NS-Dokumentationszentrum Münchner Platz

Siebzig Jahre hat es gedauert, bis sich die Stadt endlich einer Frage stellt: Warum ist ausgerechnet sie zur Keimzelle des nationalsozialistischen Staates geworden?

Von Wolfgang Görl

Wenn Winfried Nerdinger aus seinem Bürofenster Richtung Westen schaut, hat er einige der edelsten Bauwerke Münchens vor sich. Da ist der Königsplatz, auf dem Ludwig I. seiner Vision von einem "Isar-Athen" Gestalt gab, wofür er seinen Hofarchitekten Leo von Klenze einspannte. "Ein Bild des reinen Hellenismus" wollte Klenze schaffen, und so ersann er die Glyptothek, die Imitation eines griechischen Tempels, in der die antiken Skulpturen ausgestellt sind, die Ludwig zusammengekauft hat. Gegenüber ragen die korinthischen Säulen der Antikensammlung empor, ein ...