Drei Jahre später hatte Bartoszewski seine Meinung völlig geändert. Er schimpfte, die Deutschen begännen, ihre Geschichte zu Lasten der Polen zu fälschen: "Es soll das Wissen vermittelt werden, nur Juden und Deutsche seien Opfer des Krieges geworden."

Bartoszewski AFP

Erbitterter Steinbach-Gegner: Auschwitz-Überlebender und Ex-Außenminister Bartoszewski (© Foto: AFP)

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Fortan nutzte er jede Gelegenheit, Steinbach anzugreifen. Als Hauptargument sagte er, Steinbach, die er sogar "blonde Bestie" nannte, sei eine "falsche Vertriebene", da sie 1943 als Tochter eines Luftwaffen-Feldwebels unweit von Danzig im besetzten Polen geboren worden sei. Allerdings stammt ihr Vater aus Niederschlesien.

Bartoszewski löste eine Medienkampagne aus, die in den demokratischen Staaten Europas wohl einmalig sein dürfte.

Fotos zeigen Steinbach grundsätzlich in unvorteilhaften Posen, das Wochenmagazin Wprost brachte sie gar als SS-Domina auf das Titelblatt. Die Korrespondenten von New York Times, Le Monde und der Madrider Zeitung El País kamen staunend zum selben Ergebnis: Da finde eine Feindkampagne statt.

Immer wieder goss dabei auch der greise Bartoszewski Öl ins Feuer und schockierte damit viele seiner alten Freunde unter den deutschen Christdemokraten und Katholiken. So erklärte er allen Ernstes, in der Vertreibungsdebatte "geht es nur ums Geld".

Dabei war er der erste polnische Spitzenpolitiker gewesen, der öffentlich das Los der Vertriebenen gewürdigt hatte, in einer Rede vor dem Bundestag zum 50.Jahrestag des Kriegsendes.

Daran knüpfte Hans Maier, der langjährige Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken an, als er in einem Schreiben an Bartoszewski darauf hinwies, dass eine wahre Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen auch die Vertriebenen einbeziehen müsse.

Unterschlagene Verdienste

Doch keine polnische Zeitung wollte den offenen Brief Maiers abdrucken, so wie auch Botschaften der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. an den BdV in Polen so gut wie kein Echo fanden.

Kanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Horst Köhler, Bundestagspräsident Norbert Lammert, der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans Pöttering, sowie mehrere katholische Bischöfe versuchten vergebens, Bartoszewski davon zu überzeugen, dass Steinbach den BdV auf den Weg der Versöhnung geführt habe.

In der Tat hat sie einen Kurswechsel durchgesetzt. So erhebt der BdV keinerlei Forderungen mehr an die Adresse Warschaus. Sie hat dabei eine kleine Gruppe unversöhnlicher Vertriebener isoliert, die über die Rechtsberatungsfirma Preußische Treuhand nach wie vor Eigentumsansprüche geltend machen.

Sie weist immer wieder darauf hin, dass die Vertriebenen "Opfer der Politik Hitlers" seien. Sie hat vor drei Jahren die erste Ausstellung in der Bundesrepublik organisiert, die auch das Schicksal der polnischen Vertriebenen zeigte.

Die polnischen Medien haben über diese Entwicklungen entweder überhaupt nicht berichtet oder sie als Täuschungsmanöver einer Revanchistin dargestellt. Immer wieder werden Aussagen von ihr völlig aus dem Zusammenhang gerissen und somit verfälscht.

So berichteten mehrere Zeitungen sowie das staatliche Fernsehen vor drei Jahren in großer Aufmachung, Erika Steinbach habe gefordert, an der Konzeption des Museums des Warschauer Aufstandes beteiligt zu werden. Dies wurde als unerträgliche Unverschämtheit angeprangert.

In Wirklichkeit hatte sie genau das Gegenteil erklärt. Eine Richtigstellung aber druckte keine einzige Zeitung.

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