Markus Söder Der Kandidat

Mit 27 wurde er Landtagsabgeordneter, mit 36 Generalsekretär der CSU. Und seit es mit Monika Hohlmeier bergab geht, gilt er als Kronprinz Edmund Stoibers. Wie man in der bayerischen Staatspartei ganz nach oben kommt - eine Anleitung in zehn Schritten. Am Beispiel von Markus Söder.

Von Von Jan Heidtmann

I. Lehrjahre sind keine Herrenjahre

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch gründete mit 14 seinen eigenen Ortsverband der Jungen Union (JU). Das ist nicht zwingend, um in der Politik Karriere zu machen. Aber beginnen Sie früh, so wie Markus Söder: Mit 16 kann man Mitglied bei der CSU werden, er trat wenige Tage nach seinem Geburtstag ein.

Wirklichen Erfolg haben nur Genies - davon gibt es auch in der Politik wenige. Oder die Hundertprozentigen - hier liegt Ihre Chance. Es geht jetzt darum, das politische Geschäft von der Pike auf kennen zu lernen, die Instinkte zu schärfen, den Unterschied zu verstehen zwischen Menschen, die einem nützen, und denen, die das nicht tun. Letztere sollte man schnell vergessen.

Es geht um das Spargelstechen der Politik, um all das, was andere nicht machen wollen: Werden Bratwürste für das JU-Grillfest benötigt - besorgen Sie welche. Fehlt beim JU-Fußballspiel jemand im Tor - stellen Sie sich rein. Seien Sie immer da, wenn andere kneifen: beim Kleben von Wahlkampfplakaten, am Infostand, selbst wenn es schneit. Als Politiklehrling muss man Knecht sein können, Ehrgeiz und Engagement sind vorerst Ihr einziges Kapital.

Die Schulkameraden schlagen sich jetzt vielleicht erstmals die Nächte um die Ohren, trinken Alkohol und hören Musik. Es sind die Verlierer von morgen. Sie dagegen sind bei jedem Treffen des JU-Ortsverbands dabei. Dann dürfen Sie auch einmal an einer Vorstandssitzung teilnehmen.

Folgen Sie Söders Beispiel, suchen Sie sich möglichst früh einen Mentor. Er sollte einen guten Posten und eine viel versprechende Zukunft haben. Ein, zwei Jahre - länger dürfte es dann nicht dauern, bis Sie den Ortsverband übernehmen. Die Bratwürste holt nun ein anderer.

Sie können stattdessen zum ersten Mal Politik machen, zum Beispiel die Begrünung eines Platzes in Ihrer Nachbarschaft fordern. Was Sie jetzt lernen, funktioniert im Ortsverband genauso wie im Kanzleramt: Leute umwerben, Kontakte knüpfen, Einfluss gewinnen, eine kleine Intrige spinnen. Wenn die Schulkameraden anschließend erzählen, Sie wollten schon mit 17 Ministerpräsident werden, wenn die Lehrer "jegliche soziale Fähigkeiten" bei Ihnen vermissen - dann sind Sie auf einem guten Weg.

II. Brutus war ein guter Mann

Sie haben Erfahrungen in der Politik gesammelt und ein ausgeprägtes Gespür für Macht entwickelt. Markus Söder war 24, als es ihn in die erste Reihe drängte, in den Bezirksvorsitz der Jungen Union. Doch es gab ein Problem: Dort regierte sein Mentor Peter Dilling. In solchen Fällen gilt es, die dunkle Seite der politischen Arbeit kennen zu lernen. Sie müssen ein erstes Mal Brutus sein.

Planen Sie Ihre Intrige mit Umsicht, ein, zwei Jahre vor der nächsten Wahl zum Bezirksvorsitz: Sie wissen am besten um die Schwächen Ihres Freundes und Förderers; sorgen Sie dafür, dass diese auch in der Jungen Union bekannt werden. Bauen Sie Ihren Einfluss aus, indem Sie wichtigen Funktionären Posten versprechen, falls Sie gewählt werden.

Denn politische Organisationen, das müssen Sie verstehen, funktionieren wie das Schneeballsystem eines Versicherungsvertriebs: Um in der Hierarchiepyramide selbst aufzurücken, braucht man immer neue Leute, die einen von unten stützen.

Abends sollte das Telefon Ihr bester Freund sein: Irgendwo wartet immer die Frau eines mächtigen Parteimitglieds, bei der man sich einschmeicheln kann. Es wird erzählt, dass Söder so den Nürnberger Oberbürgermeister Ludwig Scholz für sich gewonnen hat. Geben Sie sich Ihrem Mentor niemals als sein Feind zu erkennen. Denn ohne die Fähigkeit, Vertrauen auch auszunutzen, kommen Sie nun nicht mehr weiter. Sentimentalität ist der Mühlstein um den Hals eines erfolgreichen Politikers.

Was hatte der CSU-Politiker Peter Gauweiler noch über den jungen Edmund Stoiber gesagt? "Stoiber kennt sich mit den ganzen parteiinternen Machtstrukturen bestens aus... Ihm fehlt das Öl der Liebe. Wir kommen da aus verschiedenen Denkschulen. Mir geht es um die Sache, ihm eher um die Taktik." Und wo steht Peter Gauweiler jetzt? Und wo Edmund Stoiber?