Eklat um Hans-Adam II.: In einem Brief an das Jüdische Museum in Berlin hat der Fürst Deutschland als "Viertes Reich" bezeichnet. Der Zentralrat der Juden ist entsetzt.
Der Fürst von Liechtenstein, Hans-Adam II., hat Deutschland scharf angegriffen und von einem "Vierten Reich" gesprochen. Liechtenstein habe in den letzten 200 Jahren schon "drei Deutsche Reiche" überlebt. Es hoffe, auch noch das vierte Reich zu überleben, schrieb der Fürst in einem Brief an den Präsidenten des Jüdischen Museums Berlin, Michael Blumenthal. Das berichtet der Tages-Anzeiger aus Zürich. Blumenthal, der 1939 vor den Nationalsozialisten aus Berlin flüchten musste, möchte sich laut Tages-Anzeiger bislang nicht äußern.
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Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein während einer Ansprache im Parlament in Vaduz - hinter ihm die Statue von Fürst Johann II. (Archivfoto vom 13.02.2003) (© Foto: AP)
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Mit seinem Schreiben, das auf den 24. Juni datiert ist, habe der Fürst begründet, warum Liechtenstein keine Leihgaben mehr aus der eigenen Kunstsammlung nach Deutschland bringe. Liechtenstein wolle seine Kunstwerke nicht dem Risiko einer selektiven Anwendung des Rechtsstaats in der Bundesrepublik Deutschland aussetzen, schreibt der Fürst in seinem Brief. Das Jüdische Museum hatte sich für eine Ausstellung zum Thema "Raub und Restitution" für ein Gemälde aus der fürstlichen Sammlung interessiert.
Die Bundesrepublik Deutschland sei in ihren Beziehungen zum Fürstentum Liechtenstein je länger desto weniger geneigt, sich an den Grundprinzipien des internationalen Völkerrechts zu orientieren. Der Fürst verwies auf die Weigerung Deutschlands, ein Gemälde zu beschlagnahmen und herauszugeben, das nach dem Zweiten Weltkrieg in der damaligen Tschechoslowakei konfisziert worden war.
Die Beziehungen zwischen Deutschland und Liechtenstein hätten in den vergangenen 200 Jahren einer Berg- und Talfahrt geglichen. Mit dem zweiten Deutschen Reich befinde sich Liechtenstein noch immer im Kriegszustand, da dieses untergegangen sei, bevor es mit dem Fürstentum habe Frieden schließen können, heißt es in dem Brief laut Tages-Anzeiger weiter.
Dies ist jedoch nach Recherche von sueddeutsche.de bei Liechtensteinischen Geschichtswissenschaftlern faktisch nicht richtig: Das Fürstentum fühlte sich während des Preußisch-Österreichischen Krieges - des Deutschen Krieges von 1866 - zwar dem Kaisertum Österreich verbunden, verhielt sich aber im Krieg mit Preußen neutral. Die Legende, dass man sich mit Preußen - das erst fünf Jahre später die Führungsrolle im vom Hans-Adam II. wohl gemeinten und nach dem Ersten Weltkrieg 1918 "untergegangenen" zweiten Deutschen Kaiserreich übernahm - noch immer im Krieg befände, weil man im Prager Friedensvertrag nicht erwähnt sei, wird jedoch weiterhin gerne im "Ländle" kolportiert.
Das Dritte Reich, die Zeit der nationalsozialistischen Regierung zwischen 1933 und 1945, sei Gott sei Dank untergegangen, bevor es seine Drohung habe in die Tat umsetzen können, das Fürstentum Liechtenstein anzuschließen. Was die Beziehungen zu Deutschland angehe, warte das Füstentum auf bessere Zeiten.
Für großen Unmut hatte vor wenigen Monaten in Liechtenstein die deutsche Steuerfahndung im Fürstentum gesorgt. Dabei kaufe der Bundesnachrichtendienst einem ehemaligen Angestellten der dem Liechtensteiner Fürstenhaus gehörenden LGT-Bankengruppe vertrauliche Kundendaten ab. Diese werden nun in Deutschland für Verfahren gegen Steuerhinterzieher verwendet, die ihr Vermögen in Liechtenstein vor dem Finanzamt verstecken wollten.
Diplomatische Antwort aus dem Außenministerium
Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte im Gespräch mit sueddeutsche.de zu den Vorwürfen im fürstlichen Schreiben: "Die Bundesrepublik Deutschland respektiert das Völkerrecht und internationale Rechtsnormen - selbstverständlich auch in Bezug auf Liechtenstein. Die bilateralen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern sind eng und gut nachbarschaftlich."
Deutlicher äußerte sich Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, im Gespräch mit der Schweizer Zeitung. "Die Aussage des Fürsten ist völlig abwegig." Korn sagte, er verstehe zwar, dass der Fürst wegen der Methoden der deutschen Steuerfahnder ungehalten sei. Doch dieser Ärger berechtige Hans-Adam II. noch lange nicht zu solchen Aussagen.
Zentralrat der Juden fordert Entschuldigung
Korn wird mit den Worten zitiert: "Der Fürst verharmlost die Verbrechen der Nationalsozialisten, indem er die Bundesrepublik in eine Reihe mit dem Dritten Reich stellt." Der Zentralrat erwarte vom Hans-Adam II. eine Entschuldigung beim Direktor des Jüdischen Museums, der im übrigen der falsche Ansprechpartner sei.
Die Äußerung des Fürsten ist nicht die erste, die für Diskussionen sorgt. Hans-Adam II. hatte sich im Frühjahr beim Staatssender Radio Liechtenstein über "einen gezielten und sorgfältigst vorbereiteten Angriff" des deutschen Geheimdienstes auf sein Land beklagt.
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(sueddeutsche.de/AP/dpa/mati/cat)
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Der Fürst scheint in seiner Darstellung völlig vergessen zu haben, dass Liechtenstein vom Dritten Reich erheblich profitiert hat. Die heutige Industrie in Liechtenstein ist auf den wirtschaftlichen Aufschwung zurückzuführen, den das Dritte Reich dem Fürstentum beschert hatte. Dass die Nazis in Liechtenstein einmarschieren wollten, hat keinen geschichtlichen Hintergrund, einzig den, dass viele Kräfte in Liechtenstein den Anschluss wollten und das Fürstenhaus alle Mühe hatte, dies zu verhindern.
Seine Durchlaucht scheint auch zu vergessen, dass in Liechtenstein das Geld der Juden (wie auch der Nazis) willkommen war, nicht aber die Juden selbst. So hält sich hartnäckig die hinter vorgehaltener Hand von älteren Mitbürgern erzählte Geschichte, dass ein jüdisches Ehepaar sich in Malbun, ein Hochtal in Liechtenstein, versteckt hatte und dass prominente Liechtensteiner diese Juden verrieten und die Auslieferung an die Nazis betrieben. Das Geld des jüdischen Ehepaars blieb in Liechtenstein, die Spur des Ehepaars verliert sich in den Konzentratikonslagern.
Dass nun Christian Waigel, der Sohn des früheren Finanzministers, Honorar-Konsul von Liechtenstein in Deutschland werden will, um das Image des Fürstentums aufzupolieren, wirft die Frage auf: hat er das denn nötig?
Theo Waigel hat unter Helmut Kohl als Finanzminister gedient. Helmut Kohl ist ein enger Freund des skandalumwitterten Herbert Batliner, Liechtenstein. Helmut Kohl und die CDU und Herbert Batliner haben eines gemeinsam: sie alle waren dabei beim Skandal um die Schwarzen Kassen der CDU in Liechtenstein. Konnte Liechtenstein deshalb im letzten Jahrzehnt so sehr zulegen, weil es von der Regierung Kohl beschützt oder gar gefördert wurde? Gegner des Steuerparadieses im Land Liechtenstein selbst, haben sich immer wieder gewundert, wie tolerant die Deutschen Behörden im Umgang mit Liechtenstein waren und - trotz des Geschreis - immer noch sind. Und jetzt will Christian Waigel das Image eines Landes aufpolieren helfen, das den Deutschen Steuerzahler wenigstens 30 Milliarden Euro jedes Jahr kostet, weil es die Steuerflucht begünstigt und sogar dazu einlädt: überall in Deutschen Städten halten Abgesandte von Liechtensteiner Treuhandbüros Vorträge über die verlockenden Vorteile der Liechtensteinischen Stiftungen. Welcher anständige Deutsche Bürger möchte sich wirklich von einem solchen Staat zum Honorar-Konsul ernennen lassen?
Auf Spiegel.de war eine Behauptung zu lesen, wonach Hans Adam II. der Veröffentlichung angeblich "zustimmte", indem er angeblich anpfohlen haben soll, anstatt der Leihgabe, seinen Brief aufzuhängen. Nachfragen bei Spiegel blieben unbeantwortet. So darf man sich wohl "wahrheitsgemässe" Berichterstattung vorstellen - und die Verdreherei dazu so manchen Lesers erstaunt dann auch nicht mehr.
Link weiß ich nicht. War auf spiegel.de zu lesen zu diesem Thema.
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Für diese Pein gibt es ein ganz schlichtes Mittel, statt an die Meinungsfreiheit zu gehen: einfach nicht mitlesen.
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