Rechte Szene-Marke Thor Steinar Die Gesinnung und das Geld

Nach dem Verkauf der bei Neonazis beliebten Marke Thor Steinar an einen arabischen Investor haben autonome Nationalisten nun zum Boykott aufgerufen.

Von Johann Osel

Wie steht es mit der Beliebtheit der Modemarke Thor Steinar in rechtsextremen Kreisen? Als durch Recherchen der Süddeutschen Zeitung kürzlich bekanntgeworden war, dass ein arabischer Investor die Marke übernommen hat, war bereits von möglichen Boykotten die Rede.

Nun liegt es schwarz auf weiß vor: die "Aktionsgruppe Essen", ein Sammelbecken autonomer Nationalisten, fordert im Internet offen dazu auf, die in der Szene so beliebte Marke nicht mehr zu kaufen.

Hinter der Marke Thor Steinar steckt die Firma Mediatex mit Sitz im brandenburgischen Königs Wusterhausen. Laut Handelsregisterauszug gehört sie seit Anfang des Jahres der International Brands General Trading (IBGT) mit Sitz in Dubai, die wiederum einer arabischen Investorengruppe untersteht.

Szenetypisches Erkennungsmerkmal

Die sportlich geschnittenen Kleidungsstücke der Firma ordnen Verfassungsschützer als szenetypisch und "identitätsstiftendes Erkennungszeichen" ein. Grund sind die Aufdrucke der T-Shirts und Pullover, die zwar Phantasiezeichen sind, allerdings an die Runen der NS-Ideologie erinnern. Zahlreiche Gerichtsverfahren haben die Symbole schon nach sich gezogen, gerade dieser Reiz macht die Kleidung in der Neonazi-Szene zum Verkaufsschlager.

Die rechtsextreme Aktionsgruppe Essen jedenfalls hat genug von dem Rummel um die Marke und ruft nun zum Boykott auf: "Wir sind der Meinung, dass man unsere komplexe Weltanschauung nicht auf ein T-Shirt drucken kann, welches 32,95 Euro kostet und von einem Araber produziert wird", heißt es.

Die Aktionsgruppe beruft sich in ihrem Aufruf im Internet vor allem auch auf die Preisgestaltung unter dem neuen Eigentümer. Zwei neue Kollektionen habe Thor Steinar seit dem Besitzerwechsel auf den Markt gebracht, wobei eine bestimmte Jacke zum Beispiel bis zu 329 Euro koste.

Angst vor der Zinsknechtschaft

"Jeder sollte sich fragen, woher ein junger Kamerad oder eine junge Kameradin das Geld herhaben soll, um die überteuerten Kleidungsstücke von Thor Steinar zu erwerben", schreiben die Nationalisten. Jugendliche müssten sich verschulden, um den rechten Lifeytyle mitmachen zu können, sie müssten sich "in die Zinsknechtschaft stürzen".

Und gerade die Ablehnung des Markenwahns unterscheide schließlich die rechte Jugend von der "verblendeten Jugend der BRD". Mediatex sei nun ein kapitalistisches Unternehmen "mit überteuerten Preisen für mittelmäßige Qualitätskleidung und scheinnationalen Slogans".

Man dürfe gespannt sein, ob sich die Szene diesem Aufruf anschließt oder ob "es nur ein Flüstern im Walde gewesen sein wird", beurteilte ein linker Informationsdienst den Boykottaufruf.

Tatsächlich kann die Beliebtheit von Marken in der rechten Szene schnell ein Ende haben. Das zeigt der Fall der britischen Marke "Lonsdale London", die einst Kultstatus bei Neonazis genoss. Der deutsche Lizenznehmer initierte dann eine Multikulti-Kampagne, um das Neonazi-Image abzustreifen. Rechte lassen die Marke seitdem überwiegend links liegen.