Schon dieser Vertrag war auf den vorangegangenen Schock bestenfalls eine Antwort mit aufschiebender Wirkung. In Frankreich und den Niederlanden war der Ratifizierungsprozess zu Ende gegangen, noch bevor er die Sollbruchstelle Großbritannien erreicht hatte. Jetzt ist die Verlegenheit noch größer. Business as usual? Oder soll man sich doch der Einsicht stellen, dass die europäische Einigung, wenn sie weitergehen soll, auf einen anderen, einen bürgernahen Politikmodus umgestellt werden muss?
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Bis zum Gipfel in Nizza ist dieser Prozess, befördert durch die wirtschaftsliberalen Antriebe, als ein Eliteprojekt über die Köpfe der Bevölkerung hinweg betrieben worden. Seitdem werden die Erfolge der wirtschaftlichen Dynamik zunehmend als Nullsummenspiel wahrgenommen. Es gibt quer durch alle Gesellschaften hindurch immer mehr Verlierer.
Begründete soziale Ängste und kurzsichtige Angstreflexe mögen die labile Stimmung erklären. Aber ungelöste Probleme sind ernster zu nehmen als Stimmungslagen, auf die politische Parteien, wenn sie nur überzeugende Perspektiven anbieten, mit Interpretationen Einfluss nehmen können.
Die gescheiterten Referenden sind ein Signal dafür, dass die europäische Einigung dank ihrer eigenen Erfolge an Grenzen stößt. Diese können nur überwunden werden, wenn die europafreundlichen Eliten sich nicht länger auf die Vorzüge des Repräsentationsprinzips herausreden und ihre Berührungsängste abstreifen.
Die Schere zwischen den nach Brüssel und Straßburg verlagerten politischen Entscheidungsbefugnissen auf der einen und den in den Nationalstaaten verbliebenen demokratischen Beteiligungschancen auf der anderen Seite hat sich zu weit geöffnet.
Verlorengegangene Gestaltungskompetenzen zurückgewinnen
Das ist umso misslicher, als die Kompetenzen zwischen der nationalstaatlichen und der zentralen Ebene ungleichgewichtig verteilt sind. Die sozialpolitischen und kulturellen Nebenwirkungen der erwünschten und europaweit durchgesetzten Marktfreiheiten werden auf Nationalstaaten abgewälzt, denen der Zugriff auf die Entstehungsbedingungen dieser externen Kosten verwehrt ist.
Die Politik könnte also verlorengegangene Gestaltungskompetenzen nur auf der europäischen Ebene zurückgewinnen. Erst dann könnten des einstigen EG-Präsidenten Jacques Delors' verblasste Vorstellungen eines "sozialen Europa" zum Gegenstand eines folgenreichen politischen Streites werden.
Im nächsten Teil verdeckt das pikierte Schweigen der Regierungen den Zielkonflikt, der der europäischen Einigung Perspektive und Ansteckungskraft raubt.
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Protest gegen dritte Startbahn
wären Sie ein Philosoph geblieben, hochverehrter Autor. Sicher doch - ein grandioser Artikel, der den ach so verderbten Politikern ("zynischen Machern" J.H.) die Verfehlungen von "Duodezfürsten" (J.H.) ins Stammbuch schreibt und (ganz nebenbei, immer noch auf der Suche nach dem kritischen Volk) den Applaus des Marktplatzes herbeisehnt. Hier schmettern die Clairons der bürgerlichen Revolution gegen den "Paternalismus", hier wird dem muhenden Stimmvieh Artikulation verliehen, auf daß es endlich einen "bürgernahen" Politikmodus herbeiführe. Weg mit den Vorzügen des Repräsentationsprinzips, her mit den Referenden - europaweit ein Hauch von Jakobinertum. Das kann doch nicht Ihr Ernst sein! Bonaparte wäre heutzutage die umjubelte Speerspitze des Populoskarismus. Nein zu sagen, bedarf es wenig - und was dann? Die Regierungen sind mit ihrem Latein am Ende?! Gewiß, und Sie nehmen ihnen noch die Grammatiken. Können denn die Völker Europas überhaupt Latein - wollen sie nicht lieber ihr altvertrautes Regionalidiom weiter schwätzen? "Politisch erfolgreiches Kerneuropa" - nur die wenigen Alt-Weisen sollen es also richten, mit "verlorengegangenen Gestaltungskompetenzen". Sie sind mir aber ein schöner Vertreter der Égalité - offenbar meinen Sie auch Bevölkerungen verschiedener Wertigkeit (dafür werden sich Iren, Letten und Rumänen aber bedanken). Ein "handlungsfähiges Europa" (also das der vermüffelten Karolinger de Gaulle und Adenauer) müßte "sein Gewicht für eine völkerrechtliche und politische Zähmung der internationalen Gemeinschaft in die Waagschale werfen". Das wäre wohl das gleiche wie 'am ... Wesen soll die Welt genesen'. Hochmütiger Westeuropa-Zentrismus - zuviel ex Occidente lux.
Und noch etwas - Sie sollten sich Ihre beifälligen Mitstreiter hier im Blog genau anschauen: "Bestehende Politikerkaste weitgehend austauschen" (User-Kommentar) - da schaut der teuflische Fuchs um die Ecke! Wer so redet, vergißt, daß das Volk seine Sarkozy, Berlusconi, Merkel an die Spitze gewählt hat - es hat sie also auch verdient. Wollen wir wirklich Europa unaufgeklärten Betonköpfen an der Basis überlassen? Dann doch lieber den abgeklärten Steinmeier.
und ein paar Wogen gegllättet. Ist zwar nicht zu unterschätzen aber das war's dann auch schon. Die Drehtür-EU ist sicherlich nur als erster Diskussionseinstieg zu werten... Die Konsequenzen - Rückzug aus den Entscheidungsgremien, Status Schweiz und Norwegen, müssten schon deutlich sein. Dann sind Länder wie Irland vor eine wirkliche Alternative gestellt.
Wenn man den EU-Mitgliedstaaten die Möglichkeit in die Hände geben würde, ZEITWEISE aus BESTIMMTEN TEILEN des Staatenbundes auszutreten wäre das eine ernstzunehmende Schwächung des - von Jürgen Habermas herausgestellten - politischen Gewichts Europas. Denn die eigentliche Intention dieser Maßnahme, die Homogenisierung und damit die Stärkung des weltpolitischen Auftritts der Europäer, würde obsolet, wenn es sich sowieso nicht um alle europäischen Staaten hielte.
Diejenigen, die in kontroversen Fragen einfach "den Schwanz einziehen" und sich für bestimmte Zeit aus Teilen der EU zurückziehen, hätten hierdurch keinen Nachteil - keinen letzten Kitt zur Gemeinschaft - würden aber die Legitimation von Entscheidungen der EU entscheidend beschädigen.
Jürgen Habermas kritisiert die Erweiterungspolitik der EU als zu hastig und unüberlegt, wodurch die inneren Spannungen nur noch weiter auseinanderdriften. Wir kommen immer mehr zu einem rückwärtsgerichteten Prozess der Nationalstaatenplänkelei zurück, wobei jeder den eigenen Weg zur Lösung der globalen Probleme für sich beansprucht. Aber es sollte doch wenigstens eine Lehre aus den globalisierten Problemen gezogen worden sein: Dass Nationalstaaten alleine nicht in der Lage sind globale Probleme zu lösen.
Europa ist hierzu ein attraktiver und bisher auch höchst erfolgreicher Weg der Problemlösung (mit nicht unbedeutenden Fehlern). Die Europäische Einigung sollte also gar nicht zur Debatte stehen. Das tut sie aber, wenn man das Wagnis einer quasi "launischen Mitgliedschaft" proklamiert. Ich unterstelle Herrn Habermas keineswegs eine Leugnung des Wertes der Europäischen Einigung. Wohl aber bin ich skeptisch, ob eine solche Lösung nicht eher zur Dekonstruktion eines modernen Gedankens der Völkerverständigung, wie ihn die EU darstellt, führt. Ein teilweiser Ausstieg muss auch mit Folgen verbunden sein. Es kann nicht sein, dass Staaten wirtschaftlich von der EU profitieren, bei Integrationsfragen - also bei der Einschränkung des Einzelnen (des einzelnen Staates) zu Gunsten des Ganzen - aber den "Schwanz einziehen".
Bei Wikipedia steht geschrieben:
"Während ihres Physikstudiums in Leipzig lernte Angela Kasner 1974 bei einem Studentenaustausch in Moskau ihren ersten Mann, den aus dem Vogtland stammenden Physikstudenten Ulrich Merkel, kennen. Am 3. September 1977 wurden die beiden kirchlich in Templin getraut."
http://de.wikipedia.org/wiki/Angela_Merkel
Und meines Wissens ist das schon die "bereinigte" Fassung. Früher stand in der eigenen Biografie, das sie längere Zeit in Moskau studierte - was wohl die richtigere Variante ist und nicht so vielen seinerzeit zuteil wurde.
und werden auch durch Wiederholungen nicht besser.
Frau Merkel studierte nicht in Moskau, sie hat Russisch gelernt wie so viele in der DDR.
Paging