Wieder Ärger mit der Piusbruderschaft: Die erzkonservative Bewegung will wieder eigene Priester weihen - und beruft sich auf den Papst. Regensburgs Bischof Müller ist erbost.
Die umstrittene Piusbruderschaft bleibt auf Konfrontationskurs zum Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller. Sie hält an ihrem Vorhaben fest, in ihrem Priesterseminar in Zaitzkofen in der Oberpfalz am 27. Juni drei Priester weihen zu lassen.
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Bischof Müller ist verärgert: Er appellierte an die Piusbrüder, die geplanten Weihen abzusagen. (© Foto: ddp)
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Die Zeremonie soll von Pius-Bischof Alfonso de Galarreta abgehalten werden, dessen Exkommunikation erst im Januar von Papst Benedikt XVI. aufgehoben worden war. Der Leiter des Seminars, Pater Stefan Frey, sagte am Sonntag: "Die Weihen werden stattfinden - in Zaitzkofen."
Bischof Müller appellierte hingegen an die Piusbrüder, die Weihen abzusagen. Bischof Galarreta und die Weihekandidaten handelten "nicht rechtmäßig". Die Weihen seien "unerlaubt", kritisierte Müller und mahnte: "Sie haben nur Zukunft in der Kirche, gegen die Kirche wird es auch für diese Gemeinschaft keine Zukunft geben."
Es sei an den Piusbrüdern, neue "Ärgernisse" zu vermeiden. "Es ergeht deshalb eben der Appell an die Piusbrüder, hier an das Wohl der Kirche zu denken. Und jetzt nicht so kleinteilig an den Vorteil ihrer eigenen Gemeinschaft."
Der Bischof argumentiert, es könne im Bistum nur ein Priesterseminar geben - und das sei das Seminar St. Wolfgang in Regensburg. "Man muss es natürlich auch akzeptieren können, dass ich eben der verantwortliche Bischof jetzt hier bin und nicht zulassen kann, was einfach in sich selbst nicht in Ordnung ist", sagte Müller. Ein Schreiben Müllers an den Vatikan mit der Bitte um Klärung des Umgangs mit dem Piusseminar in Zaitzkofen blieb bislang aber unbeantwortet.
Darauf verweist auch Pater Frey. Zudem sei durch die Aufhebung der Exkommunikation für die Bischöfe der Priesterbruderschaft "ein provisorischer rechtlicher Status eingetreten".
Frey fügte hinzu: "Damit kann das Leben in der Bruderschaft ganz normal weitergehen und dazu gehören nun einmal Priesterweihen." Die drei Weihekandidaten von Zaitzkofen sind dem Bayerischen Rundfunk zufolge der Pole Lukasz Szydlowski, der Schweizer Thomas Suter und der Schwede Hakan Erik Lindström.
Die Piusbruderschaft war weltweit in die Schlagzeilen geraten, nachdem ihr Bischof Richard Williamson in einem im Landkreis Regensburg aufgezeichneten Fernsehinterview behauptet hatte, die historische Evidenz spreche gegen die Existenz von Gaskammern. Auch seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 Juden von den Nazis ermordet worden, aber keiner in einer Gaskammer, sagte Williamson.
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(ddp-bay/segi/odg)
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Der Papst wird vermutlich wieder einmal in ein Dilemma geraten. Hier die sakrametale Weihe-dort das Recht. In diesem Streit zwischen Weihe und Recht, zwischen Sakrament und rechtliche Grundlage scheint mir die Kirche immer dann anfällig zu sein, wenn eines besonders hervorgehoben wird. Zur Zeit kann man den Eindruck gewinnen, dass viel zu sehr rechtlich argumentiert und gehandelt wird. Dabei lebt die Kirche in erster Linie aus der frohen Botschaft Jesu. Sie ist der Grundstein für diese Kirche gewesen und wird es auch immer bleiben (oder die Kirche wird untergehen). Rechtsfragen gab es immer und sie sind auch verändert worden im Laufe der Kirchengeschichte. Den Zölibat z.B. gab es nicht immer, und auch zur Zeit wird er an der Basis der Gläubigen heftig angegangen.
Der erneute Konflikt mit den Piusbrüdern wirft die Frage auf, wieso der Hl. Vater ohne Not und ohne Bedingungen dieser Gruppe die Hand gereicht hat? Anscheinend glauben diese "Konservativen" davon überzeugt zu sein, dass sie auf dem wahren Weg sind und der Hl. Vater sich dort hin zu bewegen hat. Ein Nicht "wirkliches" Eingreifen aus Rom könnte diese Vermutung unterstützen
Wie war das? Versöhnen statt spalten!
Wer versucht, Extremisten mit Logik beikommen zu können, ist noch meist an deren Negation der Logik gescheitert.