlässigen Partner. Das wird für sie noch zum Problem werden.
Kein Sozialabbau, keine Stellenstreichungen im öffentlichen Dienst, keine Privatisierungen: Der Parteitag der hessischen Linken hat SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti eine auf den ersten Blick komfortable Grundlage für eine Zusammenarbeit geliefert. Als Bedingung für die Tolerierung einer Minderheitsregierung stellt die Linke nämlich nur diese Forderungen, die durchaus kompatibel sind mit den Programmen von SPD und Grünen. Und nur auf diese Kernpunkte kommt es wirklich an.
Wird die Linkspartei für SPD und Grüne noch zum Problem werden? (© Foto: AP)
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Zwar ist der am Wochenende beschlossene Forderungskatalog derart umfangreich, dass er für diverse Legislaturperioden und noch mehr Zerwürfnisse mit Rot-Grün reichen würde. Zwar werden sich die Linken-Unterhändler in den nächsten Wochen kantiger als beim Parteitag geben - etwa wenn es um den Ausbau der Flughäfen in Frankfurt und Kassel-Calden oder den Aufbau eines öffentlichen Beschäftigungssektors geht.
Doch letztlich, das haben alle maßgeblichen Redner klargemacht, lässt sich über alles reden. Nicht verhandelbar sind nur die drei Kernbedingungen.
So betrachtet, definiert die Linkspartei nicht, was eine Minderheitsregierung tun, sondern nur das, was sie nicht tun soll. Das wird für SPD und Grüne noch zum Problem werden. Unendlich viel war in beiden Parteien zuvor spekuliert worden über mögliche wahnwitzige Bedingungen der Linken-Basis für die Tolerierung.
Dazu kam es nicht - vorerst. Dass die Lafontaine-Partei sich in Hessen stattdessen anschickt, die Rolle des Wasserträgers zu spielen, liegt nicht daran, dass sie erwachsen geworden wäre. Es liegt an einem einzelnen Mann: Roland Koch, noch geschäftsführender CDU-Ministerpräsident, muss weg. Auf diese Maxime hat die Partei ihre Politik für den Moment reduziert.
Läuft nun alles weiter glatt (was längst noch nicht ausgemacht ist), kann dieses Ziel sehr schnell erledigt sein. Jene Basis, die sich an diesem Wochenende so zurückgehalten hat, wird dann fragen, ob man nicht eigentlich noch ein paar andere Dinge hatte durchsetzen wollen - Dinge, die eben gar nicht vereinbar sind mit Rot-Grün.
Wollte man, nur zum Beispiel, nicht sehr viel mehr Geld für soziale Wohltaten ausgeben? Wollte man nicht eine ganz andere Politik? Das wird spätestens dann kitzlig, wenn im nächsten Jahr das Geld knapp wird, zuvor aber ein Doppelhaushalt beschlossen wurde. Um sichtbar zu bleiben, bliebe der Linken im Parlament nur die Obstruktion.
Im nächsten Jahr aber geht es um mehr als nur um Hessen. Es geht um die Macht im Bund. Würde dann das hessische Modell platzen, wäre der Schaden für die SPD größer, als selbst die härtesten Ypsilanti-Gegner derzeit orakeln. Dann hätte Ypsilanti nicht nur ihr Wort gebrochen, nicht mit der Linken zu kooperieren, das Ergebnis wäre auch noch politisches Chaos. Sie mag erst einmal freie Bahn haben, doch die Hindernisse dürften bald sichtbar werden. Und die Bundespartei? Kann nur noch zusehen.
(SZ vom 01.09.2008)
Staatsbesuch in Israel
So bald die Linke auch nur in die Nähe einer Regierungsbeteiligung im Bund kommt, dann geht das schnell mit der absoluten Mehrheit, wenigstens, wenn vorher um Deutschland keine Mauer aufgebaut wird. Winkewinke.
...hoffe das die Linke in 6 bis 10 Jahren dei Absolute Mehrheit hat!!!
Ich habe keine Lust darauf ständig zu wählen, bis es endlich die von Ihnen gewünschte Regierungsmehrheit gibt!
Frau Ypsilanti hat vor der Wahl eine Koalition mit der LINKEN ausgeschlossen. Das war ein Fehler, denn der hessische Wähler hat zwar Koch`s CDU mit minus 12% abgestraft, aber keine Mehrheit für Rot-Grün ermöglicht. Da sich die FDP dieser Konstellation verweigert und die Grünen mit gleichem Recht nicht mit Schwarz-Gelb wollen, bliebe nur Rot-Schwarz mit dem Polit-K.r.i.m.i.n.e.l.l.e.n Koch.
Das hat Frau Ypsilanti aber auch vor der Wahl ausgeschlossen. Bleibt die Tolerierung durch die LINKE - und das ist kein Wortbruch.
"Mit der Linkspartei setzen SPD und Grüne in Hessen auf einen höchst unzuverlässigen Partner. Das wird für sie noch zum Problem werden."
Dieser Untertitel in Christoph Hickmann's Kommentar ist es wert um ihn auf seine genaue Bedeutung hin zu hinterfragen. Dabei ist - wie so häufig in solchen Fällen und besonders in der Politik - die jeweils aufgesetzte "Brille" entscheidend. Hickmann trägt die "Brille" der SPD und zwar hinsichtlich der Zuverlässigkeit, ob die Linke in Hessen alles mitmachen wird um die Macht zu erhalten.
Aufgrund einer anderen Sichtweise zur Zuverlässig kann die SPD-Brille durchaus in Zweifel gezogen werden. Es ist die Zuverlässigkeit von Parteien hinsichtlich ihrer Sachaussagen gegenüber dem Wähler. Hierzu braucht besonders Oskar Lafontaine von niemanden in Deutschland einen Nachhilfeunterricht. Sein Abgang aus der Regierung Schröder und von der SPD war eines der höchsten Zeichen von Zuverlässigkeit GEGENÜBER DEM WÄHLER der letzten Jahrzehnte. Die Unzuverlässigkeit lag bei der SPD und den Grünen, die nach der Wahl nichts mehr von ihren Aussagen vor der Wahl wissen wollten und Hartz IV sowie die deutsche Militärbeteiligung am Balkan durchsetzten.
Die SPD und Grünen in Hessen sollten daher genau prüfen, ob sie in der Lage sind das Rückgrat eines Oskar Lafontaine durchzuhalten oder wieder vor den Lobbyisten und BILD-Meinungsmachern in Deutschland einknicken werden.
Die Linken und Oskar Lafontaine haben Zuverlässigkeit gegenüber dem Wähler bereits glaubwürdig demonstriert - die SPD in Hessen und im Bund sind diesen Beweis für die Zukunft noch schuldig.
Das könnte für sie tatsächlich zum Problem werden.
hat sich Anfang des Jahres zum Betrug am Wähler entschlossen. Machen wir es doch so, wie damals mit der FDP: Ende des Jahres 2008 Neuwahlen. Dann bewegen wir uns großzügig innerhalb jenes Zeitrahmens, der damals der FDP zugebilligt wurde.
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