Israels "Gefangener X" Ein Pass voller Stempel von Iran

Weil die Mitglieder des mutmaßlichen Mossad-Kommandos von Hotelkameras eingefangen worden waren, ließ die Nachrichtenagentur Reuters schließlich von einem Forensik-Institut Fotos von Zygier mit den Bildern aus Dubai vergleichen. Das Ergebnis war negativ - Zygier konnte nicht identifiziert werden.

Eine Beteiligung an dieser höchst sensiblen Operation erscheint aber auch deshalb unwahrscheinlich, weil der vermeintliche Geheimagent Zygier zu diesem Zeitpunkt schon auffällig geworden war. Der australische Journalist Jason Koutsoukis, damals Nahost-Korrespondent mit Sitz in Jerusalem, hatte 2009 aus heimischen Sicherheitskreisen den Hinweis bekommen, dass Zygier in Geschäfte des Mossad verstrickt war, die zu einer Tarnfirma in Italien führten. Laut dem Spiegel sollen Zygiers diverse australische Pässe - unter den Namen Benjamin Burrows und Benjamin Allen - voll mit Einreisestempeln aus Iran gewesen sein.

Teil verdeckter Operationen und Sabotagen?

Zygier könnte also Teil jener verdeckten Operationen gewesen sein, die mit Sabotage und gezielten Tötungen von Wissenschaftlern das iranische Atomprogramm stoppen sollen. Ein Beweis, dass er selbst tatsächlich dort im Einsatz war, ist dies jedoch nicht. Es könnten schließlich auch andere Agenten die von ihm besorgten Pässen genutzt haben.

Der gezielte Hinweis an den Journalisten Koutsoukis spricht jedoch dafür, dass Zygier 2009 zwischen die Fronten konkurrierender Geheimdienste geraten ist. Der australische Sender ABC berichtet, dass der Mossad ihn aus dem Verkehr zog, weil er dem australischen Geheimdienst bei Reisen in die alte Heimat Einblicke in seine Arbeit für die Israelis gegeben haben könnte. All dies jedoch sind Erklärungen im Konjunktiv - und sie ranken sich noch recht lose um die einzige Tatsache, dass Zygier als "Gefangener X", dessen Namen nicht einmal seine Wärter wussten, in einer Zelle des Ajalon-Gefängnisses von Ramla landete.

Anwalt erlebte ihn als kampfbereiten Mann

Entgegen erster Berichte waren jedoch sowohl die australischen Behörden als auch seine Familie über die Inhaftierung informiert worden. Kurz vor seinem Tod empfing Zygier im Dezember 2010 den israelischen Anwalt Avigdor Feldman. Es soll um einen möglichen Handel mit der Staatsanwaltschaft gegangen sein, der auf eine Gefängnisstrafe zwischen 10 und 20 Jahren hinausgelaufen wäre.

Der Anwalt hat Zygier als kampfbereiten Mann in Erinnerung, der für den Beweis seiner Unschuld kämpfen wollte. Zwei Tage nach dem Besuch hing er tot in seiner von Kameras überwachten Zelle. Selbstmord - so lautete das Ergebnis einer internen Untersuchung, die erst vor wenigen Monaten abgeschlossen wurde. Zygier wurde 34 Jahre alt. Er starb vier Tage nach der Geburt seines zweiten Kindes.