In der indischen Wirtschaftsmetropole Mumbai gibt es nach Erkenntnissen der Polizei Auktionen, wo die jüngsten und schönsten Mädchen für 1300 Euro versteigert werden - als Sexsklavinnen. Nach Bhiwandi gelangt nur die so genannte zweite Wahl.
Yamuna Bai, umgeben von ihren Kindern. (© Foto: Kessler)
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Die graue Stadt, die etwa 50 Kilometer nordöstlich von Mumbai liegt, gilt als Manchester von Indien.
Es gab Zeiten, da rackerten hier eine halbe Million muslimische Wanderarbeiter an mechanischen Webstühlen. Unter schlimmsten Bedingungen produzierten sie ein Drittel aller in Indien hergestellten Stoffe, billige Massenware.
Weit bessere und günstigere Produkte aus China haben aber in den vergangenen Jahren jedoch auch den indischen Markt erobert. Bhiwandi gleicht immer mehr einer Geisterstadt: Die Mehrheit der Betriebe hat die Arbeiter entlassen und die Maschinen verschrottet. Wer konnte, zog weiter.
Doch tausende Prostituierte blieben zurück: Devadasis, Witwen, Nepalesinnen - verkauft und ausgestoßen von der Gesellschaft. Selbst wenn sie sich frei gekauft haben wie Yamuna Bai, gibt es für sie keinen anderen Ort als den Rotlichtbezirk. Er besteht in Bhiwandi aus engen Gassen, die im Schatten der Webereien liegen.
Ein Kunde zahlt 90 Cent
Unter dem Rattern der Maschinen und mit Blick auf den Abflusskanal sitzen die Dirnen auf den Vorsprüngen vor ihren Zimmern und warten auf bessere Tage. Bevor die ortsansässige Textilindustrie in die Krise geriet, hatten sie bis zu zehn Kunden täglich zu bedienen - für jeweils 50 Rupien. Das sind 90 Cent.
Die Hälfte der Einkünfte sackte die Puffmutter ein. Was übrig blieb, legten sie zum Teil zurück für Zeiten, in denen sie nicht mehr anschaffen konnten. Die beste Altersvorsorge sind in den Augen der Prostituierten allerdings Kinder.
Fast jede von ihnen hat eines oder zwei. Es ist noch nicht lange her, dass die Kleinen im Rotlichtbezirk herumtollten, wenn die Mütter arbeiteten - bis tief in die Nacht. Den verwahrlosten Kindern hing ein solches Stigma an, dass keine Schule sie freiwillig aufnahm.
Ihr Weg ins älteste Gewerbe der Welt war so gut wie vorgezeichnet, bevor das indische Hilfswerk Apne Aap ein Kinderheim in Bhiwandi eröffnete. Es habe ihr fast das Herz gebrochen, sagt Yamuna Bai, aber ihr sei nichts anderes übrig geblieben, als Raju und Guja - er sechs, sie drei Jahre alt - dorthin zu geben. Die beiden sollten es einmal besser haben als sie.
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(SZ vom 20.4.2006)
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