Fast 18 Jahre nach dem Mauerfall ist das alte Regime noch spürbar im Osten. Der Prozess des Zusammenwachsens gestaltet sich heute schwieriger denn je. Statt mehr Geld und feierlicher Sprüche bedarf es endlich einer schonungslos ehrlichen Analyse.
Zwei ältere Herren tingeln in diesen Tagen über die Kabarettbühnen in der deutschen Provinz. Sie sind an die 70, klein von Wuchs und ziemlich harmoniebedürftig. Trotzdem müssen sich die beiden Rentner dauernd streiten: Denn der eine ist ein Ossi, der andere ein Wessi.
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Mauerfall 1989 - wer hätte in diesen Tagen geglaubt, dass Deutschland noch 18 Jahre später kein vereintes Land sein würde? (© Foto: ddp)
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Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm (West) und der einstige Tatort-Schauspieler Peter Sodann (Ost) haben sich zusammengerauft und für ihr Ost-West-Varieté ein brandaktuelles Thema entdeckt: Die unvollendete Einheit. Selbst 17 Jahre nach der Wiedervereinigung ist Deutschland nämlich noch längst kein einig Vaterland - wie salbungsvoll auch immer die Sprüche zum Einheitstag klingen mögen.
Dabei war alles so schön und perfekt geplant: Milliarden- und Abermilliarden von Steuergeldern wurden in den Aufbau-Ost gesteckt, Tausende von westdeutschen Aufbauhelfern schwärmten aus, um den Ossis die Welt zu erklären.
Gekaufte, nicht gefühlte Einheit
Nun sind die Straßen im Osten oft breiter und gerader als im Westen, die Amtsstuben sind sorgfältigst saniert und bei den Gesetzestexten wurden zuweilen sogar die Druckfehler mitkopiert. In den privaten Wohnhäusern, ob Ost oder West, flimmern die gleichen Breitwand-Fernseher, vor den Garagen stehen dieselben Autotypen. Und doch ist vieles anders.
Denn selbst 18 Jahre nach dem Untergang der DDR ist das alte Regime noch spürbar im Osten, und hinter den blanken Fassaden gestaltet sich der Prozess des Zusammenwachsens heute schwieriger denn je: Von der gekauften Einheit ist der Schritt zur gefühlten Einheit noch nicht gelungen.
Mittlerweile haben viele Ostbürger eine Art Benachteiligungssyndrom gegenüber dem Westen kultiviert: Sie klagen über niedrige Löhne und vergessen, dass auch Mieten, Lebensmittel und andere Kosten in Ostdeutschland weit niedriger sind - weshalb es ihnen in Wahrheit materiell an gar nichts fehlt.
Derweil schimpfen die Westdeutschen immer heftiger über den Solidaritätsbeitrag, mit dem sie die Ossis angeblich alimentieren - dass die Extrasteuer auch von Ostdeutschen berappt wird, übersieht man im Westen gern.
Hinter solchen Klagen stecken verdeckte Ressentiments, Minderwertigkeitsgefühle und Ängste, die viel zu wenig thematisiert werden. Denn es fehlt eine Diskussionskultur, die es erlauben würde, offen mit den mentalen Problemen zwischen Ost und West umzugehen.
Ost-West-Theater im Umgang mit Rechtsradikalismus
Das rächt sich heute, vor allem beim Umgang mit dem Rechtsradikalismus. Kaum wird ein neuer Übergriff in Ostdeutschland bekannt, wie kürzlich im sächsischen Städtchen Mügeln, geht das Ost-West-Theater los: Politiker in Westdeutschland heben den Zeigefinger, und ihre Ost-Kollegen spielen die erfolgte Unschuld - sie behaupten, es gebe gar keine Neonazis in ihrer schönen Stadt, stattdessen würden die Bewohner von westdeutschen Hetzjournalisten verfolgt.
Kommt es zu einem Zwischenfall im Westen, wie neulich in der Pfalz, wird der Zank dann anders herum geführt - als ob beide Teile Deutschlands in einem imaginären Wettstreit miteinander stünden. Dahinter steckt eine oberflächliche Gleichmacherei, mit der die wahren Probleme verkleistert werden.
Denn natürlich gibt es gerade in Bezug auf den Rechtsradikalismus wichtige Unterschiede zwischen Ost und West. Die DDR hatte ihren Volksgenossen seinerzeit den Antifaschismus verordnet, die Verantwortung für den Nationalsozialismus aber wurde den Kapitalisten im Westen zugeschoben.
Ostbürger durften sich daher stets frei von der Scham für die NS-Taten fühlen. Hingegen haben die Westbürger sich ihr Bewusstsein für die Vergangenheit in Jahrzehnten mühsam erarbeiten müssen: Erst die Erfahrungen mit den Altnazis in Schulen, Behörden und Firmenvorständen, dann die Studentenbewegung, der Historikerstreit, die Holocaustfilme und schließlich die Lichterketten.
Aus der Kurve getragen
Hinter diesen Stationen steckt persönliche Vergangenheitsbewältigung von Hunderttausenden von Menschen, die es so in Ostdeutschland bislang nicht gegeben hat. Deshalb ist zwar traurig, aber doch erklärlich, wenn sich heute eben tatsächlich mehr Übergriffe von Rechtsradikalen in Ostdeutschland abspielen - und wenn dort weniger zivilcouragierte Menschen dagegen vorgehen.
Noch etwas wirkt nach: In Ostdeutschland wurde beinahe eine ganze Generation durch die wirtschaftlichen Umwälzungen nach der Wende gleichsam aus der Kurve getragen. Viele Menschen verloren ihren beruflichen Rahmen, ihre Perspektiven und Hoffnungen.
Aus den Kindern dieser Wendeverlierer rekrutieren sich heute viele der randalierenden Rechtsradikalen. Es sind junge Männer, denen von ihren Eltern keine Maßstäbe vorgegeben werden konnten; Männer ohne Ideen und Energien, gleichsam die zweite Generation der Wendeverlierer - denn die fähigeren jungen Leute, vor allem auch die Frauen, haben sich längst in Richtung Westen aufgemacht.
Diese Entwicklung gilt es zu stoppen, sonst können die Unterschiede zwischen Ost und West nur immer noch größer werden.
Feierliche Sprüche helfen da wenig. Auch kann es nicht darum gehen, noch mehr Geld nach Ostdeutschland zu pumpen. Stattdessen hilft nur eine schonungslos ehrliche Analyse. Die Einheit ist ein epochales Ereignis für Deutschland. Sie sollte nicht zermahlen werden.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 2./3.10.2007)
Youtube-Hit aus USA
soviel salat wie frau kohl muss man erst mal in der birne haben. mit diesem geistigen horizont kann die dame unmöglich je den weißwurscht-äquator überschritten haben.
heben sie einen auf meine rechnung, sie armer wicht. 40 jahre eingesperrt und sie gönnen denen nicht mal urlaub, neid, neid ich hör dir trapsen-prost, ich bin übrigens bayer und hoffe sie nicht auf der wiesn zu treffen, denn da gibt's k e i n freibier.
ihr Kommentar ist peinlich, sonst nichts. Nicht als Platitüden und Stammtischgerede. Und leider millionenfach vorhanden. Hätten Sie damals mal den Mund aufgemacht. Die alten Bundesbürger wurden zur Einheit nicht befragt. Es aht aber auch keiner den Mund aufgemacht. Zum Begrüßungsgeld hääten Sie dann noch einen Handzettel verteilen sollen, über den Umgang mit der D-Mark, Einstellung zum Eigentum, Gestaltung der Hierarchie und und und. Haben Sie aber nicht. Aber jeder blickige Altbundesbürger mit etwas D-Mark auf dem Konto hat sich im Osten ganz gut eingedeckt. Woher sollten die Ossis die bundesdeutschen (Stammtisch-) Gepflogenheiten kennen? Aus dem Fernsehen? Dann gehen sie nach Hause, setzen sich vor die Glotze und träumen schön weiter.
Und jetzt in Fuerte? Was machen Sie mit den Russen?????
Die ersten Ossis, nach der Wende, habe ich im Club Robinson, und zwar in Massen, auf Fuerteventura kennen gelernt. Jeder weiss was das dort kostet.
Vorher hatte ich schon einige gekannt, weil ich öfter in Ost-Berlin zu tun hatte. Die in Ost-Berlin vor der Wende taten mir echt Leid. Sie hatten nichts, hatten keine Möglichkeit zu reisen, konnten nichts kaufen.
Die die ich dann auf Fuerte getroffen habe, hatten Geld in Hülle und Fülle und haben das auch fleissig ausgegeben. In Spanien, in Italien, in den USA, auf Reisen, beim Bummeln aber nicht zuhause. Man wollte ja leben, mal reisen, endlich auch so leben wie die Wessis. Die glaubten, wir im Westen hätten immer im Saus und Braus gelebt. Und das haben sie dann halt auch. Bis die Kohle futsch war, die sie für Grundstück oder Ihr Haus oder die Enterbung oder, oder bekommen hatten.
Im Westen hätte das Geld jemand in ein Geschäft gesteckt, damit es ihm auch noch später gut geht und auch andere dort Arbeit finden. Aber nein, das konnten diese Ossis nicht. Sie haben es verprasst. Und nun wo alles weg ist und sie echt mal arbeiten müssen. Da wissen sie nicht wie das eigentlich geht. So siehts aus. Die anderen die nie was hatten, tun mir immer noch Leid. Aber auch diese müssen halt härter Arbeiten und selbst was anfangen. Das haben viele im Westen auch gemacht. Der Wohlstand ist keinem geschenkt worden.
ist die Wiedervereinigung: Wenn man den Leuten aber alles Identitätsstiftende nimmt, außer Stasi Ja/Nein Wessi/Ossi braucht man sich über "radikale" Wendemanöver nicht zu wundern. Viele fühlen sich halt verarscht, ein Beispiel:
Eine bayerische Firma wollte einen DDR-TReuhandbetrieb übernehmen (für 15 MIO) und lud zur angeblichen Einführung in die Technik die Ostbelegschaft ein, die ich dann eine halbe Stunde ablenken musste, während der Chef die Betriebsleiterin bestach und nach dem Motto, die guten Aufträge nach Bayern, die schlechten in den Osten in Zukunft zu verfahren hatte.
Nach einem halben Jahr war der Betrieb noch 1,5 MIO wert und die Belegschaft entlassen.
Frage: Wem kam hier wohl das staatliche Unterstützungsgeld zugute? Statistisch ist hier Geld in den Osten geflossen, in Wirklichkeit wurde es in den Westen transferiert mitsamt dem Auftragsvolumen. Dem Osten blieben: die Arbeitslosen, eine stillgelegte Fabrik, Verlust von Infrastruktur und Knowhow.
Ich hab das ganze damals dem Spiegel und SZ gefaxt: kein Interesse (1991 war man noch euphorisch und blind?)
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