Pakistan und USA Heimliche Hilfe

Offiziell protestieren, inoffiziell kooperieren: Pakistan profitiert beim Kampf gegen Taliban und al-Qaida schon seit längerem von amerikanischem Knowhow - und hilft im Gegenzug bei US-Drohnenangriffen.

Der Protest war deutlich vernehmbar: Als vor einer guten Woche wieder amerikanische Drohnen in Pakistan mindestens 25 Kämpfer der Taliban töteten, zeigte sich die Regierung in Islamabad offiziell empört. Den Angriffen der Amerikaner fielen auch immer wieder Zivilisten zum Opfer - von der Verletzung der Souveränität über die Landesgrenze hinweg ganz zu schweigen.

Doch insgeheim arbeitet Pakistans Militär schon länger mit den Amerikanern zusammen - nach einem Bericht der New York Times schon seit vergangenen Sommer.

Angesichts des Erstarkens von radikalislamischen Extremisten in Pakistan bildet das US-Militär in Pakistan laut dem Zeitungsbericht nämlich Soldaten für den Anti-Terrorkampf aus.

Wie die Times unter Berufung auf US-Militärs schreibt, umfasst dieses bislang geheime Einsatzkommando mehr als 70 amerikanische Militärberater und technische Spezialisten. Mehr als die Hälfte sind Ausbilder von Spezialkräften, der Rest Kommunikationsexperten und Feldärzte.

Sie schulen demnach Angehörige der regulären pakistanischen Streitkräfte sowie paramilitärische Verbände für den Kampf gegen die Terrororganisation al-Qaida und die radikal-islamischen Taliban.

Eine 400 Mann starke Sondereinheit, die aus dem pakistanischen, paramilitärischen Grenzschutz hervorgegangen ist, wurde sieben Monate intensiv von US-Experten geschult. Die Ausbilder versorgten sie mit CIA-Informationen und unterrichteten sie in Kampftaktiken.

Die ersten Ergebnisse lieferte die Zusammenarbeit auch schon: Mit Hilfe der CIA-Informationen konnte die pakistanische Einheit den saudischen Militanten Zabi al-Taifi festnehmen. Al-Taifi, der Verbindungen zu al-Qaida hat, wurde in seinem Haus umstellt - gemeinsam mit sieben pakistanischen und afghanischen Militanten wurde er in einer konzertierten Aktion verhaftet. Während die pakistanische Einheit das Haus stürmte, wachte eine US-Drohne über das Geschehen. Federführend für die Aktion waren CIA-Beamte gemeinsam mit Pakistans Geheimdienst.

Die Zusammenarbeit läuft also schon seit längerem - auch andersherum. Die Amerikaner, so schreibt die Times, profitierten von pakistanischen Geheimdienstinformationen, als sie die Drohnenangriffe starteten. Mehr als 30 Angriffe auf pakistanischem Boden seien von den Amerikaner bereits durchgeführt, neun von 20 hochrangigen Al-Qaida- und Taliban-Kommandeuren seien dabei getötet worden, schreibt die Times. Beide Seiten realisieren, so ein hochrangiger pakistanischer General a.D., dass eine Kooperation von beiderseitigem Interesse ist.

Die Extremisten haben ihre Hochburg in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan, von wo aus sie die internationalen Truppen im Nachbarland angreifen.

Trotz der Erfolge gegen die radikalislamisch Gefahr im Land, die nicht nur den Einsatz des Westens in Afghanistan, sondern auch das Staatsgefüge in Pakistan gefährdet, sind die amerikanischen Angriffe harter Kritik ausgesetzt. Der wütende Antiamerikanismus im Land wird für Präsident Asif Ali Zardari zum immer größer werdenden Problem, weshalb er offiziell die US-Aktionen auf eigenem Territorium geißelt, während inoffiziell sogar mehr Kooperation gewollt ist.

General Kayani, Chef der pakistanischen Armee, der in dieser Woche nach Washington reist, wird offensichtlich mit einem Wunschzettel in die amerikanische Hauptstadt reisen. Pakistan gilt immer noch als engster Verbündeter der USA im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.