Klimaschutzplan Große Prosa

Die Koalition einigt sich darauf, was geschehen "sollte".

Von Michael Bauchmüller

Um den deutschen Klimaschutzplan fertigzukriegen, mussten viele Bäume sterben. Auf zuletzt 89 Seiten, hin- und hergereicht in zwei Dutzend Versionen, soll er den Weg Deutschlands in eine klimafreundliche Zukunft weisen. Doch das meiste ist nur schöne Prosa: Der Plan ist voll von "sollte" und "könnte", aber leer an "muss". Er zieht lauter logische Schlussfolgerungen, aber nicht die letzte Konsequenz. Ließe man 88 der 89 Seiten weg, würde der Welt nicht viel fehlen.

Ließe man diese 88 Seiten weg, dann bliebe am Ende eine einzige Tabelle übrig. Sie beschreibt, wie viel Treibhausgase einzelne Branchen bis 2030 noch ausstoßen dürfen, will Deutschland seine Klimaziele erreichen. Und hier wird der Plan dann doch interessant: Denn um die Emissionen derart zu drosseln - allein die Energiewirtschaft müsste sie noch einmal halbieren -, braucht es eben doch jene letzte Konsequenz, die in Worte zu fassen sich die Koalition nicht traute: weniger Kohlekraftwerke, weniger Verbrennungsmotoren, weniger verlorene Energie. An dieser Wahrheit kommen auch künftige Regierungen nicht mehr vorbei.

Die zügige Einigung auf den Plan war vor allem als Signal an die Klimakonferenz in Marrakesch gedacht - seht her, die Deutschen machen ernst. Dieses Signal ist, nicht zuletzt durch die wirre Diskussion der letzten Tage, gründlich missraten. Stattdessen belegt der Plan vor allem eines: Der Weg heraus aus Kohle, Öl und Gas wird noch verdammt steinig.