Dank Migranten eine neue Form sozialen Selbstverständnisses: Erneuern illegalisierte Einwanderer die europäische Idee?
Am vergangenen Mittwoch hat sich das EU-Parlament auf eine einheitliche Richtlinie zur Abschiebung von Flüchtlingen geeinigt. Nach den neuen Regeln können Ausländer ohne gültige Aufenthaltserlaubnis künftig EU-weit für 18 Monate in Abschiebehaft genommen werden. Die "Rückführungsrichtlinie" sieht zudem vor, Abgeschobenen die Wiedereinreise nach Europa fünf Jahre lang zu verweigern. 18 Monate Haft! Nur dafür, dass man irgendwo sein Glück versucht hat.
Bild vergrößern
Indische Migranten im italienischen San Foca (© Foto: Reuters)
Anzeige
Europa ist längst der Einwanderungskontinent Nummer eins; nach Schätzungen der Polizeibehörde Europol reisen jährlich rund 500.0000 Menschen illegal in die Europäische Union ein. Allein in München leben 40.000 bis 50.000 Menschen ohne staatliche Erlaubnis. All diese Menschen wohnen irgendwo, brauchen Arbeit und ärztliche Versorgung.
Ihre Kinder gehen in die Schule, haben Freunde. Sie wenden viel Kraft und Geschick dafür auf, nicht gesehen zu werden. Vielleicht aber, so der Münchner Dramaturg und Autor Polle Wilbert, "sind sie ja Boten einer Zukunft, die unsere Realität aus Grenzen und Nationalstaatlichkeit in Frage stellt".
Abwehrschlacht an den Außengrenzen
Der Soziologe Ulrich Beck hat in einem Text aus dem Jahr 2005 zusammen mit Edgar Grande versucht, diesen "Kosmopolitismus von unten" als eine Erneuerungschance für das europäische Projekt zu lesen.
Da die Konzepte einer nationalen homogenen Kultur und Identität ohnehin passé seien, da sich außerdem "die politischen Energiereserven des europäischen Projekts erschöpft haben", könne man von Migranten eine neue Form sozialen Selbstverständnisses lernen. Das klingt ein wenig professoral. Wenn überhaupt, dann leben Illegale eine sehr graue Form des Kosmopolitismus, ein Leben in Stress und permanenter Angst, erwischt und abgeschoben zu werden.
"Eins hab' ich gelernt: Freiheit heißt immer Krise" - so drückt diese Lebensform in psychischer Atemnot einer der vielen unbekannten Sprecher in Polle Wilberts Theaterstück "Illegal" aus, das am Freitag an den Münchner Kammerspielen Premiere hat (siehe auch das Porträt auf dieser Seite).
Das Stück ist ein Beitrag zur 850-Jahrfeier der Stadt: München hat bislang deutschlandweit die liberalste Politik in Hinblick auf den Umgang mit Menschen ohne legalen Status.
So bekommen schwangere Frauen drei Monate vor und drei Monate nach der Geburt einen Duldungsstatus, sodass die Mutter wenigstens in der schwersten Zeit in halbwegs gesicherten Verhältnissen leben kann und das Kind eine Geburtsurkunde erhält. Außerdem können Kinder von Menschen ohne Papiere in der Schule angemeldet werden. Und der Stadtrat initiierte eine medizinische Anlaufstelle. Man kann die Stadt gar nicht genug loben für diese Ansätze einer vernünftigen Politik.
Denn während Illegalisierte in den Medien meist als Sexarbeiterinnen, moderne Sklaven und Asylbetrüger vorgeführt werden, während Migration vor allem als Drama, ja als Abwehrschlacht an den Außengrenzen der EU verhandelt wird, reisen die meisten Menschen, die hier im Geheimen leben, erst mal ganz legal ein, bleiben anschließend einfach hier und versuchen dann, sich eine möglichst normale, stille Existenz aufzubauen.
"Wir arbeiten. Wir wohnen. Wir wohnen in Wohnungen. Wir halten die Tür auf. Unsere Kinder wissen nichts. Wir essen. Wir trinken. Wir wohnen in Pasing. Wir wohnen in Laim. Wir wohnen am Hart", so der Chor in Wilberts Stück. Kurzum: Sie sind da. Und sie sind überall.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Migration: Festung Europa "Patras ist die Hölle für Flüchtlingskinder" 19.06.2008
- Migration EU verschärft Abschieberegeln 18.06.2008
- Asyl-Bewerber Ein Papier für die Papierlosen 17.06.2008
- UN-Flüchtlingsbericht 67 Millionen Menschen auf der Flucht 17.06.2008
- Einbürgerungstest Dipl.-Deutsche 11.06.2008
Szene München
Ich habe den Eindruck, dass die Unerwünschten dieser Erde nach Europa entsorgt werden - wie sonst liesse sich erklären dass tausende Euros an Schlepper gezahlt werden können von Leuten die beim Aufgegriffenwerden nichts als Fetzen auf dem Leib haben? Und bitte keine Antworten dass die ihr gesamtes Hab und Gut verscherbelt haben um nach Europa zu gelangen. MIT ihrem Hab und Gut hätten sie sich sicher im eigenen Land gut einrichten können!
Und auf welchen Wegen kommen die erwähnten schwangere Frauen denn nach Deutschland, um hier 6 Monate lang alimentiert zu werden "und das Kind eine Geburtsurkunde erhält" - gleich mit dem Recht auf wieviele Jahre Duldung/Unterhalt und so fort?
Gibt es in den Ländern ausserhalb der weissen Welt keine Geburtsurkunden? Unsere Beiträge zur Krankenversicherung sind so enorm hoch weil die medizinische Versorgung dieser Illegalen finanziert werden muss?
Und wenn diesen Leuten der legale der Zuzug nach Europa versagt wird dann "... sie auf unsere Gesetze" und kommen sowieso und erwarten selbstredend alle Annehmlichkeiten eines Sozialstaates.
Geld wächst am Baum!!
Gibt's jetzt schon Stammtische mit Internetzugang?
Wenn, dann ist die deutsche Sozialversicherung am CDU/CSU-Finanzierungsamok der Einheit krepiert. Allein was wir an Zinsen jährlich dafür aufbringen würde reichen 8 Mio Menschen vollständig auf Mindestniveau zu versorgen. Man könnte also sagen, daß die Unionsparteien sozusagen 8 Mio virtuelle Migranten, die keinen Handschlag tun wollen dauerhaft ins Land geholt hat. Schon mal ein Dankschreiben an die Union geschickt deshalb?
"Vorort helfen ja ..."
Machen wir doch schon. Durch subventionierte EU-Lebenmittel, die ganze Wirtschaftszweige in den Entwicklungsländern platt machen? Oder durch Importzölle? Oder durch "Militärhilfe".
Zwei Weizen und zwei Obstler noch.
die ausschliesslich nach Deutschland kommen wegen unserem UNLIMITIERTEN (!) Gratiskrankenversicherung, Gratiswohnung und 370 Euro AUF LEBENSZEIT(!) und keiner der Politiker/Gesetzgeber tut irgendwas dagegen aus lauter "political correctness"!
ALLE anderen Einwanderungsländer sind da wesentlich restriktiver und selektiver, WEN sie reinlassen bzw. drinnen lassen und vor allem gibts NIRGENDS sonst UNBEGRENZT Sozialhilfe! (OHNE jede Gegenleistung!)
Die GEBILTETEN arbeitswilligen Ausländer zogen und ziehen doch noch NIE nach D, sondern gleich nach USA oder andere Länder OHNE Sozialrundumsorglospaket°
Dafür aber auch die GEWALTKRIMINALITÄT in nullkommanix nach UNTEN!
ZITAT: "...
Profil ansehen 20.06.2008 15:10:27
nebenbei_gesagt: ...
aber naja, vielleicht sollten wir das doch mal 4 wochen lang testen. Grenzen zu. ich wette das würde für einige sehr ernüchternd ausfallen. unser ganzes wirtschaften basiert doch auf der idee der offenen grenzen. die arbeitslosigkeit würde sicher in null komma nix in die höhe schießen.
@hanfsmoke: Das ist Ihnen so beim Hanf smoken eingefallen stimmts? Ziehen Sie doch einfach nach Venezuela und nagen da am Hungertuch.... scheint mehr Ihre Welt zu sein.
@nebenbei_gesagt: Sagt ja keiner offen, aber unsere lieben Zuwanderer kosten soviel Geld das mann damit noch ganz andere Sachen kaufen könnte als nur "Selbstschußanlagen". übrigens eine blöde Idee.
z.B. eIn Arzt meines Vertrauens behandelt 60% Asylanten da die eine deutlich bessere Medizinische Betreuung bezahlt bekommen als ich Arbeiter. Haben sie sich noch nie gefragt warum Asylanten nach 1 Jahre bessere Zähne haben als der durchschnittliche Deutsche? Fakt
@Aus Haching: Gute Fragen die dann andere beantworten sollen. Die die diesen Zuzug fordern´, wollen doch nur einfach "nett" sein und uns Gegner böse finden...
Vorort helfen ja. Alle hierher nein.
Paging