Kambodscha Roter Khmer vor Gericht

Er hatte jahrelang als Lehrer gearbeitet, bevor Journalisten ihn 1999 aufspürten: In Kambodscha steht der erste frühere Rote Khmer wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht.

In Kambodscha steht dem Prozess gegen den ersten der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagten früheren Roten Khmer nichts mehr im Wege.

Das eigens eingerichtete Tribunal wies am Freitag einen letzten Antrag der Staatsanwaltschaft ab, die die Anklageschrift gegen Kaing Guek Eav, alias Duch, erweitern wollte. Der 66-jährige Angeklagte war während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 Aufseher im berüchtigten Folgergefängnis Toul Sleng.

Dort kamen 12.000 Menschen um. Er muss sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen verantworten. Der Prozess soll im Frühjahr kommenden Jahres beginnen.

Die Staatsanwaltschaft des Tribunals, das gemeinsam von den Vereinten Nationen und Kambodscha eingerichtet wurde, wollte Kaing zudem auch wegen Verschwörung zu einer systematischen Vernichtung der Bevölkerung anklagen. Das hätte nach ihrer Überzeugung die Beweisführung gegen die anderen Angeklagten leichter gemacht, die bislang alle Schuld von sich weisen. Kaing hat als einziger Reue gezeigt.

Er hatte jahrelang als Lehrer gearbeitet, bevor Journalisten ihn 1999 aufspürten. Kaing war zum frommen Christen geworden und versprach volle Kooperation mit den Ermittlungsrichtern. Die anderen Angeklagten sind Angehörige der Führungsriege. Sie behaupten, von den Gräueltaten nichts gewusst zu haben.

Es handelt sich um den Stellvertreter des Rote-Khmer-Chefs Pol Pot, Nuon Chea (82), den früheren Staatschef Khieu Samphan (77), den ehemaligen Außenminister Ieng Sary (83) sowie dessen Frau, Ieng Thirith (76).

Die Roten Khmer wollten einen maoistischen Bauernstaat einrichten. In ihrer Amtszeit waren in Kambodscha bis zu zwei Millionen Menschen umgekommen.