Historisches Treffen in Pjöngjang Ein neues Kapitel für Korea

Es ist ein erster, aber ungemein wichtiger Schritt. Zum Abschluss des Gipfels haben Nord- und Südkorea erklärt, den Friedensprozess einleiten zu wollen. Die Staatschefs aus beiden Teilen mussten über ihren eigenen Schatten springen - aus unterschiedlichen Gründen.

Ein Kommentar von Christoph Neidhart, Seoul

Der Weg ist weit von Seoul nach Pjöngjang, jedenfalls der Landweg, auf dem Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun zum zweiten innerkoreanischen Gipfel fuhr. Die Grenze selbst überschritt er sogar zu Fuß. Die Symbolik dieser paar Schritte entging auch Nordkoreas Diktator Kim Jong Il nicht. Die Grenze zwischen den Nachbarstaaten war bis vor wenigen Jahren unüberwindlich.

Dass der Gipfel in Pjöngjang reich an Symbolik sein würde, konnte man erwarten. Dass große Worte gemacht würden, auch. Nicht rechnen durfte man mit größeren Schritten. Nun hat Roh seine ganze Traktandenliste in die Schlusserklärung einbringen können, wenngleich etwas abgeschwächt.

Insbesondere haben Roh und Kim sich verpflichtet, den Friedensprozess in Korea einzuleiten. Bisher trennt nur der Waffenstillstand von 1953 die beiden Bruderländer vom Krieg.

Eine Absichtserklärung zum Friedensprozess ist noch kein Frieden, mit Rückschlägen muss man rechnen. Ohnehin können die beiden Koreas keinen Frieden schließen, solange sie nicht auch die USA und China zu Verhandlungen bitten, die beiden anderen Parteien im Koreakrieg (1950-1953).

Dennoch eröffnet dieser Gipfel auf der koreanischen Halbinsel ein neues Kapitel. Regelmäßige Ministertreffen, engere Wirtschaftszusammenarbeit, eine gemeinsame Olympiamannschaft für die Spiele in Peking und viele weitere Vereinbarungen bringen die beiden Koreas in winzigen Schritten einander näher.

Über den eigenen Schatten springen

Nordkorea ist bankrott, China alimentiert das kommunistische Land nicht mehr umsonst. Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun hat nur noch wenige Monate, um in die Geschichte einzugehen. Der Druck, der auf den beiden lastet, hat sie - vor allem den Nordkoreaner Kim - gezwungen, über ihre Schatten zu springen.

In seinem Toast beim Bankett nach Abschluss der Verhandlungen sprach Roh von seinem Traum, einen gemeinsamen Markt zu schaffen, an dem erst die beiden Koreas, irgendwann aber ganz Ostasien teilhabe. Dazu ist es noch ein sehr weiter Weg. Einen winzig kleinen ersten Schritt haben die beiden Koreas mit diesem Gipfel getan.