Verleger gegen Bayern: Das Projekt Zeitungszeugen will NS-Blätter nachdrucken, der bayerische Freistaat geht gerichtlich dagegen vor.
Die Österreicher tun sich mit dem Thema Nationalsozialismus anscheinend leichter als die Deutschen - zumindest, wenn man das bayerische Finanzministerium als Maßstab nimmt.
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In Bayern umstritten: das Projekt "Zeitungszeugen". (© Foto: sueddeutsche.de)
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Was in Österreich nicht beanstandet wurde, soll in Deutschland nun verhindert werden: Der Nachdruck nationalsozialistischer Tageszeitungen in einem populärwissenschaftlich aufbereiteten Zeitungsprojekt soll verboten werden.
Das bayerische Ministerium wird gerichtliche Schritte gegen das Projekt Zeitungszeugen einleiten. Noch am Donnerstag werde ein Strafantrag gestellt, heißt es in einer Pressemitteilung des Finanzministeriums. Unter anderem werde es um die "Verletzung urheberrechtlicher Vorschriften" gehen.
Protest des bayerischen Staates
Schon seit einigen Wochen schlagen sich die Macher des Projekts Zeitungszeugen mit den ihrer Meinung nach engstirnigen Beamten des bayerischen Finanzministeriums herum. Zeitungszeugen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Zeitungausgaben aus der NS-Zeit im Original nachzudrucken und einem historisch interessierten Publikum nahezubringen.
In jeder Ausgabe von Zeitungszeugen kommentieren renommierte Historiker wie Hans Mommsen oder Gerhard Botz die Inhalte und Aufmacher der beigelegten Tageszeitungs-Nachdrucke und setzen sie in einen historischen Kontext.
Der jüngsten Ausgabe von Zeitungszeugen liegt ein Nachdruck der nationalsozialistischen Tageszeitung Völkischer Beobachter bei. Das Urheberrecht für dieses Blatt liegt - wie das der meisten nationalsozialistischen Zeitungen oder auch Hitlers "Mein Kampf" - seit Ende des Zweiten Weltkrieges beim bayerischen Staat. Der will jetzt zivilrechtlich gegen den Zeitungszeugen-Verlag Albertas vorgehen, um, wie es heißt, weitere Nachdrucke der "NS-Hetzpresse zu verhindern". Bayern lehnt es deshalb fast obligatorisch ab, Nachdrucke solcher Publikationen zuzulassen.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Zeitungszeugen keine wirkliche Neuerscheinung ist und warum ein Rechtsstreit dem britischen Verleger nicht ungelegen kommt.
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Bundespräsident Gauck
Ein "Zeitungsprojekt" für Nachwuchsnazis.
TV-und oder Radiosender, darf´s etwas mehr sein?
Neue Lage: Der Zentralrat ist empört über die "Zeitungszeugen". Damit ist jede Diskussion beendet.
Ich finde die Zeitungszeugen ein sehr interessantes Projekt. Bis jetzt hat man die damaligen Medien ja meist nur in Ausschnitten begutachten können.
Ganze Zeitungen ergeben da doch ein umfassenders Bild.
Aber ich kann mir schon denken, woher der Wind weht. Im neuen bayrischen Lehrplan ist die Unterrichtszeit, welche das dritte Reich behandelt, auch arg zusammengestrichen worden.
Und ich bitte Sie, sogar Österreich hat kein Problem mit den Zeitungen! Bayern soll doch nicht wirklich geschichtsvergessener sein als Österreich...
Bild ist leicht verdauliche politische Kost.
Das rät Ihnen Ihr Arzt und Apotheker.
In der ersten Nummer der Zeitungszeugen liegen auch noch eine kommunistische und eine sozialdemokratische Zeitung- wegen denen wird die DDR-artige künstliche Aufgeregtheit bayrischer Beamter jedoch sicher nicht veranstaltet.
Es geht um den "Angriff"- ein Blatt der NSDAP wie es scheint. Ich habe den 1. Zeitungszeugen gelesen: wer irgendeine Hetze erhofft oder sich an einem Meer von Hakenkreuzen berauschen wollte, wird enttäuscht. Letztere muss man mit der Lupe suchen.
Offenbar hat uns Guido K. über die Machtergreifung ziemlich die Taschen vollgehauen. Dass Herr H. aus B. jetzt Reichskanzler ist, steht zwar auf Seite 1- das isses dann aber auch. Der Rest ist der Sportteil mit irgendwelchen Radrennen, Werbung, Wirtschaftslage usw. Ein Bild der Normalität. Die ganze Machtergreifung scheint für die Leute damals genauso interessant gewesen zu sein, wie heute die große Koalition.
Paging