Nahost Viele Tote und Verletzte in Gaza

Bei Protesten gegen die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem werden Dutzende Palästinenser getötet - deren Regierung spricht von einem "Massaker". Präsident Trump: ein großer Tag für Israel.

Von Alexandra Föderl-Schmid und Tobias Matern, Jerusalem/München

Seit dem Gazakrieg floss nicht mehr so viel Blut: An der Grenze zwischen Israel und Gazastreifen flüchten Palästinenser vor Tränengas.

(Foto: Mohammed Abed/AFP)

Bei Protesten gegen die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem und die Vertreibung von Palästinensern aus Anlass der Staatsgründung Israels vor 70 Jahren haben israelische Soldaten und Grenzpolizisten am Montag palästinensischen Angaben zufolge mindestens 52 Palästinenser getötet. Bei den Demonstrationen an der Grenze zwischen Gazastreifen und Israel wurden mehr als 2200 Menschen verletzt, auch ein israelischer Soldat. Es war der blutigste Tag seit dem Gazakrieg 2014. Die Palästinenserregierung warf Israel ein "schreckliches Massaker" vor.

Israels Premier Benjamin Netanjahu rechtfertigte das Vorgehen der Armee als "Selbstverteidigung gegen die Hamas".

Laut israelischer Armee beteiligten sich etwa 50 000 Menschen an 13 Orten an den Protesten. Dieser Darstellung zufolge haben die Palästinenser Brandbomben und explosive Gegenstände auf Soldaten geworfen. Die Palästinenser errichteten brennende Barrikaden, starteten Lenkdrachen mit brennbarer Flüssigkeit und setzten ein Feld auf israelischer Seite in Brand. Die Luftwaffe hat nach eigenen Angaben sieben Posten der Hamas im nördlichen Gazastreifen angegriffen. Zuvor sei die Armee von dort beschossen worden. US-Präsident Donald Trump hatte mit seiner im Dezember gefällten Entscheidung, die Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, die Wut der Palästinenser entfacht, die den USA nun die Vermittlerrolle im Nahost-Konflikt absprechen.

Etwa 1000 Sicherheitskräfte schirmten die Botschaft während der Eröffnungszeremonie ab. Zu den Gästen zählten Israels Regierungschef Netanjahu und seine Frau Sara. "Sie haben Geschichte geschrieben", sagte Netanjahu an Trumps Adresse. Die USA seien der engste Freund, den Israel habe. Trump war nicht nach Jerusalem gereist, er teilte über Twitter mit, es handele sich um einen "großen Tag für Israel".

In einer per Video übertragenen Botschaft sagte er, die USA hätten "in der Vergangenheit das Offensichtliche nicht anerkannt", indem sie die Botschaft in Tel Aviv belassen hätten. US-Finanzminister Steven Mnuchin, Präsidententochter Ivanka Trump, ihr Mann Jared Kushner sowie einige US-Senatoren waren bei der Zeremonie. "Jerusalem muss eine Stadt bleiben, die Menschen aller Glaubensrichtungen zusammenbringt", sagte Kushner, der einen Friedensplan entwickeln soll.

Der Status von Jerusalem gilt als ein zentraler Streitpunkt im Nahost-Konflikt. Israel besetzte den Ostteil der Stadt mit Altstadt im Sechstagekrieg 1967 und annektierte ihn 1980. Die UN erkennen die Annexion aber nicht an. Israel betrachtet ganz Jerusalem als seine "unteilbare" Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen Ostjerusalem als ihre künftige Hauptstadt. EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini rief beide Seiten "zu äußerster Zurückhaltung" auf. Israel müsse den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit respektieren, die Hamas solle für gewaltfreie Demonstrationen sorgen. Die Palästinensische Autonomiebehörde wollte wegen der Lage eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates beantragen, auch Kuwait forderte dies.