Nachruf auf Karl Otto Meyer Ein deutscher Däne

"Mit dem Tod von Karl Otto Meyer verliert der SSW die größte Persönlichkeit unserer Partei in der Nachkriegszeit", sagte Justizministerin Anke Spoorendonk.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Karl Otto Meyer vertrat ein Vierteljahrhundert die Minderheit im Kieler Landtag. Berühmt wurde er in der Barschel-Affäre.

Von Peter Burghardt

Ein Däne dürfe doch nicht über eine deutsche Landesregierung bestimmen, schimpfte einst Franz Josef Strauß aus Bayern. Es war die bewegte Zeit, als Karl Otto Meyer den Gipfel seiner Karriere erreichte und bundesweit auffiel. Nach dem Skandal um den CDU-Ministerpräsidenten Uwe Barschel, dessen Rücktritt und geheimnisvollem Tod im Oktober 1987, forderte der einzige Abgeordnete des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW) Aufklärung und weigerte sich, einen neuen CDU-Regierungschef in Schleswig-Holstein zu stützen. Meyers Stimme hätte genügt, um den Christdemokraten eine Mehrheit zu beschaffen, doch er wollte nicht. Bei Neuwahlen setzte sich dann der SPD-Mann Björn Engholm durch, Barschels vormaliger Rivale.

Karl Otto Meyer war lange Zeit Einzelkämpfer im Parlament

Karl Otto Meyer wurde 1928 in Sünderup bei Flensburg nahe der deutsch-dänischen Grenze geboren, als junger Flüchtling schloss er sich in den letzten Kriegsmonaten dem dänischen Widerstand an. Als Schulleiter hatte der Lehrer Meyer später eine Zeitlang Berufsverbot, weil er sich gegen Deutschlands Wiederbewaffnung aussprach. Von 1971 bis 1996 saß der Journalist und nachmalige Schafzüchter als Einzelkämpfer des SSW im Kieler Landtag. Er war das Gesicht einer kleinen Bewegung, die immer wieder von politischer Bedeutung ist.

Die Fünf-Prozent-Klausel bleibt dem SSW erspart, das wurde zwischen Deutschland und Dänemark 1955 so beschlossen. Derzeit hat der Südschleswigsche Wählerverband drei Vertreter im Parlament und regiert seit 2012 sogar mit Rot-Grün im Kabinett von Sozialdemokrat Torsten Albig. Die SSW-Frau Anke Spoorendonk ist Ministerin für Justiz, Kultur und Europa. Der Doyen Meyer stritt in seiner Ära im Plenum alleine für die Belange der dänischen Minderheit in Deutschlands Norden, ungefähr 50 000 Menschen. Und der EU-kritische Solist mischte sich dabei auch jenseits eigener Interessen ein. Von 1960 bis 1975 führte er außerdem seine Partei, die heute sein 64-jähriger Sohn Flemming leitet.

Er sei "ein Däne mit deutschem Pass", sagte Karl Otto Meyer. Als er sein Mandat niederlegte, wurde über dem Landeshaus und zu seinen Ehren die Flagge Dänemarks gehisst. Jetzt sinken Fahnen auf Halbmast, denn am Sonntag ist die streitbare Legende im Alter von 87 Jahren in seinem Wohnort Schafflund gestorben. Ministerpräsident Albig würdigte ihn als aufrechten Demokraten und erinnerte an seine Verdienste in der Barschel-Affäre und gegen Rechtsradikale im Landtag. "Karl Otto Meyer er død", titelte die Internetausgabe der Zeitung Flensborg Avis, deren Chefredakteur er lange gewesen ist. Karl Otto Meyer ist tot, der SSW lebt.