Mit der Kampagne von Barack Obama ist die Demokratie in die USA zurückgekehrt. Doch der neue Präsident hat so viele Erwartungen zu erfüllen, dass er herkulische Kräfte braucht.
Wenige Menschen verfassen mit gerade mal 30 Jahren ihre Autobiographie. Barack Obamas Geschichte beginnt mit dem Satz: "Eigentlich wollte ich ein ganz anderes Buch schreiben." Dann schildert er in eloquentem Prosa den verschlungenen Weg zu sich selbst. Heute müsste er das Werk mit einem anderen Satz beginnen: "Eigentlich wollte ich ein ganz anderes Leben leben." Denn heute, heute ist Barack Obama zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden, und er selbst würde als Letzter behaupten, dass diese Bestimmung ihm in die Wiege gelegt worden sei.
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Der 44. Präsident der USA hat Geschichte geschrieben, bevor er sein Amt überhaupt antreten konnte. Kaum eine Wahlnacht lieferte so viel Emotionalität, so viel ehrlich und tief empfundene Erleichterung und Freude. Amerika ist von einer Last befreit. Das Land wird am Morgen des 5. November aufwachen in der Gewissheit, dass es sich selbst erneuert, dass es den wohl radikalsten politischen Wechsel in seiner jüngeren Geschichte aus eigener Kraft geleistet hat - und dass sich nun unzählige Chancen eröffnen zur inneren Heilung und zur Versöhnung mit der Welt.
Barack Obama ist ein Ausnahmepolitiker für eine außergewöhnliche Zeit. Vor einem Jahr noch galt sein Aufstieg in das höchste Amt des Landes als unwahrscheinlich. Anders aber als seine Konkurrenten sowohl in der eigenen Partei als auch bei den Republikanern entwickelte Obama ein Gespür für die wahren Bedürfnisse des Landes, für die Dimension des Augenblicks - und er war als Einziger in der Lage, die Größe der Aufgabe in Worte und Gefühle zu verpacken. Obama verkaufte kein politisches Programm, er zwang Amerika zu sich selbst und versprach die wichtigste politische Handelsware überhaupt: Hoffnung. Hoffnung ist, was Amerika am meisten benötigt.
Denn dies ist die tatsächlich größte Leistung des neuen Präsidenten: Nicht er selbst, nicht Barack Obama stand im Mittelpunkt der Kampagne, sondern Amerika war es, das seine politische Berufung wiederentdeckte. Amerika erlebte die Politisierung eines erstarrten Wahlbürgertums, die Demokratie ist zurückgekehrt in ein von Zweifeln durchsetztes Land. "Yes we can!" ist nicht nur ein Wahlmotto, "Yes we can!" ist ein Schlachtruf für eine Nation, die ihren Niedergang spürt.
Derart hoch sind die Erwartungen, derart anspruchsvoll die selbstgesteckten Maßstäbe, dass Barack Obama herkulische Kräfte entwickeln muss. Der Wahlkampf war nur ein müder Auftakt, gemessen an den vier Amtsjahren die ihm bevorstehen. Helfen wird Obama, dass die Bereitschaft zum Wandel enorm ist. Amerika hat sich neu erfunden, nun wartet die Welt auf den neuen Präsidenten.
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(sueddeutsche.de/bosw)
Die Ärzte in München
Ihre Perlen hier sind zu wertvoll, um im Nirwana der SZ-Kommentre zu versinken.
medienanalyse-international.de/kornelius.html
dokumentiert Ihre Arbeit.
Heute vor 90 Jahren wurde der Freistaat bayern ausgerufen. Was passierte an dem Tag eigentlich mit den Münchener Medien?
Mich würde zum Beispiel auch interessieren, einmal etwas zu erfahren über das, was man meist achselzuckend als "Kollateralschäden" der beiden Kriege bezeichnet - wenn man sich schon für Kriegführen als Mittel der Wahl ausgesprochen hat. Nichts, aber auch nichts über das Leid, das den Zivilisten im Irak zugefügt wurde. Hin und wieder wird das Auslöschen einer Hochzeitsgesellschaft in Afghanistan erwähnt. (So what. Krieg ist Krieg). Wieviele starben in den ach so zielgenauen Flächenbombardements im Irak?Wurden verstümmelt? Wieviel Kinder wurden zu Waisen? So, als ob wir in Deutschland nicht wüßten, was Krieg im eigenen Land heißt.Als Missionar der Menschenrechte scheint der deutsche Reporter nicht oft unterwegs.Und die sog. "Neuerfindung" Obamas:der Dialog! Den gabs schon immer. Und auch die Dialog-Ankündigung in ihrer Unbedingtheit bereits abgeschwächt durch Obama selbst. Ebenso wie der "sofortige"Abzug aus dem Irak.Hier werden Wahlkampfslogans für bare Münze genommen.Und das Wunschdenken erlebt eine einmalige Blüte -entgegen dem, was man bereits als sich abzeichnende Wirklichkeit ausmachen kann.
Völlig richtig. Diese angebliche Sonderstellung der USA kommt daher, dass zunächst mal die Amerikaner (jedenfalls diejenigen, die in den Medien auftauchen) sich selbst gerne beweihräuchern: "What a great country this is". Das wird jedem Kind dort so lange eingetrichtert, bis es sich kein tolleres Land mehr vorstellen kann. Das ist bei uns zum Glück (wieder und noch) anders. Für diese Art von Propaganda ("Amerika ist toll, gerecht, gut, großartig, erfindet sich immer wieder neu, unbegrenzte Möglichkeiten" und was es noch so alles gibt) gibt es auch alle möglichen "Institute", die international agieren. Dazu kommt natürlich Hollywood. Alles zusammen führt dann dazu, dass bei uns der ganze Mist nachgequatscht wird, statt das Land einfach realistisch zu betrachten. Wer das tut, findet Großartiges neben Beschämendem, Wunderbares neben unsäglich Blödem, unglaublich Reich neben unglaublich Arm, Vernunft neben extremer Naivität usw. Was das Land intern ausmacht, können wir neutral betrachten und mehr oder weniger mögen. Nun hat das Land aber allergrößte Auswirkungen auf die ganze Welt, und viele davon sind alles andere als positiv. Daran wird auch ein Obama nichts ändern. Vielleicht punktuell, wenn's gut läuft sogar punktuell positiv. Insgesamt kommt es mir aber jetzt schon so vor, als würde man seine Wahl vor allem dazu nutzen, positive Propaganda für das Land zu machen, wobei das einzig Bemerkenswerte die Tatsache ist, dass er kein Weißer ist. Wir werden erleben, dass das nicht viel bedeutet. Der latente und teilweise offene Rassismus ist damit nicht erledigt. Und Obamas Gegner warten schon auf die ersten Fehltritte. Das wird sicher noch sehr interessant.
Warum hat sich ein Land nun neu erfunden, in dem schwarz wie weiß Einwanderer sind und das nun seit mehreren hundert Jahren zum ersten Mal einen schwarzen Präsidenten hat? Warum werden Vergleiche mit Deutschland gezogen, in Deutschland sei das nie und nimmer möglich? Deutschland hat eine völlig andere Bevölkerungsstruktur und läßt sich mit einem Einwandererland wie den USA, das überhaupt erst durch Einwanderung entstand, überhaupt nicht vergleichen.
In einer Sache kann man jedoch beide Länder vergleichen. Deutschland hat mit Hamburg und Berlin zwei Städte, deren Oberbürgermeister homosexuell sind, was Homosexualität betrifft, tut sich USA erschreckend schwer. Wer sagt, die USA sei toleranter, hat es nicht begriffen.
Danke, das ist recht aufschlussreich. Viele Journalisten haben sich nach 9/11 blitzartig, oder soll man sagen: reflexhaft auf die Seite der amerikanischen Regierung geschlagen und ab da zunächst mal alles völlig unkritisch, später zwar mit mehr Zwischentönen, aber nie wirklich widersprechend, übernommen. Es gab auch andere, aber die schrieben nicht bei den großen Blättern und sprachen nicht im Fernsehen, und wenn sie erwähnt wurden, dann immer mit dem Etikett "Verschwörungstheoretiker". Seither wird z.B. jede Terrormeldung, die lediglich auf Gerüchten oder maximal auf Geheimdienstmitteilungen beruht, sofort groß aufgebauscht. Sehr häufig (gelinde ausgedrückt) steckte hinter solchen Meldungen letztlich überhaupt nichts, wovon die meisten Leute aber nichts mehr mitbekamen, weil das denselben Medien allenfalls noch eine Mininachricht irgendwo im hinteren Teil versteckt wert war. Und die gesammelten Verbrechen der diversen Regierungen, allen voran der Bush-Regierung, sind offenbar schon nach kurzer Zeit verjährt. So wird im Zusammenhang mit dem Irak fast nur noch davon geredet, wie man da am besten raus kommt. Vielleicht auch noch, dass es ein Fehler war, überhaupt reinzugehen. Selten aber (und dann ohne Konsequenzen), dass ein Krieg unter Angabe von zahlreichen erlogenen Gründen vom Zaun gebrochen wurde. Und überhaupt nicht, dass dieser Krieg weder für die irakischen Frauen geführt wurde, noch um einen Diktator zu stürzen, sondern alleine, weil es einigen Herrschaften hohe Gewinne versprach.
Was Peggy Noonan da beschriebt, ist im Übrigen auch der Hauptgrund dafür, dass alle Welt zu glauben scheint, durch Obamas Wahl wäre schon ein Wandel eingetreten. Wer Skepsis äußert, wird als Nörgler o.ä. eingestuft. Man solle doch erstmal abwarten, heißt es auch oft, aber warum gilt das nur einseitig? Abwarten müssen doch zuerst mal diejenigen, die jetzt das Himmelreich auf Erden kommen sehen. Fast schon tragisch die Kommentare vieler Deutscher, Obama habe so viel Charisma, man würde sich sowas von unseren Politikern wünschen. Ich denke, wir haben mit Charismatikern unsere Erfahrungen gemacht. Das muss in Bezug auf Obama gar nichts heißen, aber ich bin da doch eher für Sachlichkeit.
Paging