Das Netzwerk Recherche würdigt jedes Jahr den Informationsblockierer des Jahres. Dieses Mal hat Putin gewonnen.
Das Netzwerk Recherche wurde 2001 mit der Absicht gegründet, eine Interessenvertretung für investigativen Journalismus in Deutschland zu sein. Am vergangenen Wochenende wurde in Hamburg die sechste Jahreskonferenz des Netzwerkes auf dem Geländer des Norddeutschen Rundfunks (NDR) abgehalten.
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An zwei Tagen fand in Foren, Lessons, Erzählcafés und Workshops eine kritische Reflexion unter Journalisten (650 Teilnehmer) zu den Themen "Nutzwert-Journalismus für die Demokratie" und "Pressefreiheit unter Druck" (mit Schwerpunkt Osteuropa und Russland) statt.
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) geißelte im Panel "Spitzenpolitiker und Medien" eine zunehmende Oberflächlichkeit in der politischen Berichterstattung.
Russlands Präsident Wladimir Putin wurde mit der "Verschlossenen Auster" für den Informationsblockierer des Jahres gewürdigt. Bisherige Preisträger waren u.a. die Aldi-Gruppe, Otto Schily und Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Die Laudatio auf Putin, die wir in Auszügen veröffentlichen, hielt SZ-Redakteur Heribert Prantl.
(SZ vom 18.6.2007)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien
...der Westen hat Pläne bezüglich Russland und die "Verleihung" dieses Preises ist eines der Elemente auf dem Weg der Realisierung dieser Pläne.
Der Sinn dieses Unternehmens besteht darin, die öffentliche Meinung so weit zu "formen", dass bestimmte Sanktionen in Bezug auf Russland eingeführt werden können. Der Westen bereitet methodisch Provokationen, wie z. B. bezüglich das "Abschießen" von Reportern, des Drucks auf sog. "Opositionspolitiker", das Initiieren von internationalen Konflikten usw., um den Russen dann die Schuld an allen denkbaren Sünden dieser Welt zur Last zu legen.
Der Westen vermittelt also dem Bewusstsein der Massen, dass Russland eine Bedrohung für die Demokratie, die Wort- und Meinungsfreiheit und überhaupt für die ganze Welt darstellt. Russland ist = Imperium des Bösen und alle Einwirkungsmethoden sind gerechtfertigt - gewaltsame eingeschlossen. Russland ist nicht lebensfähig und das beste Schiksal für das russische Volk ist die Aufteilung in Regionen.
Das Finale des vorliegenden Drehbuchs - die Wahlen, an die die Bevölkerung des Landes in einem Zustand des "kochenden Teekessels" rantreten soll. Es ist natürlich notwendig, "Situationen" zu schaffen, bei dessen Lösung jede Entscheidung der regierenden Macht falsch oder verliererisch sein wird. Mehr noch, bei der Vermehrung der "Situationen" wird vorgeschlagen ab und an Lügen in den Prozess einzubringen, welche bei der inzwischen gebildeten "öffentlichen Meinung" als reine Wahrheit aufgenommen werden.
Also sollte man diesen "Preis" auch als das wahrnehmen was er ist: gezielter Druck auf Russland mit unvorstellbaren Ausmaßen!
P.S.: In erster Linie sollte das eigene Volk entscheiden, ob eine Regierung gut oder schlecht für dieses ist. Und das russische Volk ist mit 2/3 Mehrheit der Meinung, dass Putin bleiben sollte. Was in den westlichen Medien mehr oder weniger klein gehalten wird, ist die Tatsache, dass seit Putins Amtsantritt die Sterblichkeitsrate um 9,5 % gesunken ist und die Geburtsrate um 8,5 % gestiegen ist, was meiner Meinung nach die besten Merkmale der Besserung sind. Und der Westen wird eh erst zufrieden sein, wenn er einen eigenen "Mann" am Hebel sitzen hat, und so lange dieses nicht der Fall ist werden weitere fragwürdige "Preise" verliehen...
...denn dieser war gestern in der Druckausgabe zu lesen. Hervorragend die "Laudatio", die Heribert Prantl "zu Ehren" Putins gehalten hat. Diese Form des Journalismus lobe ich mir, besonders, da ich als journalistischer Laie auf diese Weise das System "Russland" anschaulich vor Augen sehen kann. Danke für diesen beispielhaften Beitrag, der wie gesagt leider nur in der Printausgabe zu finden ist.
Grüße aus Bonn, hrh
Man stelle sich -- nur beispielsweise -- ein Land vor, dass den bisherigen Stasi-Chef zum Präsidenten erwählt. Dieser neue Präsident versammelt natürlich gleich seine alten Kumpanen wieder um sich, um sein Kabinett zu bilden. Kein vernünftiger Mensch kann dann schließlich von einer solchen Geheimdienst-Regierung erwarten, dass sie sich urplötzlich zur Vorkämpferin der Pressefreiheit aufschwingt.