Prophet Mohammeds Aischa Geliebte Frau

Nach dem Tod seiner ersten Frau entschied sich Mohammed für eine Ehe mit der etwa sechsjährigen Aischa. Sie spielte eine wichtige Rolle im Leben des Propheten.

Von Peter Heine

Im Lauf seines Lebens ist der Prophet Mohammed mehrere Ehen eingegangen. Zunächst heiratete er die ältere, wirtschaftlich erfolgreiche Großkauffrau Khadija, der er sehr zugetan war. Zu ihren Lebzeiten ging er keine weitere Ehe ein. Die islamischen Traditionen nennen sie "eine aufrechte Stütze" für ihn.

In den auf den Tod Khadijas im Jahr 619 folgenden Beratungen unter den engsten Vertrauten Mohammeds schlug man ihm zwei Partnerinnen vor, die für eine Ehe, nicht zuletzt unter politischen Gesichtspunkten, in Frage kamen. Er entschied sich für Aischa, die Tochter eines seiner frühesten Anhänger, des späteren ersten Kalifen, Abu Bakr (gest. 634).

Die Hochzeit wurde verabredet. Aischa war zu diesem Zeitpunkt etwa sechs Jahre alt. Vollzogen wurde die Ehe jedoch erst nach dem Auszug Mohammeds und seiner Anhänger nach Medina im Jahr 622. Das exakte Datum ist nicht bekannt. Immerhin berichten die Quellen, dass Aischa noch mit Puppen spielte, als sie in den Haushalt des Propheten kam.

Unschuld seiner Frau offenbart

Mohammed liebte Aischa sehr. So berichten die Quellen, dass er mit ihr um die Wette gelaufen sei, wobei die junge Frau zunächst schneller war als er. Bei einem späteren Wettrennen hatte Aischa jedoch zugenommen, sodass Mohammed eher ans Ziel gelangte und sie damit neckte.

Auch diese Ehe verlief nicht ohne Spannungen, zumal sich Aischa gegenüber den weiteren Frauen Mohammeds durchsetzen musste. Ein Zerwürfnis führte sogar zu einer Offenbarung. Bei einem Kriegszug war Aischa, die das Heer in einer verhängten Sänfte begleitete, hinter der Karawane zurückgeblieben. Ein junger Mann hatte sie aufgelesen und ins Heerlager gebracht.

Sogleich entstanden Gerüchte über diesen Vorgang. Der Prophet verteidigte seine Frau nicht. Aischa kehrte zu ihrer Familie zurück. Daraufhin erhielt der Prophet eine Offenbarung, in der die Unschuld seiner Frau festgestellt wurde.

Aischa war auch die einzige unter seinen Frauen, die sich zu manchen seiner Handlungen kritisch äußerte. Die besondere Bevorzugung von Aischa gegenüber den anderen Frauen des Propheten kam später dadurch zum Ausdruck, dass er seine letzten Stunden mit ihr verbringen wollte und in ihren Armen starb.

Intrigen gesponnen

In die auf den Tod Mohammeds folgenden Auseinandersetzungen mischte sich Aischa tatkräftig ein. Dass sie sich für ihren Vater als neuen Leiter der muslimischen Gemeinde einsetzte, ist leicht nachzuvollziehen. Auch bei späteren Konflikten war sie beteiligt.

Vor allem die Schiiten verübeln ihr bis heute, dass sie sich gegen das Kalifat des Schwiegersohns des Propheten, Ali ibn Abi Talib, ausgesprochen hat. Sie werfen ihr vor, dass sie über ihn Lügen verbreitet und Intrigen gesponnen habe. Überliefert wird, dass sie sogar an einer der Schlachten zwischen den verschiedenen muslimischen Parteien teilgenommen habe.

Für Sunniten ist Aischa eine Autorität für die Überlieferung von Aussprüchen des Propheten, die als eine authentische Quelle des islamischen Rechts verstanden werden. Sunnitische Eltern wählen gerne den Namen Aischa für ihre Töchter.

Der Autor ist Professor für Islamwissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität.