In allen drei Fällen war es nicht die offensichtliche Dynamik des Rassismus von einer Mehrheit der Unterdrücker und einer diskriminierten Minderheit, die zum Ausbruch der Unruhen führte. Es war die fatale Mischung aus einander vollkommen fremden Kulturen, die in einem wiederum fremden Drittland aufeinandertreffen, in dem institutionalisierte wirtschaftliche Diskriminierung eine zusätzliche Klassenspannung schafft.
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Diplomatische Arbeit im Ghetto
Nun sind die historischen Kräfte, die in Deutschland wirken, ganz andere. Doch auch was am Vormittag des 1. Juli in einem Saal des Landgerichts in Dresden mit einem Mord endete, der nun in der islamischen Welt als Tiefpunkt der Beziehungen zwischen Abend- und Morgenland empfunden wird, begann mit Lappalien - mit ein paar Beleidigungen auf einem Spielplatz. Die Apothekerin Marwa El Sherbiny hatte den 28-jährigen arbeitslosen Spätaussiedler Axel W. gebeten, eine Schaukel für ihren Sohn Mustafa freizugeben. Darauf beschimpfte der Russlanddeutsche die junge Frau als Islamistin, Terroristin und Schlampe, weil sie nach islamischem Brauch ein Kopftuch trug.
Marwa El Sherbiny zeigte Axel W. an, der in erster Instanz zu 780 Euro Geldstrafe verurteilt wurde. Am 1. Juli ging der Fall in Berufung. Während der Verhandlung zog Axel W. ein Messer, stach 18 Mal auf die Frau ein. Als ihr Mann versuchte, dazwischenzugehen, wurde er mit drei Stichen lebensgefährlich verletzt.
Ventil für Frustrationen
Ohne Zweifel war der Antiislamismus die treibende Kraft. Doch es war eben kein gebürtiger Deutscher, der den Mord beging, sondern ein Russlanddeutscher, ein junger Mann, der seit sechs Jahren hier lebte und den Großteil seines Lebens in Perm nahe dem Ural in Russland verbrachte. Marwa El Sherbiny und ihr Mann Elwi waren auch keine Einwanderer, sondern Vertreter einer internationalen Wissenschaftlerszene. Elwi El Sherbiny ist Genforscher, seine Frau Marwa war Apothekerin. Das übliche Opfer-Täter-Schema von den armen Einwanderern und den mittellosen Rechtsradikalen greift hier also nicht.
Es waren zwei einander vollkommen fremde Kulturen, die hier auf einem Spielplatz aufeinandertrafen. Axel W., das ist der Arbeitslose, der in Russland sozialisiert wurde, wo der Fremdenhass gesellschaftlich längst noch nicht die Ächtung erfahren hat wie im westlichen Europa. Der Täter verdankt seine deutsche Staatsangehörigkeit einer historischen Besonderheit, die der Eingemeindung von Russlanddeutschen seit fünfzig Jahren bei der Immigration eine Ausnahmestellung gewährt, ihnen aber keineswegs einen Platz im deutschen Wohlstand garantiert. Im dumpfen Populismus der NPD fand er ein Ventil für seine Frustrationen. Dann sah er die exotisch gewandeten Ausländer, die doch offensichtlich so viel besser gestellt waren als der Aussiedler mit deutschem Pass.
Egal ob USA oder Deutschland, die gesellschaftliche Mitte kann in diesen Konflikten nur die Rolle des Verstärkers oder Vermittlers spielen. Ob gewollt oder nicht - die selektive Bevorzugung schürt das Konfliktpotential. In den USA hat man die Spannungen inzwischen im Griff. Die Unruhen in New York brachen aus, als der erste schwarze Bürgermeister David Dinkins sein Amt antrat, der dann vermitteln konnte. In Los Angeles leistete die Stadt nach den Riots diplomatische Arbeit auf dem Niveau der UN.
Obwohl Deutschland kein Einwanderungsland ist, sind viele Konflikte hier bereits angekommen. Einiges spielt sich in der Unterwelt ab. Russische Bruderschaften haben in Berlin türkische Gangs verdrängt. In den Fehden zwischen Rapstars spiegelt sich so mancher Konflikt aus den Bürgerkriegen im Nahen Osten und im Balkan. Toleranz und Offenheit mögen demokratische Tugenden sein. Für einen funktionierenden Multikulturalismus braucht es jedoch echtes Verständnis und großes diplomatisches Geschick.
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(SZ vom 14.07.2009)
Stockender Kita-Ausbau
"Das suggerierte Fazit aber, ganzen Staatsinstitutionen oder Gesellschaften latenten oder offenen Rassismus / Moslemhass ist ebenso dämlich. Das war die Tat eines üblen rassistischen Täters. Nicht die Tat eines Justizsystems oder einer xenophoben Gesellschaft. "
Also das der Staat das nicht wollte, da stimme ich ihnen zu. aber er tut allgemein zu wenig gegen Rassismus/ Diskriminierung von Moslems, und das obwohl diese Diskriminierung steigen.
Ich als Deutscher, der natürlich Perfekt Deutsch spricht, und eigentlich nur nicht so aussehe/ Heise wie ein ur-Deutscher bekomme im Alltag mit Ämtern/ Beamten ständig Probleme die meine "Ur-Deutsche" freunde nicht haben, beschweren kann man sich uber solche Leute auch kaum, und selbst wenn wird im zweifelsfall eigentlich immer den anderen geglaubt...
Ein Beispiel wir wohnen in der City, und müssen/dürfen dementsprechend durch die City fahren, da wir im hinterhof auch einen Parkplatz haben. Eines schönes tages hält uns ein Polizist in der City an, und versucht krankhaft uns irgendein Strafzettel zu schreiben. Ständig wurden wir von diesen Polizist provoziert, uns wurde die weiterfahrt ca 15 min verwehrt, irgendwann hatten wir die schnauze voll und haben die Polizei gerufen, die Polizisten die kamen, wollten uns zwar helfen bzw hatten verständniss für uns , konnten aber anscheinend nix tun. Nach hitzigen Diskusionen griff der Polizist sogar zur waffe.
Wir haben uns auch Schriftlich bei der Polizei der Stadt beschwert aber passiert ist nix, auser das wir plotzlich sogar noch, zur Unrecht, einen Strafzettel wegen nicht anschnallen bekommen haben. Die Beschwerde hierfür wurde abgeschmettert, obwohl der Polizist hochstwahrscheinlich garnicht sehen konnte ob die Hinteren Insassen angeschnallt waren, den unsere Scheiben sind verdunkelt und es war nachts... all solche argumente helfen nix, wenn man nicht "UR-Deutsch" aussieht/ Heist...
Warum wird hier immer alles politisiert. In den USA wäre das wohl anders beurteilt worden. Da hat einer einen Mord begangen und dafür wäre er in einigen Staaten auf dem elektrischen Stuhl gegrillt worden. Für mich nachvollziehbar.
Hier in Deutschland wird ihm ein politsches Motiv unterstellt. Ich bin sicher er kann Islamist gar nicht schreiben und hat überhaupt gar keine Ahnung von solche Dingen. Es hat auch nichts mit Russlanddeutschen zu tun. Da gibt es ganz klevere und sehr gebildete Menschen. Wollen wir sie mal nicht da anschwärzen. Das hat mit Russlanddeutsch und Islamismus nichts zu tun. Das ist einfach Primitivität. Dummheit. Aber politische Motive würden ein Mindesmass an Intelligenz voraussetzen was er gar nicht hat.
Weil Deutschland kein Einwanderungsland ist, Herr Meister 6.
Die üblichen Kreise wiederholen zwar gebetsmühlenartig, wir seien ein Einwanderungsland- aber dadurch ändert sich nichts am Fakt.
Die ganze Einwanderung ist unterm Strich ein Verlustgeschäft sondergleichen, selbst wenn man von tausend Problemen absieht, die wir ohne Migranten garnicht hätten.
Nein, das hat der Verfasser, wie von Ihnen angeführt, nicht ausschließlich geschrieben. Die gefühlte (nicht tatsächliche) Unhöflichkeit war wohl nur der letzte Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte. Weiter unten schrieb A.Kreye:"Dazu kommt der latente Sozialneid auf die gut vernetzten koreanischen Einwanderer, die in den letzten Jahrzehnten die meisten Gemischtwaren- und Lebensmittelläden in den Schwarzenvierteln führen." Das gleiche Problem hatten z.B. auch die jüdischen Besitzer von Läden in Harlem. Oft wird der Aintisemitismus der Schwarzen in den USA beklagt. Nach dem, was ich, hier lebend, so höre, handelt es sich wie im Falle der Koreaner nicht um Rassenhaß, sondern um Sozialneid. In einer Gesellschaft, wo es nur um (meist materiellen) Erfolg geht, wo zudem lauthals immer verkündet wird, der "American dream", der diesen Erfolg hauptsächlich beinhaltet, sei in greifbarer Nähe für jeden, entlädt sich das Gefühl des eigenen Mißerfolgs eben auf diese Weise: Haß auf den Erfolgreicheren. Das Etikett "Rassenhaß" wird dem zu Unrecht übergestülpt.
"Sowie man, zurecht, den AntiSemitismus kritisiert/ bekämpft, sollte man auch die Moslem-Hasser bekämpfen! Und das ist denke ich nicht zuviel verlangt, wenn man bedenkt das es immer mehr Deutsche Moslems gibt..."
Dem Satz mag ich vorbehaltlos zustimmen. Der Täter war wohl ein übler Rassist, ein Moslemhasser und damit ebenso dumm und primitiv, wie alle Menschen, die meinen, man kann und darf andere anhand anderer Kriterien be- und verurteilen, als ihrer Taten.
Rassisten sind blöde - weltweit.
Das suggerierte Fazit aber, ganzen Staatsinstitutionen oder Gesellschaften latenten oder offenen Rassismus / Moslemhass ist ebenso dämlich. Das war die Tat eines üblen rassistischen Täters. Nicht die Tat eines Justizsystems oder einer xenophoben Gesellschaft.
Paging