Rangliste der mächtigsten Staaten USA im Sinkflug

Die Studie "Weltmächte im 21. Jahrhundert" zeigt, wie sich das Kräfteverhältnis in der internationalen Politik allmählich ändert. Die Europäer sind weniger wichtig, als sie das gerne von sich glauben.

Von Jeanne Rubner

Europas Politiker werden es nicht gerne hören: Im Konzert der Weltmächte spielen ihre Länder nicht mit, Einfluss hat allenfalls die Europäische Union. Und selbst sie rangiert nur auf Platz vier - ohne Aussichten, in den nächsten zwei Jahrzehnten aufzusteigen.

Rangliste der mächtigsten Staaten

Besuch von der künftigen Großmacht: Kanzlerin Angela Merkel empfängt Indiens Staatschef Manmohan Singh.

(Foto: Foto: ddp)

Das zumindest legt die Studie "Weltmächte im 21. Jahrhundert" nahe, die die Bertelsmann-Stiftung am heutigen Freitag in Berlin vorstellt.

Befragt wurden 11.500 Männer und Frauen aus neun Ländern: den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen - USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien - sowie aus Brasilien, Indien und aus den Exportnationen Japan und Deutschland.

Deutschland auf Platz 7

Wer sind die einflussreichsten Länder? Welche Eigenschaft muss eine Weltmacht haben? So lauteten etwa die Fragen. Mitgewertet wurden auch die EU und die UN.

In der Rangliste der Weltmächte finden sich die USA unangefochten auf Platz eins, gefolgt von China. Vier von fünf Befragten halten die Vereinigten Staaten für die wichtigste Weltmacht, für China votierte noch nicht einmal jeder Zweite, Deutschland nimmt zusammen mit den UN Platz sieben ein.

Dass die Volksrepublik so gut abschneidet - vor Japan sowie Großbritannien und der EU, die beide gleichauf liegen - ist darauf zurückzuführen, dass die Europäer China für einflussreich halten.

Als Weltmacht gelten übrigens nicht mehr Länder mit einer großen Armee. Wirtschaftskraft, politische Stabilität sowie Forschung und Bildung sind laut Umfrage viel wichtiger für den Status.

USA: Verlierer der Zukunft

Der Bedeutungsverlust militärischer Stärke könne mit der aktuellen Rolle der USA und dem Irak-Desaster zusammenhängen, vermutet Studienleiter Josef Janning. Terroristen, die aus dem Hinterhalt kämpfen, lassen sich eben kaum mit Panzern in Schach halten, die Weltmacht wirkt hilflos.

Deshalb überrascht es wenig, dass die USA als die Verlierer der Zukunft gesehen werden. Im Jahr 2020 wird die derzeitige Nummer eins zwar immer noch vorne liegen, aber nur noch 57 Prozent sind dieser Meinung.

Fast ebenso hoch ist der Anteil derer, die China für eine Weltmacht halten: Das US-Monopol bröckelt. Die EU verharrt auf Platz vier, nur knapp einer von drei Befragten billigt ihr Weltmachtqualitäten zu.

Als Aufsteiger gilt Indien, das immerhin jeder Vierte als zukünftige Weltmacht sieht - vor allem die Inder selbst vertrauen auf den wachsenden Einfluss ihres Landes. Insgesamt verteilt sich die Macht: Die Welt werde, sagt Janning, zunehmend multipolar.

Frustrierend für Europas Regierungschefs dürfte die geringe Anerkennung im außereuropäischen Ausland sein. Dass die EU überhaupt als Weltmacht gesehen wird, liegt nur daran, dass die Europäer sie für einflussreich halten.

Die EU wird stärker

Die Europäer, das zeigt die Studie, merken, dass das Machtgefüge sich verändert, doch sie wollen nicht den Schluss daraus ziehen, dass die EU stärker wird. Auch den UN wird mit Platz sieben jetzt und im Jahr 2020 nicht viel Macht eingeräumt. Zwar halten viele sie für wichtig zur Sicherung des Weltfriedens - an ihren Einfluss glauben aber die wenigsten so richtig.

In einem Punkt zeigen zumindest die Deutschen eine überraschend klare Auffassung: Mehr als sieben von zehn wünschen sich von ihrem Staat mehr weltpolitisches Engagement.