Nach Demo gegen Globalisierung Schwere Krawalle in Rostock

Am Rande der Demonstration gegen den G-8-Gipfel haben sich mehr als 2000 Autonome regelrechte Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. 300 Beamte wurden verletzt. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, die Zahl der verletzten Demonstranten ist noch unklar.

Bei der Rostocker Demonstration gegen den G-8-Gipfel ist es am Samstagnachmittag zu massiven Ausschreitungen gekommen. Mehr als 300 Polizisten wurden dabei verletzt. 30 der Beamten hätten so schwere Verletzungen erlitten, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert worden seien, sagte ein Polizeisprecher in der Nacht zum Sonntag. Eine genaue Zahl verletzter Demonstranten gibt es noch nicht.

Die Gewalt hatte am Nachmittag begonnen und gegen Abend zugenommen. Demonstranten aus dem so genannten Schwarzen Block der Autonomen zündeten mehrere Autos an und errichteten Straßenbarrikaden. Schwarze Rauchschwaden stiegen über dem Hafenviertel auf. "Die Autonomen schlagen alles kurz und klein, was sich ihnen in den Weg stellt", sagte ein Polizeisprecher. Ein massives Polizeiaufgebot ging mit Schlagstöcken, Wasserwerfern, Tränen- und Reizgas gegen die Vermummten vor. Nach Angaben wurden mehr als 70 militante G-8-Gegner festgenommen.

Laut Werner Rätz von der globalisierungskritischen Organisation Attac war der Ursprung der Krawalle der Angriff auf einen Polizeiwagen auf dem Platz der Kundgebung. Beim Eintreffen der Demonstrationszüge hätten Teilnehmer die Scheiben des Wagens eingeschmissen. Danach seien zwei Hundertschaften der Polizei auf den Platz gegangen, worauf die Randalierer mit Gewalt reagiert hätten. "Es gibt keinerlei Rechtfertigung für Angriffe auf Personen, wir distanzieren uns davon", sagte Rätz. Er habe eine solche Entwicklung vorher nicht für denkbar gehalten. "Wir haben die Eskalationsdynamik unterschätzt."

Erste Angriffe aus den Reihen der Autonomen hatte es bereits kurz nach Beginn der Demonstration gegen Mittag gegeben. Farbbeutel, Flaschen und Steine flogen auf Polizisten. Ein Beamter wurde mit einem Messer angegriffen und dabei leicht verletzt.

Auch ein Hotel war Ziel der Attacke. Dem Vernehmen nach soll dort eine Delegation von US-Gesandten wohnen. An einer Bank ging eine Scheibe zu Bruch, andernorts wurde von einer eingeworfenen Scheibe an einer Bushaltestelle berichtet.

Am Hafen, wo gegen 16 Uhr die Abschlusskundgebung starten sollte, kam es dann laut Polizei erstmals zu "massiven Angriffen" aus den Reihen einer Gruppe schwarz gekleideter und vermummter Autonomer. Die Demonstranten warfen Molotow-Cocktails, Feuerwerkskörper und Steine.

Zehntausende Demonstranten

Wenige Meter von den Krawallen entfernt versuchten unter dem Lärm der Polizei-Hubschrauber friedliche Demonstranten, eine Abschlusskundgebung für ihre Proteste gegen die G-8 abzuhalten. Redner auf der Bühne machten die Polizei für den Gewaltausbruch verantwortlich und warfen den Sicherheitskräften Provokation vor. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa begleiteten 5000 Polizisten die Demonstration.

Auch der Koordinator des Anti-G-8-Bündnisses, Monty Schädel, gab der Polizei die Schuld an den Krawallen: "Sie hat nicht zur Deeskalation beigetragen", sagte Schädel. Es gebe zwar keine Entschuldigung und keine Rechtfertigung dafür, dass eine Gruppe Autonomer ein Polizeiauto angegriffen habe. "Die Polizei ist aber anschließend stümperhaft und unprofessionell vorgangen", sagte Schädel. Von den im Vorfeld viel angekündigten Deeskalations-Teams sei nichts zu sehen gewesen.

So sei es nicht nachvollziehbar, warum sich eine Gruppe von 20 bis 30 Polizisten "am Stadthafen quer durch die Menschenmenge schlägt und dann auf die gleiche Weise wieder zurückkämpft, ohne etwas erreichen zu wollen. Das ist pure Eskalation", sagte er. Es habe darüber hinaus keinerlei erkennbare Abstimmung unter den Polizisten am Stadthafen gegeben. Zu Durchsagen über die Lautsprecheranlage auf dem Protestgelände während der Gewalttätigkeiten, die zu weiterem Widerstand gegen die Polizei aufriefen, wollte Schädel keine Stellung nehmen, davon sei ihm nichts bekannt.

Der Großteil der Demonstranten war zuvor friedlich, gut gelaunt und teils humorvoll kostümiert durch die Rostocker Innenstadt gezogen. Die Polizei bezifferte die Teilnehmer auf 25.000. Die Veranstalter sprachen dagegen von 80.000 Teilnehmern. Ursprünglich hatten sie bis zu 100.000 Demonstranten erwartet.

Ab Mittwoch kommen in Heiligendamm die Staats- und Regierungschefs der acht wichtigsten Industrienationen (G-8) zusammen. Globalisierungskritiker werfen der Achtergruppe unter anderem vor, mit verantwortlich für ungerechtes Wirtschaftssystem und damit für Armut in der Welt zu sein.

(dpa/AFP/AP/Reuters)