Misshandlungsskandal in Burbach Durchsuchung bei Flüchtlingsheimbetreiber European Homecare

Ermittler durchsuchen die Essener Firmenzentrale des Flüchtlingsheimbetreibers European Homecare.

(Foto: dpa)
  • Razzia in der Essener Zentrale von European Homecare
  • Staatsanwaltschaft sucht nach Beweisen dafür, dass der Flüchtlingsheimbetreiber von Misshandlungen der Flüchtlinge durch privates Wachpersonal wusste.

Staatsanwaltschaft untersucht Büroräume von Flüchtlingsheimbetreiber

Ermittler haben die Firmenzentrale des Flüchtlingsheimbetreibers European Homecare in Essen durchsucht. Es sei nach Beweisen im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Übergriffen auf Asylbewerber in Burbach gesucht worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Siegen, Johannes Daheim, zu Süddeutsche.de. In Burbach sollen private Wachmänner Flüchtlinge misshandelt haben. Daheim zufolge gehen die Ermittler dem Verdacht nach, dass die Zentrale von European Homecare von den Zuständen in dem Heim wusste. Ob die Ermittler etwas gefunden haben, konnte Daheim bislang nicht sagen: "Die Kollegen sind noch vor Ort."

Medienbericht erhebt schwere Vorwürfe

Die Staatsanwaltschaft reagiert mit der Durchsuchung auf einen Medienbericht, in dem schwere Vorwürfe gegen European Homecare erhoben worden waren. Einem Bericht des WDR-Magazins Westpol zufolge, war das Unternehmen von der Gewalt gegen Flüchtlinge in den Einrichtungen informiert. Gewalttätige Übergriffe gegen Flüchtlinge, die sich nicht an die Anweisungen des Personals hielten, seien mit Wissen und teilweise auf Veranlassung von European Homecare erfolgt, zitierte das Magazin Mitarbeiter verschiedener Sicherheitsfirmen.

"Wir haben auch schon mal zugeschlagen", sagte demnach ein Wachmann dem Magazin. "Das aber nur, um uns zu wehren. Mit dem Wissen von European Homecare." Den Mitarbeitern der Sicherheitsfirmen obliegen dem Bericht zufolge auch betreuende Aufgaben. Außerdem wisse European Homecare nicht nur von den Sanktionen, mit denen Flüchtlinge bestraft würden, wenn sie gegen Regeln verstießen. Das Unternehmen gebe dafür sogar Anweisungen. Als Beispiel wurden im Bericht Vorfälle im Essener Optipark genannt, wo Flüchtlinge zur Bestrafung aus ihren Zimmern ausgesperrt worden seien. European Homecare habe bislang zu den Vorwürfen nicht Stellung bezogen.

Sicherheitsunternehmer Stilper: "Ich schäme mich entsetzlich"

Der Geschäftsführer des in die Kritik geratenen Sicherheitsunternehmens SKI, Walter Stilper, äußerte sich ähnlich, ohne dabei das Unternehmen European Homecare zu nennen. Anweisungen von Betreuern hätten in mehreren Situationen Ausschreitungen ausgelöst, sagte er der Hersbrucker Zeitung. So sei Muslimen im Ramadan verboten worden, nach 22 Uhr zu kochen. In einem Fall sei wegen eines einzigen Störenfrieds angeordnet worden, die Übertragung des Fußball-Länderspiels Deutschland-Algerien in der Unterkunft zu unterbrechen.

Seine Mitarbeiter seien wiederholt angegriffen und schwer verletzt worden, so Stilper. Von Seiten der Behörden seien sie oft allein gelassen worden. So habe sich die Polizei vor zwei Wochen in Burbach trotz mehrerer Anrufe erst nach dem Ende einer Massenschlägerei blicken lassen, bei der drei seiner Mitarbeiter schwere Verletzungen wie Knochenbrüche erlitten hätten.

Die Übergriffe von Wachleuten auf Flüchtlinge machten ihn dennoch "fassungslos". "Ich schäme mich entsetzlich", sagte Stilper der Zeitung. So etwas sei zuvor noch nie vorgekommen. Er selbst habe das Betreiben eines so genannten Problemzimmers in Burbach verboten, als er davon gehört habe. Außerdem habe er European Homecare davon unterrichtet.

Das Zimmer sei von Sozialarbeitern mit Wissen und Billigung der Heimleitung eingerichtet worden. "Wir hätten dort 14-Jährige einsperren sollen oder auch Frauen - das ist doch vollkommen krank." Es habe auch Anweisungen gegeben, mit den Flüchtlingen nicht zu reden.

Handy-Bilder und Videoaufnahmen belegen Misshandlung durch Wachpersonal

Ende September war bekannt geworden, dass in einer von European Homecare betriebenen Notunterkunft in Burbach im Siegerland Asylbewerber von Mitarbeitern eines privaten Sicherheitsdienstes misshandelt worden sein sollen. Auf einem Handy-Foto sind zwei Sicherheitsleute sowie ein gefesselt am Boden liegender Mann zu sehen. Ein Wachmann drückt das Opfer mit seinem Stiefel nach unten. Zudem existiert ein Video, in dem ein Mann aufgefordert wird, sich auf eine Matratze mit Erbrochenem zu legen.

European Homecare beendete nach eigenen Angaben die Zusammenarbeit mit der Sicherheitsgesellschaft SKI bis zur Klärung der Vorwürfe in Nordrhein-Westfalen. Es will demnach zudem interne Prozesse und Strukturen überprüfen. European Homecare betreibt nach eigenen Angaben bundesweit rund 40 Einrichtungen für Asylbewerber und Flüchtlinge.