Nahost-Konflikt Israelischer Minister droht mit "Holocaust"

Während die israelische Luftwaffe erneut Angriffe auf Ziele im Gazastreifen fliegt, kommen aus Jerusalem geharnischte Töne. Vize-Verteidigungsminister Vilnai droht radikalen Palästinensern - mit fragwürdiger Rhetorik.

Der stellvertretende israelische Verteidigungsminister Matan Vilnai hat den Palästinensern mit einem "Holocaust" gedroht. Wörtlich sagte er: "Wenn die Palästinenser noch mehr Raketen abschießen und deren Reichweite vergrößern, bringen sie sich in die Gefahr eines größeren Holocaust, weil wir alles in unserer Macht Stehende tun, uns zu verteidigen", sagte Vilnai dem Militärrundfunk.

Der 64-jährige Vilnai gehört der Arbeitspartei an und ist seit 1999 Mitglied der Knesset - seit vergangenem Juli in seiner gegenwärtigen Position als Vize-Verteidigungsminister. In der Armee diente er als General.

Der politisch sensible Begriff "Holocaust" bezeichnet den Völkermord an sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs. Er wird in Israel selten in einem anderen Zusammenhang als den Verbrechen der Nationalsozialisten genannt.

Die israelische Armee plant trotz aller Drohungen derzeit keine Großoffensive im Gazastreifen. Stattdessen wolle die Armee weiter wie bisher mit Luftangriffen und begrenzten Kampfeinsätzen gegen den Raketenbeschuss durch militante Palästinenser vorgehen, berichtete der israelische Rundfunk am Freitag unter Berufung auf Regierungsmitarbeiter. Zuvor hatte bereits Verteidigungsminister Ehud Barak gesagt, dass Israel wenig Interesse an einer Offensive habe und zuerst alle anderen Optionen ausschöpfen wolle.

Andererseits drohte Barak der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen erneut damit, dass eine Bodenoffensive der israelischen Armee Realität werden könne. Aus Sicht israelischer Militärkommentatoren fürchtet die Regierung im Falle eines Einmarsches unter anderem eine große Zahl von Opfern unter israelischen Soldaten und der palästinensischen Zivilbevölkerung.

Die israelische Luftwaffe flog am Freitag nach Angaben einer Militärsprecherin sieben Luftangriffe im Gazastreifen. Nach palästinensischen Angaben wurde dabei ein Haus in Dschabalia im nördlichen Gazastreifen getroffen. Zwei Erwachsene und zwei Kinder seien verletzt worden. Nach den Worten der israelischen Militärsprecherin hat die Armee nicht die Absicht, Zivilisten Schaden zuzufügen. Aber militante Palästinenser würden die Raketen aus Wohngebieten heraus auf Israel abfeuern, sagte sie.

Seit Beginn der neuen Runde des Blutvergießens am Mittwoch haben militante Palästinenser israelische Grenzstädte mit mehr als 120 Raketen und Mörsergranaten beschossen. Eine der selbst gebauten Kassam-Raketen schlug am Freitag in einem Haus in der Grenzstadt Sderot ein. Den Angaben zufolge wurde niemand verletzt. Bei israelischen Luftangriffen und Kampfeinsätzen sind nach palästinensischen Angaben seit Mittwoch 34 Palästinenser im Gazastreifen und im Westjordanland getötet worden. Dazu gehörten auch acht Kinder sowie ein fünf Monate altes Baby.

Angesichts der andauernden Gewalt glauben einer Umfrage zufolge 69 Prozent aller Israelis nicht mehr an ein Friedensabkommen mit den Palästinensern. Wie die Tageszeitung Jediot Achronot weiter berichtete, sind drei von vier Befragten (78 Prozent) der Ansicht, dass die israelische Regierung die Gespräche nur aus rein politischen Erwägungen fortsetzt.