Koranschulen in Pakistan Lernen für das Leben und den Tod

Seit den Anschlägen von London sind die Koranschulen in Pakistan wieder stärker in den Blickpunkt der internationalen Öffentlichkeit geraten: Einst Bildungsstätten für arme Muslime, haben sich die Madrassas heute zum Biotop für den "Heiligen Krieg" entwickelt.

Von Von Tomas Avenarius und Hans Leyendecker

Trutzig wie ein koloniales Grenzfort liegt die "Dar ul-Ulum Haqania" an der Überlandstraße zwischen Islamabad und Peschawar. Das "Haus des Wissens" ist ein majestätisches Gebäude mit Türmen und Torbögen: Immerhin ist die Madrassa von Akora Khattak die wichtigste Koranschule Pakistans.

Zu besseren Zeiten brüstete Schulleiter Sami ul-Haq sich damit, seine Schule sei "die Universität des Dschihad" und ein Treffpunkt der wichtigsten Taliban-Führer aus dem benachbarten Afghanistan.

Seitdem Pakistan sich im Anti-Terrorkampf auf die Seite der USA gestellt hat, tritt der ultraradikale Islamist ul-Haq zurückhaltender auf: "Präsident Pervez Musharraf soll hier mal einen Militanten finden. Die Schule ist keine Basis für Extremisten. Wir haben weder Kanonen noch Panzer."

Nur: Keine der etwa 30.000 Religionsschulen Pakistans lässt sich auf den ersten Blick als Hort fundamentalistischer Umtriebe erkennen, nicht einmal ul-Haqs "Dar ul-Ulum". Tatsache aber ist, dass ein Teil der Koranschulen genau das ist, was auch die Dar ul-Ulum zumindest früher war: Brutstätten des Dschihadismus, die mit ihrer radikalen Auslegung des Islam Gotteskrieger und Selbstmordattentäter heranziehen.

Von Lahore nach London

Seitdem bekannt ist, dass zwei oder drei der Londoner Attentäter vor dem Anschlag auf die U-Bahn in Pakistan gewesen waren und zumindest einer dort eine Madrassa in Lahore besucht hat, stehen die pakistanischen Religionsschulen im Blickpunkt.

BBC und CNN zeigen Studenten, die auf dem Boden hockend und mit rhythmisch vor und zurückwiegendem Oberkörper den Koran auswendig lernen: Vor sich als einziges Lehrmittel das heilige Buch des Islam. Die Madrassas bieten eine fast ausschließlich religiöse Erziehung, die die Schüler wenig tauglich macht für ein Leben im 21. Jahrhundert, aber oft genug einstimmt auf den "Heiligen Krieg".