sueddeutsche.de: Warum schneidet die SPD eigentlich in den Umfragen ihres Hauses regelmäßig schlechter ab als in allen anderen Umfragen?

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Güllner zu SPD-Chef Beck: "Wenn er ein bisschen Größe hätte, würde er die Konsequenzen ziehen" (© Foto: ddp)

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Güllner: Das stimmt so nicht. Vor allem nicht, wenn man das über die Jahre vergleicht.

sueddeutsche.de: Aktuell ist das augenscheinlich.

Güllner: Die SPD behauptet das gerne. Ich sehe dafür keine Anhaltspunkte. Bei uns kommt die SPD derzeit auf 22 Prozent. Andere führen sie mit 23 Prozent. Ich kann nicht erkennen, wo da die großen Unterschiede liegen sollen. Die CDU-Werte klaffen viel weiter auseinander.

sueddeutsche.de: Bleiben wir bei der Union. Die hat ähnliche Probleme wie die SPD nur auf etwas höherem Niveau. Haben wir es vielleicht doch mit einer allgemeinen Parteienkrise zu tun?

Güllner: Das ist Unfug. Die Leute sind weder politik-, noch staats-, noch demokratieverdrossen. Sie erkennen an, dass es Parteien geben muss. Was sie abschreckt ist die Art und Weise, wie die politischen Akteure Politik machen. Die taktischen Spielchen, die Blockadepolitik.

sueddeutsche.de: Also hilft doch nur die viel gepriesene Geschlossenheit?

Güllner: Die Leute wollen, dass sich Politiker über Sachfragen auseinandersetzen. Sie ertragen nur den gespielten Streit um des Streites willen nicht mehr. Nehmen Sie die Gesundheitsreform. Die hat doch bis heute kein Mensch verstanden. Und schon gar nicht den Streit, den es darum gibt. Da haben die Menschen doch nicht Unrecht. Man kann sie nicht dafür beschimpfen, wenn die Politik Murks macht.

sueddeutsche.de: Nur, dass die Union dabei immer noch besser wegkommt als die SPD.

Güllner: Man darf dabei nicht übersehen, dass auch die CDU erheblich an Vertrauen einbüßt. Helmut Kohl, der immer noch als größter Wahlkämpfer aller Zeiten gefeiert wird, hat seit dem Wahlsieg 1983 bis zur Bundestagswahl 1998 die Wählersubstanz der Union um ein Drittel reduziert. Und seit 1998 hat die CDU bis heute nichts hinzugewonnen.

sueddeutsche.de: Wo sind die Wähler alle hin?

Güllner: Sie suchen ihr Glück bei den kleinen Parteien oder gehen gar nicht wählen. Das führt zu dieser Zerfransung des Parteiensystems, wie wir es derzeit beobachten können. Bei den vergangenen Landtagswahlen hat ein Viertel bürgerlich gewählt, ein Viertel links, aber die Hälfte ist gar nicht zur Wahl gegangen. Das ist das eigentliche Problem.

sueddeutsche.de: Sind sie eigentlich noch SPD-Mitglied?

Güllner: Das ist kein Geheimnis.

sueddeutsche.de: Sie hätten ja inzwischen ausgetreten sein können. Haben sie noch Hoffnung für ihre Partei zur Bundestagswahl 2009?

Güllner: Für 2009 ist die Ausgangslage extrem schlecht. Da ist die Hoffnung sehr gering. Aber man weiß nie, was noch alles passiert und ob sich eine SPD ohne Beck wieder erholt. Viel wichtiger aber ist die Frage, was passiert nach 2009? Schafft die SPD einen Neuanfang, einen Wiederaufbau? Darauf bin ich sehr gespannt.

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(sueddeutsche.de/cmat/aho)