Das größte Konjunkturpaket der deutschen Nachkriegsgeschichte steht: Die Spitzen von Union und SPD einigen sich nach mehrstündigen Verhandlungen auf Steuersenkungen, eine Reduzierung der Krankenkassenbeiträge sowie einen Schutzschirm für Unternehmen.
Die Regierungskoalition hat sich auf ein zweites Konjunkturpaket geeinigt. Das teilte SPD-Fraktionschef Peter Struck am Montagabend nach einem fünfeinhalbstündigen Spitzentreffen im Kanzleramt unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin mit.
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SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Struck und Unions-Fraktionsvorsitzender Volker Kauder sprechen vor dem Bundeskanzleramt in Berlin über das Konjunkturpaket. (© Foto: AP)
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Gemeinsam habe man ein gutes Ergebnis erzielt, um Arbeitsplätze und Unternehmen in Deutschland krisenfest zu machen, sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU). Sein SPD-Kollege Struck sagte, man hoffe nun, das Bundestag und Bundesrat das Paket möglichst schnell billigen, damit die Maßnahmen schon zum 1. Juli in Kraft treten können.
Kernstück ist die Erhöhung der staatlichen Investitionen: Der "große Investitionspakt", getragen von Bund, Ländern und Gemeinden, habe eine Größenordnung von 17 bis 18 Milliarden Euro, sagte Struck. Danach sollen zusätzliche Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe in die Infrastruktur fließen, unter anderem in Straßen, Schienen sowie Schulen, Universitäten und schnellere Internetnetze.
Schwerpunkte seien Ausgaben für Bildungseinrichtungen, hieß es am Rande der abschließenden Verhandlungsrunde der großen Koalition im Kanzleramt. Außerdem gehörten Maßnahmen für die Beschäftigung von Kurzarbeitern dazu.
Grundfreibetrag steigt
Die Koalition einigte sich außerdem auf Steuer- und Abgabensenkungen für Bürger und Unternehmer im Umfang von jeweils neun Milliarden Euro. Wie Struck und Kauder mitteilten, sinkt der Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung von 15,5 auf 14,9 Prozent. Davon profitieren Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen.
Die Tarifkurve bei der Einkommensteuer werde abgeflacht, kündigte Kauder an. Auf diese Weise soll die "kalte Progression" abgemildert werden, die dazu führt, dass ein Großteil der Lohnerhöhungen bei unteren Einkommen durch schnell steigende Steuersätze aufgefressen wird. Damit wird eine zentrale Forderung der Union erfüllt.
Der Grundfreibetrag steigt von 7664 auf 8004 Euro. Zugleich wird der Eingangsteuersatz von 15 auf 14 Prozent gesenkt. Von den Steuersenkungen profitieren nicht nur die Steuerzahler, sondern auch die 80 Prozent der deutschen Firmen, die Einkommensteuer zahlen. Insgesamt belaufe sich die Senkung von Steuern und Abgaben auf 18 Milliarden Euro, sagte Struck. Die Steuerentlastungen sollen zum 1. Juli dieses Jahres kommen.
Arbeitnehmer und Unternehmen können zudem auch über die Jahresmitte 2010 hinaus mit einem stabilen Beitragssatz für die Arbeitslosenversicherung rechnen. Er soll trotz der Konjunkturkrise bei 2,8 Prozent fixiert werden.
Sollte die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit den Beitragseinnahmen nicht auskommen, wird der Bund einspringen und das Defizit ausgleichen. Dies gab es früher schon einmal.
Nach der derzeitigen Gesetzeslage wäre der Arbeitslosenbeitrag automatisch zum 1. Juli 2010 von derzeit 2,8 auf 3,0 Prozent vom Bruttogehalt gestiegen. Dies soll nun zur Sicherung der Beschäftigung korrigiert werden.
Zu den Koalitionsbeschlüssen gehört auch, dass Arbeitgeber bei Kurzarbeit zur Hälfte von den Sozialversicherungsbeiträgen für die Beschäftigen entlastet werden. Bislang müssen sie diese allein tragen. Künftig wird sich die BA daran zur Hälfte beteiligen. Wenn Firmen Zeiten der Kurzarbeit zur beruflichen Qualifizierung der Arbeitnehmer nutzen, erhalten sie die Sozialversicherungsbeiträge sogar in voller Höhe erstattet.
Beschlossen wurde zudem, dass die BA für die Qualifikation von Zeitarbeitern zusätzliche Mittel bereitstellt. Bis Ende Januar will die Koalition ein Gesetzgebungsverfahren starten, mit dem für die Zeitarbeitsbranche über das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz eine Lohnuntergrenze - also ein verbindlicher Mindestlohn - festgelegt wird.
Zur Entlastung von Familien solle es einen einmaligen Zuschuss von 100 Euro zum Kindergeld geben, sagte SPD-Fraktionschef Struck. Zudem sollen die Hartz-IV-Zahlungen für Kinder zwischen sechs und 13 Jahren angehoben werden. Neuwagenkäufer erhalten laut Struck eine Abwrackprämie von 2500 Euro, wenn sie ihr mindestens neun Jahre altes Auto abmelden.
Schutzschirm für Unternehmen beschlossen
Insgesamt soll das Konjunkturprogramm in den Jahren 2009 und 2010 rund 50 Milliarden Euro umfassen. Außerdem einigten sich die Koalitionäre auf einen Schutzschirm für Unternehmen. Um Engpässe bei der Finanzierung abzuwehren, werde ein "Kredit- und Bürgschaftsprogramm" aufgelegt.
Mit dem Begriff solle deutlich werden, dass es nur um Finanzierungshilfen wegen der schleppenden Kreditvergabe der Banken, nicht aber um den Einstieg in die Kapitalbeteiligung des Staates an Unternehmen gehe.
In Regierungskreisen hieß es, das Programm werde ein Volumen von bis zu 100 Milliarden Euro haben. Es werde bei der staatlichen Förderbank KfW angesiedelt. Eine direkte Kapitalbeteiligung des Staates an Firmen, wie sie die CDU im Vorfeld nicht ausgeschlossen hatte, sei darin nicht vorgesehen.
200 Euro mehr
Wie Unions-Fraktionschef Kauder ausführte, werde eine vierköpfige Durchschnittsfamilie in Deutschland pro Jahr rund 200 Euro mehr zur Verfügung haben. Das ergebe sich aus dem 100-Euro-Kinderbonus, Veränderungen bei Grundfreibetrag und Eingangsteuersatz sowie dem verringerten Kassenbeitragssatz, rechnete Kauder am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin" vor. "Da ist eine Entlastung der Familien durchaus festzustellen."
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(sueddeutsche.de/AP/dpa/jkr/gdo)
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Betrachtet man die Aktivitäten der Kohl-Genscher-, Schröder-Fischer- und Merkel-Müntefering/Steinmeier-Koalitionen beim Umgang mit dem deutschen Bildungswesen, den Sozialversicherungskassen, den Staatsfinanzen, der Produktiv- und der Finanzwirtschaft, dann reibt man sich verwundert die Augen und fragt sich, ob der Deutsche Michel nicht doch eher ein thumber Tor ist.
Zuerst finanzieren die Dicken, d.h. Kohl und Genscher, die Heimkehr der ostelbischen Regionen mittels der westdeutschen Sozialversicherungskassen.
Dann zerschlagen die Alphatiere Weigel, Eichel und Steinbrück die Staatsfinanzen mit einer Unternehmenssteuerreform, die einen gewaltigen Beitrag zur Bereitstellung der Spekulationsmilliarden lieferte, weil sie dieses Kapital faktisch dem Binnenmarkt als Nachfragesubstanz entzogen wurde,
Danach brillieren die Alphatiere Schröder, Hartz und Riester mit dem genialen Altersrücklagenclou der Riesterrente zu Gunsten der Versicherungsindustrie (siehe auch deren selbst gezimmerte Sterbetafel für Rentenversicherungsanlagen), die zu einer weiteren Anhäufung von Spekulationskapital in den Fonds der Versicherungsindustrie führt.
Und last but not least zerschlagen die Kooperatoren aus SPD, Bündnis90/Die Grünen, FDP, CDU und CSU mit dem von Bundestag fast einhellig verabschiedeten "Gesetz zur Moderniesierung des Investitionsstandortes Deutschland" eben all jene Sicherungsinstrumente und -systeme, die vielleicht noch in der Lage gewesen wären, die faktisch kriminelle Finanzspekulationshybris des deutschen Finanzsystems und der besitzbürgerlichen Renditehyänen zu dämpfen.
Zur Rettung des Systems, dass seine Kernkompetenzen in den vorgenannten Prozessen hat, werden nun auch noch zu Lasten des allgemeinen Steuerzahlers Milliarden verpulvert, deren Förderungswirkung für den faktisch strangulierten Binnenmarkt nicht nur von "Experten" bezweifelt wird.
Wer "wissen" will worum es geht und wo die "Tricks" dieses großen Clou liegen, der liest "Wir sind besser, als wir glauben" von P. Bofinger. ISBN-13: 978-3-499-61107-9.
Statt 2500 Verschrottungsprämie für angebliche "Altautos" wäre es weit sinnvoller, wenn jeder Arbeitnehmer 2500 Euro Handwerksrechnungen voll von der Steuer absetzen könnte. Das Geld käme auf jeden Fall in der Region an.
Der Abschwung ist schon lange da und unsere per Mandat um das Volkswohl Bemühten tun so, als ob die Auswirkungen der Krise zunächst mal bis Mitte des Jahres oder länger zuwarten, um sich erst dann aus irgendeinem ominösen Versteck raus zu trauen. Justament in dem Moment, wenn der Krisenbekämpfungskasper endlich sein Krisenbekämpfungskeulchen aus dem Krisenbekämpfungspäckchen 2.0 in die Hand gedrückt bekommt, um damit auf die Krisenauswirkungen eindreschen zu dürfen ...
... angesichts dieser Drohkulisse schlottern den Auswirkungen des Abschwungs gewiss nicht die Krisenknie.
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Es ist
- zögerlich
- in der Summe der Maßnahmen lächerlich
- bezogen auf die mögliche Wirkung dennoch unverhältnismäßig teuer
- in Anbetracht der kurz-, mittel und langfristig Anforderungen planlos
- ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum totalen Vertrauensverlust in die Gestaltungskraft unserer VolksvertreterInnen
was sich unserer Politikgestalten(den) da ausgedacht haben.
könnten die 50 Mrd (zb über zwei Jahre) als direkte Lohnkostenzuschüsse an alle kleineren und mittleren Unternehmen (die es wollen) gehen für deren Mitarbeiter? Unternehmen, die Waren/ Dienstleistungen zum kleinen / mittleren Preis anbieten und in dieser Finanzkrise weniger Gewinn machen bzw Verluste einfahren und aufgrunddessen Arbeitsplätze in Gefahr sind. Allerdings mit der Auflage, während dieser Zeit, wo sie Zuschüsse haben wollen, keine höheren Preise auf ihre Produkte/Dienstleistungen zu nehmen. Kommt der niedrigen Kaufkraft entgegen. Das Geld des Steuerzahlers wird zur Sicherung seines eigenen Arbeitsplatzes verwendet während dieser unsicheren Zeit- vielleicht entstehen sogar neue (am ende kann jeder stolz drauf sein, seine Steuern zu zahlen?!). Die Unternehmen können sich etwas erholen und haben Zeit, sich neue Konzepte einfallen zu lassen und diese auch umzusetzen statt gleich in Depressionen zu verfallen wegen der bevorstehenden Insolvenz. So kommen keine guten Ideen. Der Druck der Finanzkrise, etwas zu ändern, ist mehr als ausreichend. Die einen werden echt überlegen und was draus machen. Die Anderen wohl wie bisher vor sich hin dümpeln... Die Steuerzahler/Bürger sind zufrieden, die Unternehmen auch und der Staat hat sinnvoll Geld in die Zukunft investiert (neben dem neuen Plänen für Bildung,.. die auch sehr wichtig und zukunftsweisend sind... ).
"dass es wirklich spürbare Steuersenkungen nur mit der FDP geben wird"
Da dürften die Rentner und älteren Arbeitnehmer nicht Ihrer Ansicht sein. Denn "Welt Online" meldet gerade, wer die ganzen Wohltaten bezahlen soll: Die Rentner!
Rentenkürzungen und nochmaliges Vorziehen der Rente mit 67 sind im Gespräch.
In trauter Dreisamkeit fordern dies: SPD, FDP und CDU.
Hupps.
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