Popetown MTV knickt ein

Nur ein Popo-Rülpser: Nach Protest von Kirche und Christ-Union: MTV zeigt zunächst bloß eine Folge der Cartoon-Serie.

Von Claudia Tieschky

Es ist nicht bekannt, ob gelacht wurde, am Halleschen Ufer in Berlin. Bekannt ist aber, dass die Prüfer der dort residierenden Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) sich am Dienstag drei Folgen der von MTV geplanten Cartoon-Comedy Popetown angesehen haben.

Am Ende der Auftaktfolge gibt es in Popetown Fischstäbchen - auf Wunsch des Comic-Papstes, der das Gemüt eines Kleinkinds in der Trotzphase besitzt und sich beim Versteckspiel "Popo-Rülpser" verkneift. Dieser Kirchenmann hatte sich in die finstere Heilige-Hostien-Fabrik verirrt und musste mit anderen Sklaven am Fließband Hostienbrei flachklopfen. Die Messe mit den wahnsinnig fröhlichen Waisenkindern besorgte ein eilig engagierter Entertainer aus Brooklyn namens Jacky Cohen. Sponsor der Waisen ist eine Firma "Biochemische Kriegsführung Yorkshire". Und Cohen brüstet sich als bestes Papstdouble "auf dieser Seite des Borschtsch-Gürtels", erzählt super Witze und erledigt den Auftritt so gut, dass geldgeile Kardinäle aus Popetown schon eine Welttournee planen, "um die Rückkehr des Humors in die katholische Kirche zu feiern".

Den Zorn von katholischer Kirche und CDU/CSU hat die Serie schon auf sich gezogen, bevor überhaupt die Sendefassung fertig war: Im Raum steht die Forderung des Erzbistums München-Freising, das von MTV eine Unterlassungserklärung verlangt und notfalls eine einstweilige Verfügung gegen den Sendestart am 3. Mai erwirken will. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) riet dem Sender zum Verzicht, und CSU-Mann Joachim Herrmann stellte im Zusammenhang mit der begleitenden Kampagne "Lachen statt rumhängen" Strafanzeige gegen MTV-Verantwortliche.

Die FSF erteilte Popetown am Mittwoch trotzdem eine Freigabe - wenn auch nicht bei allen Folgen fürs Tagesprogramm. Bei Kindern unter zwölf Jahren bestehe Gefahr, "dass sie den ironisierenden und satirischen Charakter der Sendung noch nicht verstehen", sagt Geschäfsführer Joachim von Gottberg. Er sagt auch: "Angesichts der geprüften Folgen ist es sehr schwer nachzuvollziehen, welche Geschütze hier von den Gegnern der Sendung aufgefahren werden." Meinungsfreiheit müsse auch Menschen mit kritischer Haltung zur Kirche zustehen.

Popetown hätte also durchaus Chancen, ins TV zu kommen - dennoch verkündete MTV kurz vor Ablauf der vom Ordinariat gesetzten Frist eine Kehrtwende: Popetown werde nicht wie geplant komplett ausgestrahlt. Programmchef Elmar Giglinger: "Wir werden ein Stück weit von unseren ursprünglichen Plänen abrücken". Die Debatte habe eine derartige Lautstärke und Schärfe erreicht, "da wollen wir nicht einfach auf stur stellen". Die Unterlassungserklärung werde MTV aber nicht unterzeichnen.

Der Berliner Sender setzt auf Dialog: Am 3. Mai soll im Abendprogramm (21.30 Uhr) zwar eine Folge zu sehen sein - aber eingebettet in eine Diskussion mit Vertretern von Kirche, Medien, Politik und "dem einen oder anderen Musiker". Die Runde stehe noch nicht fest, sagt Giglinger: MTV werde "natürlich auch Herrn Stoiber oder Herrn Söder einladen". Die geplante Live-Diskussion vor Studio-Publikum soll MTV-Mann Markus Kavka moderieren, zudem würden Telefonanrufe von Zuschauern in die Sendung ebenso einbezogen wie Meinungen, die über ein Online-Forum eingehen. TV-Macher Giglinger hat "große Hoffnung, dass damit die Schärfe aus der Diskussion genommen wird". Dass unter diesen Maßgaben weiter eine einstweilige Verfügung gegen die Popetown-Folge drohe, könne er sich nicht vorstellen.