Mildere Strafen, vorzeitige Entlassungen Lebenslange Haft ist billiger als die Todesstrafe

Es gibt viele Gründe dafür: Die vielen fälschlich Verurteilten, deren Unschuld dank DNA-Analyse bewiesen wurde; die internationalen Proteste; die immer langwierigeren Prüfungen, Berufungsverfahren und Urteilsrevisionen, die den Straf- und Vollstreckungsapparat zunehmend paralysieren (ein Todeskandidat wartet im Durchschnitt 15 Jahre auf seine Exekution); und schließlich die exorbitanten Kosten, die entstehen, wenn eine archaische Strafform unter modernen Umständen angewendet wird.

Ein Todesurteil kostet drei Mal so viel wie lebenslange Haft. All das macht die Todesstrafe immer unpopulärer. Laut Umfragen halten Polizisten sie für die am wenigsten effektive Strafe. 90 Prozent der Kriminologen glauben nicht, dass sie zur Abschreckung von Mord dient. 61 Prozent der Amerikaner befürworten sie noch, doch das ist die niedrigste Zahl seit 39 Jahren. New York, New Jersey, New Mexiko und Illinois haben in den letzten Jahren die Todesstrafe abgeschafft. Connecticut hat die Abschaffung als 17. Bundesstaat soeben beschlossen. Und Kalifornien, das im November ein Referendum darüber abhält, könnte folgen.

Die Gegner der Todesstrafe sind Realisten. Amnesty International und andere Gruppen schlagen in Kalifornien vor, die gesparten Millionen zur effektiveren Verbrechensbekämpfung zu verwenden. Statt lebenslange Haft zu verdammen, wirbt die ACLU auf ihrer Website dafür - als günstigere und praktikablere Alternative zur Hinrichtung. Nur mit diesen politisch neutralen Argumenten ist überhaupt auf eine Mehrheit gegen die Todesstrafe zu hoffen. Europäer mag das schockieren, doch irgendwie muss der Mentalitätswandel eben beginnen.

Niemand verkörpert diese Wende besser als Ron Briggs und Donald Heller. 1978 gehörten sie zu den führenden Verfechtern der Proposition 7, mit denen die Todesstrafe in Kalifornien wieder eingeführt wurde. 34 Jahre später kämpfen sie für deren Abschaffung. "Es war ein kolossaler Fehlschlag", sagt Heller. "Der Preis unseres Systems der Todesstrafe ist so gigantisch, dass jeder Nutzen den es haben könnte - und ich glaube, der Nutzen geht gegen Null - derart enorme Mittel verschlingt, dass es keinem Ziel mehr dient."

185 Millionen Dollar zahlt der Staat jedes Jahr für den Unterhalt seiner death row. "185 Millionen für Anwälte und Kriminelle!", klagt Briggs. Und obwohl 720 zum Tode Verurteilte in Kaliforniens Gefängnissen ihren Tod erwarten, wurden in den letzten 34 Jahren nur 13 exekutiert. "Es funktioniert einfach nicht", sagt Briggs. Außerdem, das will er nicht verschweigen, geht er seit einiger Zeit wieder in die Kirche.