Kardinal Meisner beigesetzt Kirchenkritik im Dom

Kardinal Joachim Meisner fand seine letzte Ruhestätte in der Gruft der Kölner Erzbischöfe - an einer Stelle, die er sich selbst gewünscht hatte.

(Foto: Robert Boecker/dpa)

Überraschendes bei der Trauerfeier in Köln: Der emeritierte Papst Benedikt erhält Beifall für ein Grußwort.

Kardinal Joachim Meisner ist am Samstag in Köln beigesetzt worden - mit einem kleinen Überraschungseffekt. Das Requiem im überfüllten Dom leitete Meisners Nachfolger als Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki. Meisner, der am 5. Juli gestorben ist, galt als wortgewaltiger Vertreter der Konservativen in der katholischen Kirche. Papst Franziskus hob in einer Botschaft "den unerschrockenen Einsatz" Meisners für Glauben und Kirche hervor. In der vom Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterović, verlesenen Botschaft wies Franziskus darauf hin, dass sich Meisner aus tiefem Glauben für die Menschen in Ost und West gleichermaßen eingesetzt habe.

Auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. verabschiedete sich mit einer ungewöhnlichen Geste. Sein Privatsekretär, Kurienerzbischof Georg Gänswein, verlas eine sehr persönlich gehaltene Botschaft des früheren Kirchenoberhaupts. Darin bezeichnete Benedikt XVI. Meisner als "leidenschaftlichen Hirten und Seelsorger". Gleichzeitig äußerte sich Benedikt kritisch über den Zustand der Kirche - er verglich sie mit einem Boot, das manchmal "fast zum Kentern angefüllt ist". Wörtlich schrieb der emeritierte und aus Bayern stammende Papst, Meisner sei ein Mensch gewesen, dem es schwerfiel, "sein Amt zu lassen, und dies gerade in einer Zeit, in der die Kirche besonders dringend überzeugender Hirten bedarf, die der Diktatur des Zeitgeistes widerstehen und ganz entschieden aus dem Glauben leben und denken". Weiter hieß es: "Aber umso mehr hat es mich bewegt, dass er in dieser letzten Periode seines Lebens loszulassen gelernt hat und immer mehr aus der tiefen Gewissheit lebte, dass der Herr seine Kirche nicht verlässt, auch wenn manchmal das Boot schon fast zum Kentern angefüllt ist." Die Gläubigen quittierten Benedikts Grußwort mit spontanem Applaus.

Auch der ungarische Kardinal Péter Erdö aus Budapest würdigte die Verdienste Meisners für die Weltkirche. Meisner habe einen kaum zu überschätzenden Beitrag für das Zusammenwachsen Deutschlands und von Ost- und Westeuropa geleistet. Erdö, der ein langjähriger Freund Meisners war, bezeichnete den Kardinal als einen leidenschaftlichen Kämpfer für die Wahrheit des Glaubens. Am Ende der Trauerfeier wurde der Sarg in die Gruft der Kölner Erzbischöfe hinabgelassen. Das Grab gegenüber der letzten Ruhestätte von Kardinal Joseph Frings (1887 - 1978) hatte sich Meisner selbst ausgesucht.