Rasmussen im Potrait Der Bündnis-Experte

Vom Ultra-Liberalen zum Ultra-Flexiblen: Der dänische Ministerpräsident und künftige Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen im Portrait.

Von Gunnar Herrmann

Anders Fogh Rasmussen ist ein Experte für politische Bündnisse. Der künftige Nato-Generalsekretär hat im Laufe seiner Karriere schon eine ganze Menge davon geschmiedet. Das Erfolgsrezept des 56-jährigen Dänen: Er kennt kaum Berührungsängste, spricht prinzipiell mit jedem und ist fast immer bereit, auch seine eigene Position zu verändern, um zu einem Ergebnis zu kommen. Gäbe es einen Preis für Flexibilität in der Politik - Ministerpräsident Rasmussen hätte ihn verdient.

Prinzipienfester Politiker: Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen.

(Foto: Foto: AFP)

Die Karriere begann Rasmussen als Ultra-Liberaler. Noch Anfang der 90er Jahre verfasste er eine Streitschrift mit dem Titel "Vom Sozialstaat zum Minimalstaat". Mehrheitsfähig wurde er später mit einem Bekenntnis zum Wohlfahrtsstaat und einer strengen Law-and-Order Politik. Nach der Wahl 2001 bildete er mit den Konservativen eine Minderheitsregierung, die sich nur mit den Stimmen der fremdenfeindlichen Dänischen Volkspartei halten konnte.

Trotz Spannungen überstand dieses Bündnis zwei Parlamentswahlen und funktioniert noch heute. Und das, obwohl der Ministerpräsident schon mal die Partner wechselt. Um die Einführung des Euro voranzutreiben - ein lange gehegter, aber nie erfüllter Wunsch Rasmussens - hofierte er kürzlich gar die Linkssozialisten.

Der Regierungschef wurde in Ginnerup auf Jütland als Sohn eines Landwirts geboren. Noch als Student trat er in die liberale Venstre-Partei ein und stieg rasch in den Vorstand auf. Seine bodenständige Vergangenheit streicht er bis heute gerne heraus. Rasmussen sieht sich selbst als volksnahen Pragmatiker. Intellektuelle Wortgefechte und große Theorien sind seine Sache nicht, wie er selbst einmal sagte. Während der acht Jahre als Ministerpräsident profilierte er sich zunehmend auch in der Außenpolitik. Allerdings nicht immer mit Erfolg.

Dass er im Jahr 2003 dänische Truppen an der Seite der Amerikaner in den Irak schickte, haben ihm viele Dänen nicht verziehen. Umstritten ist auch der Einsatz in Afghanistan, wo sich Dänemark mehr als andere Nato-Mitglieder engagiert. Nach dem Abzug der Truppen aus dem Irak hat man die Präsenz dort sogar noch verstärkt. In seiner Heimat verlor Rasmussen wegen seiner aktiven Außenpolitik im Laufe der Jahre eine Menge Sympathien. Allerdings schaffte er es auch, das früher nicht immer ganz einfache Verhältnis Dänemarks zur Nato und zu den USA deutlich zu verbessern.

Eine internationale Feuerprobe bestand der Rasmussen Anfang des Jahres 2006. Damals löste die Veröffentlichung von zwölf Mohammed-Zeichnungen in der Zeitung Jyllands Posten weltweit Proteste aus. Aufgebrachte Muslime attackierten dänische Botschaften im Nahen Osten. Dänemark hat wegen der Sache heute noch einen schlechten Ruf in der islamischen Welt.

Rasmussen überstand den Aufruhr relativ unversehrt. Obwohl er unter enormem Druck stand, agierte er während der gesamten Krise besonnen. Er versuchte, die Wogen zu glätten, ließ aber gleichzeitig keine Zweifel daran aufkommen, dass er vorbehaltlos zur Redefreiheit stehe. Und damit zeigt der sonst so flexible Rasmussen, dass er prinzipienfest sein kann, wenn es sein muss.