Im Terrorprozess von Stuttgart wurde der Rechtsstaat von den Angeklagten zum Gespött gemacht. Zwei Jahre lang durfte vor allem Rafik Y. die Vorsitzende Richterin beschimpfen, die Staatsanwältinnen bedrohen, die Justizwachtmeister angreifen. Kaum jemand hat davon Notiz genommen.
Wer nur das Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart im Prozess gegen drei Mitglieder der Terrorgruppe Ansar al-Islam sieht, erfährt nichts über diesen Prozess. Die Urteile - zehn, acht und sieben Jahre, sind hoch, aber gerechtfertigt. Und doch sagen sie so gut wie nichts über das Verfahren aus.
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Vor allem der 33 Jahre alte Angeklagte Rafik brachte es in der Beleidigung des Gerichts zu erstaunlicher Kunstfertigkeit. (© Foto: dpa)
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Drei seit langem in Deutschland lebende Iraker wurden verurteilt. Sie gehören zur Terrorgruppe Ansar al-Islam und haben im Dezember 2004 versucht, den damaligen irakischen Präsidenten Iyad Allawi während seines Besuchs in Berlin zu ermorden. Der Plan wurde vereitelt, die Männer festgenommen und vor Gericht gestellt. Dann begann der Prozess - eines der unglaublichsten Terrorverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik. Nur hat davon kaum jemand Notiz genommen.
Kampf von der Straße in den Gerichtssaal verlegt
Zwei Jahre lang hat sich der deutsche Rechtsstaat im Hochsicherheitstrakt von Stuttgart-Stammheim selbst zum Gespött gemacht, kämpfte das Gericht mit den drei Angeklagten. Zwei Jahre lang durfte insbesondere der Angeklagte Rafik Y. aus Berlin die Vorsitzende Richterin beschimpfen, die Staatsanwältinnen bedrohen, die Justizwachtmeister angreifen. 22 Mal hat das Gericht Ordnungshaft gegen den Angeklagten Rafik verhängt - sie summiert sich auf 114 Tage. Doch das beeindruckte den Angeklagten nicht. So wie ihn das ganze Verfahren nicht beeindruckte.
Die drei, die hier vor Gericht standen, haben, als sie festgenommen wurden, ihren Kampf gegen den sündigen, verhassten Westen einfach von der Straße in den Gerichtssaal verlegt. Ähnlich wie einst die Angeklagten der Terrororganisation Rote Armee Fraktion sprachen sie vom Schweinestaat und versuchten, das Verfahren zu torpedieren. Und das Gericht hat sich das in einer Weise gefallen lassen, die an Selbstaufgabe grenzt.
"Billiges, kleines Flittchen"
Vor allem der 33 Jahre alte Angeklagte Rafik brachte es in der Beleidigung des Gerichts zu erstaunlicher Kunstfertigkeit. Er stand nie auf, wenn die Richter den Saal betraten. Er warf der Richterin in jedem zweiten Satz vor, dass sie lüge. Er unterbrach sie, schnitt ihr das Wort ab, raunzte sie an, dass sie sein Verhalten nichts angehe.
Er schrie auch die Vertreterin der Bundesanwaltschaft an: "Halt die Klappe, Frau Staatsanwältin!" und "Du Arschloch, du bist eine Frau!" Was darauf folgte? Nichts. Hin und wieder wurde der Mann mal von der Verhandlung ausgesperrt, zum Beispiel als er einen Justizwachtmeister mit einem Kopfstoß verletzte. Doch auf seine Beleidigungen reagierte das Gericht irgendwann nur noch mit einem Achselzucken.
Als er der Richterin, einer Dame in den Fünfzigern vorwarf, sie sei "ein billiges, kleines Flittchen", da wurde die Verhandlung kurz unterbrochen. Selbst am Ende nahm sich der Angeklagte das Wort, und die Richterin sagte in einem Anflug von hilflosen Sarkasmus, sie wünsche jetzt allen wenigstens noch einen schönen Tag, "damit Herr Rafik nicht das letzte Wort hat".
Wie sehr sie dieses Land und seine Werte verachten
Der Hochsicherheitstrakt von Stammheim wurde gebaut, um die Sicherheit der hier stattfindenden Terrorprozesse zu gewährleisten. In diesem Fall hatte der Sicherheitstrakt aber noch einen anderen Sinn: Er bewahrte die Öffentlichkeit davor, Zeuge einer Verhandlung zu werden, in der der Rechtsstaat ungeniert verhöhnt wurde. Ganz offensichtlich, weil die Richter Angst davor hatten, mit einem härteren Vorgehen gegen die Angeklagten Revisionsgründe zu bieten - und dass dann alles von vorn losgeht. Man hatte das Gefühl, das Gericht handelte wie jemand, der aus Angst vor dem Tod Selbstmord begeht.
Wenn dieser unglaubliche Prozess zu etwas gut war, dann dazu, deutlich zu machen, wie sehr eingeschworene Islamisten dieses Land und seine Werte verachten, selbst wenn sie schon lange hier leben. Dass sie Frauen als minderwertig betrachten, dass Menschenrechte für sie nichts gelten und dass einzig sie zählen: die selbsternannten heiligen Krieger.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 16.07.2008/ihe)
..sollten solche Leute nicht ins Gefängnis kommen, sondern in eine geschlossene Anstalt, in der man sie solange festhalten kann, bis sie keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit darstellen , und DAS dürfte sehr sehr lange dauern. Man sollte diese Leute nicht auch noch dadurch ehren, daß man sie wie geistig gesunde Menschen behandelt, denn das sind sie nicht. Sie sind wahnhaft krank, ergo sollten sie in psychiatrische Behandlung (für den Rest ihres Lebens den sie in diesem Wahn verbringen)
zitat:
Der Hochsicherheitstrakt von Stammheim wurde gebaut, um die Sicherheit der hier stattfindenden Terrorprozesse zu gewährleisten. In diesem Fall hatte der Sicherheitstrakt aber noch einen anderen Sinn: Er bewahrte die Öffentlichkeit davor, Zeuge einer Verhandlung zu werden, in der der Rechtsstaat ungeniert verhöhnt wurde.
solche richter wünscht sich jeder angeklagte. sie wissen bereits VOR dem prozess, wie sich die angeklagten verhalten)))
"Die Darstellung der Hilflosigkeit des Gerichtes gegenüber den auffällig gewordenen Mitbürgern ....zeigt die Schwäche des freiheitlichen Systems..."
Was hätte den die Richter(in) und Staatsanwälte anders machen sollen?
Etwa sich selbst auf das niedere Niveau herabgeben nach dem Motto 'Auge um Auge'?
Mit Schimpfwörtern zurückschlagen?
Als Richter steht man eben 'über' den Dingen und bewertet den Fall - nicht das ausfällige Verhalten der Beteiligten.
Ich finde, dass die Besonnenheit des Gerichtes hier sehr angebracht war und ist und klar gepunktet hat.
Auch Joseph Göbbels erklärte oftmals unter Zu Hilfenahme von weit verbreiteten Vorurtielen das eine oder andere Vorurteil zur Realität, indem er pseudowissenschaftliche Behauptungen, oder einfach nur Behauptungen oder einfach den blanken Rassismus als Beleg für seine Schlußfolgerungen (die nichts anderes waren als Fehlimplikationen) heranzog.
Zur Rhetorik von damals und dem was heute so geschieht gibt es erstaunlich viele Parallellen, mit dem Unterschied daß es heute zum einen diplomatischer ausgedrückt wird (was am Inhalt nichts ändert), zum anderen haben sich die Feindbilder geändert.
an Brutalität des Westens gegenüber jenen künstlich heraufbeschworenen Feindbildern stehen wir (als westliche Nationen) den Verhältnissen von damals nur in quantitativer Hinsicht nach ... nur heute wird es eben besser verkauft.
Daß man sich mit den Abstrakta beschäftigen muß rechtfertigt sich alleine schon daraus daß die PROPAGANDA mit Behauptungen daherkommt, wenn man nicht alles genau unter die Lupe nimmt. Das ist im übrigen keine Haarspalterei.
"Marcello50: drolo: Hilflosigkeit und Freiheit Mit intelektuellen Sprüchen und abgehobenen"
"Erklärungen werden sie der Brutalität der Täter nicht begegnen können."
Erstens sind meine Ausführungen keine Sprüche
Zweitens liegt ihnen Logik und ein guter Batzen Erfahrung zu Grunde, woran es vielen hier reichlich mangelt. Da ist nichts intellektuell oder abstrakt dran.
Drittens: Woraus leitet sich das Urteil ab daß die Täter brutal sind ?
"Für diese sind Ihre Ausführungen die Fluchten der Weicheier, denen diese Art von tätern noch am Bodenliegend die Kehlen durchbeisen."
Viertens: Ist das ein Urteil oder ein Vorurteil ? Es geht doch letztendlich darum daß hier jemand zum Terroristen gemacht wird aufgrund irgend welcher Aussagen von so genannten 'Ermittlern' seitens der Geheimdienste, des Verfassungsschutz oder von wem auch immer, also nichts was (gemäß den hier beschworenen rechtsstaatlichen Prinzipien) nachhaltig kontrollierbar wäre. Die Brutalität ist noch nicht dadurch erwiesen daß jemand ausfällig wird. Ich werde auch oft ausfällig und bin ziemlich direkt ... aber noch lange ncith brutal (außer manchmal rein verbal ... wen's erwischt, der hat's verdient).
Der Schluß daß irgend ein Jurist aufgrund von diffusen Informationen, die aus sonst irgend welchen Kanälen kommen uns sich in der Vergangenheit schon oft als unwahr erwiesen haben, jemanden als Terroristen bezeichnet bedeutet noch lange nicht daß dies stimmen muß.
Die Ausfälligkeiten deuten eher auf eine Reaktion der Hilflosigkeit oder des Trotzes hin von jemanden der eventuell zu Unrecht verurteilt werden soll. Kleingeister interpretieren sowas dann als Beleg für eine vermeitliche Brutalität.
Paging