Lampedusa Italien räumt Flüchtlingslager

Nackt, in der winterlichen Kälte: Ein Handy-Video offenbart die Verhältnisse im Auffanglager für Bootsflüchtlinge auf Lampedusa.

Nackt mit Desinfektionsmittel abgespritzt, auf kleinstem Raum zusammengepfercht: Ein heimlich gedrehtes Handy-Video zeigt, wie Flüchtlinge im Lager auf der italienischen Insel Lampedusa hausen müssen. An Heiligabend haben die Behörden nach Protesten mit der Räumung des Camps begonnen. Die meisten der Insassen werden ausgeflogen. 17 Flüchtlinge müssen aber in Lampedusa bleiben.

Das Flüchtlingslager auf der Insel Lampedusa wird geräumt. 169 Flüchtlinge sollen italienischen Medienberichten zufolge an Heiligabend nach Rom und Palermo ausgeflogen werden. 17 Flüchtlinge müssen im Lager bleiben, sie sollen noch identifiziert und von den Justizbehörden vernommen werden. Sieben dieser verbliebenen Flüchtlinge sind Überlebende des Schiffsunglücks vom 3. Oktober, bei dem 366 Menschen ums Leben kamen. Die restlichen zehn überlebten, als wenige Tage später wieder ein Flüchtlingsboot kenterte.

Der Beschluss, das Lager zu räumen, geht vermutlich auf eine Protestaktion des marokkanisch-stämmigen Abgeordneten Khalid Chaouki zurück. Der Politiker der italienischen Sozialdemokraten war aus Solidarität und Protest in das Camp auf Lampedusa eingezogen, um auf die menschenunwürdigen Zustände dort aufmerksam zu machen.

Ein Video, das von einem Flüchtling mit dem Handy gedreht worden war, hatte zuvor ganz Italien schockiert. Bilder des Films in italienischen Medien zeigen, wie sich Migranten in dem Zentrum reihenweise im Freien nackt an einer Wand aufstellen müssen, um dann in der winterlichen Kälte - angeblich aus hygienischen Gründen - mit einem Desinfektionsmittel abgespritzt zu werden.

Zugenähte Münder

Missstände in dem zumeist überfüllten Aufnahmelager auf der kleinen Insel zwischen Tunesien und Italien sorgten bereits mehrfach für negative Schlagzeilen. In Rom prangerte Italiens Regierungschef Enrico Letta die "schlimmen Bilder" von Lampedusa an. Fehlverhalten werde bestraft, kündigte Innenminister Angelino Alfano an. Die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini, macht das Innenministerium in Rom für die Situation verantwortlich und spricht von "KZ-ähnlicher" Behandlung.

Der Protest hält an Weihnachten auch in anderen Flüchtlings-Einrichtungen des Landes an. In einem Abschiebe-Lager in der Nähe des Flughafens von Rom nähten sich laut der Nachrichtenseite GlobalPost neun Flüchtlinge den Mund zu, 37 weitere sind in einen Hungerstreik getreten.

Massive Flüchtlingswellen aus Afrika und dem Nahen Osten sorgen immer wieder für Chaos auf der Insel, oft sind dann 1000 oder mehr Migranten in dem Zentrum auf Lampedusa untergebracht, das nur für 250 geeignet ist.