Das Treffen zwischen Hessens SPD-Chefin Ypsilanti und der Linkspartei ist nicht im Sinne der neuen Parteiführung in Berlin. Dennoch wird sie Ypsilanti nolens volens freie Bahn lassen.
In der SPD geht es zu wie in der Dreigroschenoper. Ypsilanti spielt die Polly, Lafontaine ist Mackie Messer, Müntefering und Steinmeier teilen sich die Rolle des Bettlerkönigs Peachum.
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Traf sich mit der hessischen Linken: SPD-Landeschefin Ypsilanti. (© Foto: Reuters)
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Im Theater ist es so, dass Peachums Tochter Polly sich mit Mackie herumtreibt, zum Ärger der Eltern und dann gar noch das Äußerste wagt: Sie heiratet Mackie in einem Pferdestall.
In der SPD ist es noch nicht ganz so schlimm: Ypsilanti traf sich mit den hessischen Linken in der SPD-Landesgeschäftsstelle zu Wiesbaden - um über die Tolerierung einer rot-grünen Landesregierung zu reden. Das ist nicht im Sinn der neuen Parteiführung. Aber die wird sich hüten, das sehr laut zu sagen: Die Verhältnisse, sie sind nicht so.
Erstens haben Müntefering und Steinmeier auf den Gang der hessischen Dinge kaum Einfluss. Würden sie ihn zu nehmen versuchen, hätten sie den ersten Großstreit am Hals, stünden sie in ihrer Partei da als die Exekutoren der Forderungen von Union und FDP. Vorderhand können die beiden noch so tun, als hätten sie mit den hessischen Dingen nicht so viel zu tun, weil die ihnen von Beck eingebrockt worden seien. Das stimmt zwar nicht, ist aber eine bequeme Ausrede.
Wenn Müntefering und Steinmeier vorerst gute Miene zum hessischen Spiel machen, gelingt es ihnen aber womöglich, das Grundmisstrauen der Parteilinken und eines nicht unerheblichen Teils der Parteibasis ein wenig abzubauen. Das heißt: Mit etwas Nachgiebigkeit werden die beiden stärker.
Sie werden also in die Agenda ein paar Tropfen soziales Öl träufeln; und sie werden nolens volens Andrea Ypsilanti freie Bahn lassen. Scheitert sie, ist es der neuen Parteiführung sehr recht. Gewinnt sie, dann kommt die SPD-Führung ohne eine plausible Erklärung des Verhältnisses der Bundes-SPD zur Linkspartei nicht aus.
Kein Mensch kann vernünftig erklären, warum das, was im Osten möglich ist (nämlich Koalitionen der SPD mit den Linken), im Westen des Teufels sein soll. Und es ist auch nicht ganz einfach darzustellen, warum das, was unter Wowereit im Roten Rathaus zu Berlin als rot-rote Koalition Alltag ist, als Todsünde einzustufen ist, wenn es ein paar hundert Meter weiter im Bundestag praktiziert würde. Mit Koalitionen ist es so wie mit der Lüge: Wer einmal koaliert... Die Union hat schon recht, wenn sie immer wieder auf die Widersprüchlichkeiten verweist.
Wie also wird sich die neue Parteiführung dazu erklären? Die einzige halbwegs nachvollziehbare Darlegung wird wohl diese sein: Solange die Linkspartei außenpolitisch weit, weit jenseits des Rubikons agiert, solange sie aus der Nato austreten will (etc., etc.), ist eine Koalition auf Bundesebene ausgeschlossen. In politischen Zeiträumen wird es ewig dauern, bis sich in der Linkspartei etwas ändert, also kommt ein Bündnis auf Bundesebene de facto nicht in Betracht.
Bei Brecht wird Mackie Messer im dritten Akt begnadigt und in den Adelsstand erhoben. In der Politik geschieht so etwas allenfalls im Saarland.
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(SZ vom 10.09.2008/dmo)
Führungsstreit der Linken
nur nicht gegen die NATO sein, dabei ist diese Geldvernichtungsmaschine aktuell unser Untergang. Jetzt brauchen wir jeden Cent für die Banken!!!
Im übrigen wurde keine Partei in Deutschland so überwacht und durchleuchtet wie die PDS / heutige Linke.
Also man kann schon davon ausgehen, daß die Partei durchaus parlaments und demokratiefähig sein dürfte.
Und man muß es leider deutlich sagen: Gemessen an der heutigen, in Wirklichkeit durch und durch neoliberalen und korrumpierten SPD ist die Linke heute die einzige Partei in Deutschland, die das Prädikat "sozialdemokratisch" zu Recht beanspruchen darf.
Die SPD hingegen ist nur noch eine äußerlich rot gefärbte Hülle, die inhaltlich irgendwo zwischen CDU und FDP diffundiert.
Um dem geschichtsvergessenen Prantl die Erinnerung aufzufrischen: Im Westen dieses Landes gehörte es bislang zum Konsens aller Demokraten, sich nicht mit den Kommunisten einzulassen. Besonders großen Wert legte darauf bspw. Kurt Schumacher. Wenn die Hessen-SPD nun exakt ein solches Bündnis ins Werk setzt, noch dazu entgegen der dezidierten Wahlkampfaussage, ist dies seit Gründung der Bundesrepublik das erste Mal, dass eine Regierung in den Alten Bundesländern vom Wohlwollen der Kommunisten abhängig ist.
Es geht hier auch um ein Stück zeitgeschichtlicher Kultur und zwar in einer spezifisch westdeutschen Ausprägung, die insbesondere auch die Geschichte der SPD selbst betrifft. Es existiert eben zwischen den alten und den neuen Bundesländern eine kulturelle Schranke mit Blick auf den Umgang mit totalitären Formationen. Auch der Westen hat in der neuen Bundesrepublik einen Anspruch auf autochtone Geschichtstraditionen. Und eine davon besagt eben, dass Bündisse mit den Kommunisten "Teufelszeug" sind, weil sie den demokratischen Konsens in unserer Gesellschaft gefährden können. Im Osten dieser Republik ist man im Umgang mit den Rechts- und den Linksradikalen eben liederlicher ist als im Westen. Einen solchen Zustand der politischen Verwahrlosung muss man deshalb noch lange nicht auf den Westen der Bundesrepublik ausdehnen.
Analys ist genauso treffend wie sie fatal für die SPD ist. Ein Bekenntnis zu einer möglichen (wenn auch nicht als vorrangiges Ziel) Koalition mit der Linken wird dazu führen, dass am linken Rand das Original gewählt wird und in der Mitte Wähler abgeschreckt werden. Das ist auch der Grund, warum sich Ypsilanti vor dem Souverän fürchtet und Neuwahlen scheut wie der Teufel das Weihwasser. Leider hat es die SPD verpasst, ihrer Klientel auf die von der Linken gestellten Fragen, die dort großen Anklang finden, selbstbewusste, eigene, in sozialdemokratischer, nicht populistisch sozialistischer Tradition stehende Antworten zu geben.
[Zur SPD-Wahl]
"Es is so ein beruhjendes Jefiehl. Man tut wat for de Revolutzjon, aber man weeß janz jenau: mit diese Pachtei kommt se nich."
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